Uhrwerk-Dekoration Teil 3: Zierschliffe

Der letzte Schliff

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Die faszinierende Ästhetik der Mechanik kommt in der Dekoration von Uhrwerkskomponenten zum Ausdruck. Blickfang sind Zierschliffe, wie sie in den Ateliers von Glashütte Original aufgebracht werden.
Streifenschliff für die Rotorplatte eines Werks von Glashütte Original.
Streifenschliff für die Rotorplatte eines Werks von Glashütte Original.

Am auffälligsten sind beim Blick auf das Uhrwerk die Zierschliffe. Der bekannteste ist der Wellenschliff, auch als Genfer Streifen oder Côte de Genève bezeichnet, eine rippenförmige Dekoration aus breiten, geraden Streifen. Diese wird zum Beispiel auf den Brücken aufgebracht, da sich der Schliff vor allem für nicht funktionelle Oberflächen eignet. Bei in Glashütte ansässigen Marken wird dieses Muster auch als Glashütter Streifen- oder Bandschliff bezeichnet.

Dekoration einer Platine von Glashütte Original durch Perlage, ein Muster, das aus kleinen, dicht beieinanderliegenden Kreisen besteht.
Dekoration einer Platine von Glashütte Original durch Perlage, ein Muster, das aus kleinen, dicht beieinander liegenden Kreisen besteht.

Ebenfalls weitverbreitet sind der Wölkchen oder Perlschliff, die «Perlage» aus kleinen, dicht beieinanderliegenden Schleifkreisen sowie der Sonnenschliff «Soleil». Dieser besteht aus strahlenförmigen Rippen oder Bögen beziehungsweise aus zahlreichen durch den gleichen Schnittpunkt verlaufenden Linien.

Vor allem auf Rädern findet sich der Kreisschliff, den man an feinen kreisförmigen Linien erkennt. Er ist die runde Variante des Strichschliffs, der eine feine parallel laufende Linienstruktur hat.

Tradition in Glashütte

Die Tradition, ein Uhrwerk auf diese Weise zu verzieren, hat in Glashütte laut Reinhard Reichel, dem Leiter des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte, um 1870 begonnen. Die Muster halfen demnach auch, kleine Unregelmäßigkeiten zum Beispiel in der Platine optisch zu kaschieren. Nach und nach entstanden bestimmte Traditionen, welche Muster auf welchen Komponenten angewandt wurden, und heute «gehört die Dekoration aus meiner Sicht zu einem Uhrwerk », sagt Reichel. Immerhin lasse sich an deren Feinheit ablesen, wie es wirklich um das Können und die Handarbeit einer Uhrenmarke bestellt sei.

Bei Glashütte Original offenbart sich der Glashütter Streifenschliff auf der Dreiviertelplatine und der Rotorplatte, während Werk- und Modulplatten perliert sind. Aufzugsräder tragen den Sonnenschliff, und verschiedene Hebel und Federn sind mit einem feinen Strichschliff dekoriert.

Regionale Spezialität

Der Glashütter Streifenschliff entsteht, indem ein rotierendes Schleifpapier geradlinig über das Werkstück geführt wird. Jeder Streifen wird einzeln geschliffen und nach jedem Durchgang das Werkstück oder das Werkzeug um eine Streifenbreite verschoben, was in der Regel nur wenige Millimeter sind.

Doppelter Sonnenschliff auf einem Zahnrad von Glashütte Original.
Doppelter Sonnenschliff auf einem Zahnrad von Glashütte Original.

Das Aufbringen des Sonnenschliffs ähnelt dem der Genfer Streifen. Das Werkstück wird ebenfalls unter der Schleifspindel hindurchgezogen, allerdings wird es dabei kreisförmig bewegt. Ähnliches geschieht beim Kreisschliff: Dieser Zierschliff kann mit einem Schieferstäbchen oder einer Schmirgelfeile auf dem sich drehenden Werkstück erzeugt werden.

Die Perlage besteht aus vielen kleinen Kreisen, die einzeln durch einen rotierenden Schleifstift mit wenigen Millimetern Durchmesser aufgebracht werden. Dieser Schleifstift wird auf das Werkstück abgesenkt. Die Kunstfertigkeit des Handwerkers, der das Muster kreiert, besteht darin, das Werkstück völlig gleichmäßig unter dem Schleifstift weiterzubewegen. Jede einzelne der «Perlen» sollte die vorherige «Perle» zur Hälfte überdecken, damit ein homogenes, feines Schliffbild entsteht. Die Perlen müssen zudem mit absolut gleichmäßigem Druck aufgebracht werden, damit das Muster einheitlich wirkt.

 

Text: Iris Wimmer-Olbort

Erfahren Sie mehr zum Thema Uhrwerk-Dekoration in unserer Serie:

Lesen Sie hier Teil 1 zur Geschichte und über weitere Techniken

Teil 2: Anglieren bei Audemars Piguet

Teil 4: Politur und Gravur bei A. Lange & Söhne

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