Made in Germany

Die Alles-selber-Macher

Die Firma Damasko ist als Zulieferer von Präzisionsteilen für die Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt hoch angesehen und ausgelastet. Eigentlich könnte sich die Familie Damasko den ganzen Aufwand um die Vermarktung, den Vertrieb und den Unterhalt einer Uhrenkollektion sparen. Zu unserem Glück tut sie das aber nicht.
Damasko Chronograph DC 80 Black
© Rainer Fromm
Der Chronograph DC 80 Black mit modifizierter Valjoux-Technik ist mit einem Preis von 2780 Euro scharf kalkuliert.

Als Konrad Damasko sich 1994 seinen Kindheitstraum von einer Armbanduhr nach seinem Geschmack und seinen – strengen – Qualitätsmaßstäben erfüllte, musste er sich die Zeit dafür buchstäblich stehlen. Die Maschinen in seiner kleinen Werkstatt liefen Tag und Nacht und produzierten Präzisionsteile für die bayrischen und schwäbischen Automobilhersteller sowie für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie, die nicht weit von Regensburg eines ihrer wichtigsten Zentren unterhält. Die Stunden nach Feierabend verbuchte der Uhrenliebhaber als Entspannung, obwohl sich das Gehirn eines Ingenieurs natürlich niemals völlig abschalten lässt.

So näherte Konrad Damasko sich dem Thema Uhr mit demselben kritischen und konstruktiven Ansatz, mit dem er in seinem täglichen Geschäft die Lösung fertigungstechnischer Probleme in Angriff nahm. Er zerlegte die Uhr in ihre Bestandteile und nahm sie aus dem Blickwinkel des Metallurgen und Konstrukteurs einzeln unter die Lupe. Reduziert auf ihre Funktion, wurden Kronen, Drücker und Lünetten zu Schrauben, Dichtungen und Drehlagern und gaben dem Ingenieur ihre Geheimnisse preis. 

Von der Fertigung einfacher Anbauteile bis zur Konstruktion komplexer wasserdichter Gehäuse mit verschraubten Kronen und Drückern war es nur ein kleiner Schritt. In dem voll ausgerüsteten Industriepark entstehen heute neben Lünetten, Kronen- und Drückertuben sowie Gehäuseböden aus Edelstahl und Titan auch nahezu alle Befestigungselemente. 

Wartungsarm und robust 

Leider lassen sich die in der Uhrengehäuse-Herstellung oft verwendeten Edelstähle wie beispielsweise 316L aufgrund ihres austenitischen Gefüges nicht durchhärten. Zwar gibt es ein Verfahren, bei dem die Oberfläche durch eindiffundierenden Kohlenstoff gehärtet werden kann, jedoch ist diese harte Schicht eher ein «Schutzmantel» von wenigen Hundertstelmillimetern Dicke, der schon bei geringer mechanischer Belastung zum Durchbrechen neigt. 

Familie Damasko
Family Business: Isabella, Christoph, Nadja, Konrad und Petra Damasko besetzen die Schlüsselpositionen in der Damasko GmbH.

Konrad Damasko hat bereits im Gründungsjahr 1994 die ersten härtbaren martensitischen Edelstähle für den Einsatz im Uhrengehäuse-Bau zum Patent angemeldet. Diese Stähle lassen sich bis 64 HRC bzw. 800 Vickers durchhärten und eignen sich somit ideal für Uhrengehäuse. Bei der Herstellung des «aufgestickten» Edelstahls, wie ihn Damasko verwendet, wird die Stahlschmelze unter Druck mit Stickstoff angereichert, wodurch sich der benötigte prozentuale Anteil des Legierungsbestandteils Kohlenstoff verringert. Durch das Herabsetzen des Kohlenstoffanteils steigt jedoch die Korrosionsbeständigkeit um ein Vielfaches. Dieser Edelstahl, der auch wegen seiner speziellen Wärmebehandlung als «eisgehärtet» bezeichnet wird, kommt sonst überwiegend in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz, wie zum Beispiel in den Turbinenlagern von Strahltriebwerken oder bei Hochgeschwindigkeitslagern in Werkzeugmaschinen.

Über seine Forschungen auf dem Gebiet der Veredelung von Oberflächen (gekrönt von etwa 20 Patenten) beschäftigte Konrad Damasko sich auch mit den komplexen reibungsbedingten Zusammenhängen in der Ankerhemmung und entwickelte eine schmierstofffreie nanotechnologische Beschichtung auf DLC-Basis. Die Aufzugsleistung des Klinkenwechslers erhöhte er durch den Einsatz von Keramikkugeln, und über den Kontakt zu einer Spezialfirma im Schwäbischen wagte er sich an die Entwicklung einer Spirale und Hemmung aus polykristallinem Silizium zur Verbesserung der Gangpräzision heran. 

Zwei Manufakturkaliber

Damasko Kaliber A35-1
© Rainer Fromm
Damasko Kaliber A 35-1, Ø 35 mm, Höhe 7,9 mm; 23 Steine; 28.800 A/h; Gewichtsunruh, Spirale und Ankerrad aus Silizium; stoßsicher und antimagnetisch nach DIN; Gangreserve 52 Std.

