Uhrwerk-Dekoration Teil 4: Gravur

Malen in Metall

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Ein kunstvoll gravierter Unruhkloben ist ein Erkennungszeichen der Uhrwerke von A. Lange & Söhne. Diese Dekoration erfolgt von Hand – ebenso wie die Politur von Komponenten.
Von Hand gravierter Unruhkloben bei A. Lange & Söhne.
Von Hand gravierter Unruhkloben in einem Uhrwerk von A. Lange & Söhne.

Nicht nur Schliffe verschönern ein Uhrwerk: Bei A. Lange & Söhne werden noch weitere aufwendige Finish-Arbeiten durchgeführt, so zum Beispiel die Politur von Deckplättchen und Goldchatons sowie des Rückerzeigers auf dem Unruhkloben und der Schraubenköpfe.

Schwarzpolitur auf einer Zinnplatte bei A. Lange & Söhne.
Schwarzpolitur auf einer Zinnplatte bei A. Lange & Söhne.

All das sind Aufgaben für versierte Handwerker: Polituren etwa werden ausschließlich in Handarbeit ausgeführt. Die meisten erfolgen aus ästhetischen Gründen, einige haben auch einen technischen Hintergrund. Zum Beispiel werden die Funktionsflächen an Hebeln, Federn und Rasten poliert, um die Reibung zu minimieren.

Bei den dekorativen Politurtechniken unterscheidet A. Lange & Söhne die Fasen-, Flach- und Schwarzpolitur, die an den unterschiedlichsten Teilen ausgeführt werden. Besondere Stahlteile – zum Beispiel die Tourbillonbrücke oder die Oberseite eines Tourbillonkäfigs – werden schwarz poliert. Damit bezeichnet man eine so hochwertig polierte Fläche, dass sie in einem gewissen Winkel eine Totalreflexion aufweist. Dies wiederum erscheint dem Auge wie die Farbe Schwarz. Erstellt wird diese Oberfläche auf einer Zinnplatte mit speziellen Poliermitteln, deren Körnung nach und nach abgestuft ist.

Anspruchsvolle Dekoration

Der Höhepunkt der Veredelungsarbeiten bei A. Lange & Söhne ist die von Hand durchgeführte Gravur des Unruhklobens, der in der Manufaktur nach einem historischen Vorbild erstellt wird. Dabei pflegt jeder Graveur seinen ganz eigenen Stil, der sich trotz des gleichen Grundmusters minimal von dem des Kollegen unterscheidet. Das ist ausreichend, um später zu erkennen, welcher Künstler der Urheber der Klobengravur war.

Handgravur des Unruhklobens bei A. Lange & Söhne.
Handgravur des Unruhklobens bei A. Lange & Söhne.

Der Unruhkloben wird in der Technik des Flachstichs bearbeitet. Dabei wird das Muster mit dem Stichel im freien Schnitt aus dem Metall herausgehoben. So können fein geschwungene Linien oder auch grafische Motive und florale Muster ausgeführt werden – perfekt für den Unruhkloben oder auch Dekorationen auf dem Zifferblatt. Dafür benötigt man Zeit: An einem Unruhkloben arbeitet der Fachmann zwischen 45 und 60 Minuten.

Noch aufwendiger ist die Reliefgravur, die sich für größere Motive wie Wappen oder Ornamente eignet. Bei dieser Technik wird das Material so aus dem Boden herausgenommen, dass das Motiv im Ergebnis stehen bleibt. Hierbei kommen meistens mehr Werkzeuge zum Einsatz als beim Flachstich.

Eine dritte, sehr traditionelle Gravurtechnik ist die sogenannte «Tremblage», bei der ein Fadenstichel in einer schaukelnden Bewegung (franz. trembler = zittern) in acht verschiedenen Richtungen über das Material geführt wird. So entsteht eine feinkörnige Struktur, die wie eine lebendige Satinierung wirkt und bei Lange auf Zifferblättern einiger Sondermodelle, wie dem 1815 Tourbillon Handwerkskunst, zu finden ist.

Perfektion von Anfang an

Schwierig wird die Arbeit des Graveurs durch die Härte des Materials: Der Handwerker muss sehr viel Kraft aufwenden, um den Stichel sicher durch das Metall zu führen. Die filigranen Muster und elegant geschwungenen Linien dürfen dies jedoch nicht erkennen lassen. Außerdem gibt es bei der Gravur keine Möglichkeit, etwas zu korrigieren. Vom Anfang bis zum Ende muss jede Linie perfekt sitzen, sonst ist das Werkstück unwiederbringlich verloren.

Text: Iris Wimmer-Olbort

Erfahren Sie mehr zum Thema Uhrwerk-Dekoration in unserer Serie:

Lesen Sie hier Teil 1 zur Geschichte und über weitere Techniken

Teil 2: Anglieren bei Audemars Piguet

Teil 2: Zierschliffe bei Glashütte Original

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