TAG Heuer Neuheiten 2026

Evergraph und Monaco

TAG Heuer revolutioniert mit einer gelenkfreien Drückermechanik die mechanische Kurzzeitmessung und rückt das hauseigene «Labor» ins rechte Licht.

Monaco Evergraph

Evergraph

TAG Heuer präsentierte auf der Uhrenmesse Watches and Wonders mit dem Monaco Evergraph eine sensationelle Chronographen-Neuentwicklung. Nicht zum ersten Mal, möchte man da sagen, denn die Geschichte des Chronographen-Spezialisten ist reich an Erfindungen, Entwicklungen und Experimenten auf dem Gebiet der mechanischen Zeitmessung – man denke nur an den verbesserten Schwingtrieb aus dem Jahr 1887, das legendäre Automatik-Chronographenkaliber 11 von 1969 oder an die atemberaubende Anhebung der Schwingfrequenzen und die Steigerung der Messgenauigkeit auf die Tausendstelsekunde zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Der Monaco Evergraph legt nun den Grundstein zu einer neuartigen Drückermechanik, die dem traditionellen System mit Hebeln und Federn in puncto Präzision, Bedienungsfreundlichkeit und Langlebigkeit weit überlegen ist.

Festkörpergelenke (engl.: compliant joints) sind seit Jahren das heiße Thema der Mikromechanik. Geschickte Geometrien nutzen die Flexibilität von Metallen oder Kunststoffen, um ein unter Spannung stehendes Element bei Zufuhr einer definierten Kraft von einer Form in eine andere «umschnappen» zu lassen. Das Element besteht aus einem Stück, und die Bewegung – eigentlich eine Verformung – erfordert keine Schwenk- oder Drehgelenke, die der Schmierung bedürften und einem Verschleiß unterworfen wären. Positiv zu bewerten ist auch der geringe Kraftbedarf bei der Betätigung, weil die spontane Verformung des Elements einen Großteil der Bewegungskraft selbst erzeugt. Im Falle der Steuerung einer Chronographenkupplung ermöglicht dies ein geradezu unwirklich leichtgängiges Drückergefühl bei dennoch exakt definiertem Druckpunkt.

Auch der federnde Mechanismus zur Rückstellung der Zeigerherzen ist ein Beispiel für Festkörpergelenke. Die verschiedenen Stärken der im Zickzack übereinander positionierten Hebel definieren Weg und Kraft der Rückstellbewegung und sind dabei doch im LiGA-Verfahren aus einem einzigen Stück Nickel-Phosphor-Stahl gefertigt. Bei dem in Zusammenarbeit mit Vaucher Manufacture von TAG Heuer LAB entwickelten Kaliber TH80-00 handelt es sich um eine invertierte Werkkonstruktion, bei der Federhaus und Räderwerk ebenso zifferblattseitig angeordnet sind wie die neue TH-Carbonspring-Hemmung (36.000 A/h) mit ihrer Unruhspirale aus gezüchteten Karbonfaser-Nanoröhren. An der Werkseite beansprucht der «Compliant»-Mechanismus der Chronographensteuerung fast die komplette Fläche; allerdings bleiben die sehr flach bauenden Elemente unter einer großen Brücke mit Schachbrett-Dekor und dem Aufzugsrotor teilweise verborgen.

Dass das Kaliber TH80-00 im ikonischen Rechteckgehäuse der Monaco debütiert, dessen Krone und Drücker an gegenüberliegenden Flanken angeordnet sind, schlägt eine emotionale Brücke zum Anbruch der Chronographen-Neuzeit, die 1969 mit der Integration des automatischen Aufzugs begann. Es steht zu hoffen, dass der «Compliant»-Mechanismus eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreibt – der Preis von aktuell 25.000 Euro (für den Evergraph in Titan) dürfte sich über höhere Stückzahlen noch verringern lassen.

Monaco Chronograph

Die zweite Chronographen-Neuentwicklung von TAG Heuer mag ein wenig im Schatten des Evergraph stehen, was ihre Bedeutung für die Kollektion indes keineswegs schmälert. Das Kaliber TH20-11 im neuen Monaco Chronograph ist eine Weiterentwicklung des Manufakturkalibers TH20-00 von 2023 bzw. dessen Vorläufers Heuer 02 von 2016, beide mit Automatikaufzug und Schaltradsteuerung. Das grundlegend überarbeitete neue Uhrwerk glänzt nicht nur mit besserer Leistung und Zuverlässigkeit, sondern hält auch ein weiteres Ass im Ärmel: Seine Krone ist an der linken Seite angeordnet, also gegenüber den beiden Chronographendrückern. Das war einst das Markenzeichen des legendären Heuer Kaliber 11 – daher auch die neue Kaliberbezeichnung TH20-11. In den letzten Jahren hatte man diese bei Uhrenfreunden sehr beliebte Besonderheit mit einem Modulkaliber (um 180° verdrehte Werkhälften) nachgeahmt, doch nun müssen Sammler nicht länger auf den Genuss einer integrierten Konstruktion mit Schaltradsteuerung verzichten. Der Preis für den Monaco Chronograph Calibre TH20-11 beträgt 9300 Euro in Stahl (13.000 Euro mit Goldlünette, -krone und -drückern).

Text: Peter Braun

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