2010 entstand das erste Manufakturwerk mit der Kaliberbezeichnung A 35-1, in dem Damasko alle bisher entwickelten Technologien und Erkenntnisse vereinte. Der selbst entwickelte Rotor ist mit einem Keramikkugellager ausgestattet und schwingt über fein finissierte Kloben und Brücken mit Genfer Streifenschliff hinweg. Technisch glänzt das Automatikwerk mit einer Silizium-Hemmung und der EPS®-Spirale aus einem verwandten polykristallinen Material. Das mit 23 Lagerrubinen ausgestattete Werk arbeitet mit einer Unruhfrequenz von 28.800 A/h
(4 Hz) und ist sowohl amagnetisch nach DIN 8309 als auch stoßsicher nach DIN 8308.

Zwei Jahre später folgte die Handaufzugsversion H 35, die den Verzicht auf den schwarzen und mit Zierschliffen versehenen Aufzugsrotor mit einer hochwertigen Veredelung der Oberflächen von Kloben und Brücken kompensiert. Das ebenfalls mit Silizium-Hemmung und -Spirale ausgestattete Kaliber H 35 hat 18 Steine und kommt trotz unverändert hoher Schlagzahl von 28.800 A/h auf eine Gangreserve von stolzen
52 Stunden – ein Beleg für die reduzierte Reibung in allen Lagern. Selbstverständlich ist auch das Handaufzug-Manufakturkaliber amagnetisch und stoßsicher nach DIN.

Seit 2013 sind die Geschäftsfelder Metallbearbeitung und Uhren zur Damasko GmbH zusammengefasst, mit der eingetragenen Marke Damasko Uhrenmanufaktur. Inzwischen arbeiten neben Konrad Damasko und seiner Frau Petra auch Sohn Christoph und die beiden Töchter Nadja und Isabella im Familienunternehmen mit, das in beiden Geschäftsbereichen insgesamt 30 Personen beschäftigt.

Ein neuer Chronograph

Damasko- Gehäuseteile und Lünetten
© Rainer Fromm
Wasserdichte und druckfeste Gehäuse, Schraubböden und rastende Drehlünetten zählen zu den Standard-Erzeugnissen der Firma Damasko. Auch die separat eingeschraubten bzw. verpressten Tuben für Drücker und Krone werden im eigenen Hause hergestellt.

Das neue Flaggschiff der Kollektion ist der Chronograph DC 80, der mit einer technischen Besonderheit auf der Basis des bewährten ETA Kalibers 7750 «Valjoux» aufwarten kann. Unter der internen Bezeichnung C 51 konstruierte Damasko einen exakt springenden Minutenzähler, der wie der Stoppsekundenzeiger aus der Werkmitte entspringt. Dadurch – und durch den konsequenten Verzicht auf eine Kleine Sekunde – kann das Zifferblatt sehr übersichtlich gestaltet werden. 

Die einfache und unmissverständliche Ablesbarkeit der gestoppten Zeit an dem farbig abgesetzten Sekundenzeiger und dem mit einer Flugzeugsilhouette als Pfeilspitze ausgestatteten Minutenzähler war ein wesentliches Merkmal des Lemania Kalibers 5100, das von der Swatch Group vor einigen Jahren aus der Produktion genommen wurde. Damasko nahm den Verlust zum Anlass, eine solche Anzeigekomplikation auf Valjoux-Basis zu entwickeln und patentieren zu lassen. Auch Tutima und Sinn haben ähnliche Systeme konstruiert, die jedoch nicht wie bei Damasko ins Uhrwerk integriert sind. Dadurch hält sich Damasko die Option auf eine große Datumsanzeige direkt unter dem Zifferblatt offen, das heißt, die Datumsscheibe liegt nicht tief unten im Werk wie bei so manchen Modulkonstruktionen. Außerdem kann auch die über die Krone gesteuerte Anzeige einer zweiten Zeitzone auf einem kleinen Hilfszifferblatt bei der «3» umgesetzt werden. Es ist unnötig, zu erwähnen, dass sämtliche für diese Weiterentwicklung benötigten Teile wie Platinen, Räder, Triebe usw. in der Manufaktur hergestellt werden.

Auch das auf diesen Seiten abgebildete Metall-Gliederband wird in sämtlichen Einzelteilen auf dem Damasko-Maschinenpark gefertigt, die einzelnen Bandglieder und die Elemente der Doppelfaltschließe mit federbelasteter Kugelsperrung ebenso wie Hülsen und Federstege sowie die winzigen Schrauben mit komplett gefrästen und angefasten Torx-Köpfen von weniger als einem Millimeter Gewindedurchmesser. Montiert werden die Einzelteile nebenan in der hauseigenen Uhrmacherabteilung, die vor wenigen Wochen frisch renoviert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht wurde. 

Verschiedene Vertriebssysteme 

Damasko-Uhren werden in Deutschland über ein noch recht überschaubares Händlernetz verkauft, doch der Löwenanteil der Umsätze – auch weltweit – entfällt zweifellos auf den sehr gut gemachten Webshop (www.damasko-watches.com). Die Möglichkeit des «Fabrikverkaufs» wurde letztes Jahr auf den neu eröffneten Monostore in der Regensburger City umgelegt. Am Kohlenmarkt im Herzen der Altstadt haben Touristen die Möglichkeit, die Produkte der einzigen einheimischen Armbanduhrenmanufaktur zu erwerben – und Uhrenfreunde genießen die Gelegenheit, den Kauf ihres neuen Zeitmessers mit dem kulturellen Erlebnis eines Besuchs in der Domstadt zu verbinden.

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