Marco Lang Zweigesicht

Kopf oder Zahl

Januar 2024. Zugegeben: Ohne Werkzeug geht es nicht. Aber Meister Lang kennt seine Kunden und unterstützt ihren Spieltrieb mit einem maßgeschneiderten Gehäusehalter, mit dem sich im Handumdrehen die Bandanstöße austauschen lassen und damit das Uhrengehäuse wenden.
Marco Lang Zweigesicht

Lieber ein gediegenes weißvergoldetes Zifferblatt mit haarfeinen römischen Stundenziffern und guillochiertem Zentrum zum stilvollen Ablesen der Uhrzeit? Oder nicht doch lieber einen permanenten Blick auf das wunderschön finissierte Uhrwerk mit seinen fliegenden Brücken? Die Zeitanzeige darf da ruhig in den Hintergrund treten.

Zwei Uhren in einer nennt Marco Lang sein Modell Zweigesicht, das in seinem Atelier am Weißen Hirsch in Dresden in zeitraubender Einzelfertigung entsteht – insgesamt 18 Exemplare, dann soll Schluss sein. Das kann aber noch ein Weilchen dauern, denn der Mitgründer der Manufaktur Lang & Heyne arbeitet seit einigen Jahren alleine in der Kellerwerkstatt seines Wohnhauses und bedient seinen treuen Kundenstamm mit absolut exklusiver Individualität.

Marco Lang Zweigesicht
Marco Lang

König Kunde als Freund

Die Abbildungen hier bieten lediglich Anhaltspunkte für Gestaltungsmöglichkeiten, denn jedes «Zweigesicht» ist ein Einzelstück, das in Abstimmung mit dem Käufer gestaltet, dekoriert und ausgeführt wird. So können die Formen und Materialien der Zeiger, Handgravuren im Werk und auf dem Gehäuse, sogar verschiedene Schliffe und Polituren mit dem zukünftigen Uhrenbesitzer vereinbart werden.

Die spezielle symmetrische Konstruktion des 34 Millimeter großen Handaufzugswerks zeigt auf beiden Seiten die Uhrzeit an: Vorne ist es mit einem konventionellen Zifferblatt bestückt und verrichtet quasi unsichtbar seinen Dienst. Auf der Rückseite rückt die Zeigerachse aus der Mitte und gibt den Blick frei auf die fliegenden Brücken aus gehärtetem Stahl, das gestalterische Grundkonzept des ersten Uhrwerks in Marco Langs neuem Projekt.

Die freie vierschenklige Exzenterunruh ist inspiriert von der Form eines gotischen Kirchenfensters. Zwei in Serie geschaltete Federhäuser sorgen für eine längere und komfortable Laufzeit des Werkes, das gleichzeitig ästhetisch von der Massivität eines einzelnen Federhauses befreit wird. Das zweite zusätzliche Zeigerwerk verlegt die Stunden-und Minutenanzeige auf ein skelettiertes, durchschimmernd emailliertes Zifferblatt.

Die Stoß-Indikation

Marco Lang Zweigesicht

Das Uhrwerk mit all seinen feinst gearbeiteten Teilen ist am Handgelenk oft kleinen Stößen ausgesetzt, die natürlich Einfluss auf das Gangverhalten haben. Aber wie groß sind die Stöße – z.B. bei verschiedenen Sportarten –, die das Uhrwerk parieren muss, und aus welcher Richtung kommen sie? Zusammen mit einem befreundeten Uhrensammler entwickelte Marco Lang die Idee zu einem Stoß-Anzeiger und konstruierte eine Baugruppe, die sich in das Uhrwerk integrieren lässt.

Das Herz des feinmechanischen Indikators, der gegenüber der Aufzugskrone auf der Hauptplatine des Werks angeordnet ist, ist ein Zeigerfeder-Mechanismus, der die seitlich ins Werk eingetragenen Beschleunigungen in X- und Y-Achse erfasst. Ein kleines Gewicht sorgt für die Auslenkung zweier Gabeln, die wiederum je zwei Zeiger bewegen. Durch eine feine Sperrverzahnung werden diese in der ausgelenkten Lage festgehalten und zeigen so auf einen Blick Richtung und Stärke des letzten Stoßes an. Über einen in das Gehäuse eingelassenen Korrektor lässt sich die Anzeige nullstellen.

Das zweite Gesicht

Marco Lang Zweigesicht

Bleibt letztlich die Frage nach dem Lieblings-Gesicht der Uhr: Klassisches Zifferblatt oder technisches Szenario? Auf beiden Seiten kann man die Uhrzeit ablesen, so dass sich die Wahl ganz nach der aktuellen Gemütslage des Trägers richten darf. Zugegeben: Ohne Werkzeug geht es nicht. Aber Meister Lang kennt seine Kunden und unterstützt ihren Spieltrieb mit einem maßgeschneiderten Gehäusehalter, mit dessen Hilfe sich im Handumdrehen die Bandanstöße austauschen lassen und damit das Uhrengehäuse wenden. Die schräg angesetzten Bandanstöße sorgen für den ergonomisch richtigen Sitz am Handgelenk, und durch den Verzicht auf einen wie auch immer gestalteten Wendemechanismus bleibt die schlanke Silhouette des 40-mm-Gehäuses erhalten.


Text: Peter Braun


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