Findeisen Nauticmaster Field Diver DLC S.E. vs. Hanhart Aquasphere Ocean Fade

Toolwatches mit Tiefgang

Juli 2026. In diesem «Uhrenvergleich» nehmen wir zwei Taucheruhren aus deutscher Produktion unter die Lupe. Die junge Marke Findeisen tritt mit ihrer Nauticmaster gegen die Aquasphere von Hanhart an. Beide Uhren kosten selbst am Gliederband deutlich unter 2000 Euro.
Hanhart und Findeisen zeigen mit ihren Modellen Aquasphere und Nauticmaster, wie eigenständig Taucheruhren sein können.

Findeisen wurde 2017 in Nürnberg gegründet und hat bereits vier Modellfamilien im Programm. Die sportliche Taucheruhr Nauticmaster zeichnete sich bislang durch einen Magnetfeldschutz für das Uhrwerk in Form eines Weicheisenkäfigs und den Einsatz des Manufakturkalibers A26.2 von Damasko aus. Diese Besonderheiten haben allerdings ihren Preis. Um auch Kunden in einem etwas niedrigeren Preissegment bedienen zu können, gibt es die Nauticmaster inzwischen parallel auch in einer «Swiss Edition» (S.E.) mit Uhrwerk von Sellita.

Gehäuse und Armband der Toolwatch entsprechen dabei 1:1 der Qualität der teureren Manufakturversion und müssen sich hinsichtlich der Verarbeitung auf keinen Fall verstecken – auch nicht vor der Aquasphere vom etablierten Hersteller Hanhart aus Gütenbach im Schwarzwald. Mit der Gründung im Jahr 1882 beläuft sich dessen Geschichte auf nunmehr 144 Jahre. Besonders bekannt ist Hanhart für Fliegerchronographen, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg am Handgelenk von Piloten im Einsatz waren. Mit der Aquasphere wagt Hanhart zum ersten Mal auch den Sprung ins kalte Wasser und erweitert das bereits große Angebot an Toolwatches mit und ohne Chronograph um eine waschechte Taucheruhr mit 30 bar Wasserdichtheit und Heliumventil.

Die auffällige Sägezahnlünette der Findeisen Nauticmaster trägt eine schwarze DLC-Beschichtung.

Erster Eindruck

Tobias Schaefer: Im direkten Vergleich der beiden Armbanduhren stellt man fest, wie unterschiedlich man das Design einer modernen Taucheruhr doch umsetzen kann. Während die Aquasphere in ihrer Designsprache deutlich klassischer gehalten ist, springt bei der Nauticmaster sofort die sägezahnförmige Lünette ins Auge, die bei unserem Testexemplar sogar noch durch eine schwarze DLC-Beschichtung betont wird. Hanhart versieht die Aquasphere mit einer vollflächig gebürsteten Oberfläche und einer Lünetteneinlage aus Keramik, wohingegen Findeisen bei der Nauticmaster das Gehäusemittel perlstrahlt. Beide Modelle tragen zudem einen Kronenschutz, um die Uhren robuster zu machen.

Das dunkelgrüne Zifferblatt der Findeisen ist mattiert und mit aufgesetzten arabischen Ziffern ausgestattet, die wie die schwertförmigen Zeiger für Stunden und Minuten und der pfeilförmige Sekundenzeiger mit Leuchtmittel ausgelegt sind. In der gezeigten Version bietet das Zifferblatt der Aquasphere Ocean Fade einen Farbverlauf von Dunkelblau zu Schwarz. Darauf aufgesetzt sind elf balkenförmige Indexmarker sowie die «12». Auch bei Hanhart kommt dabei reichlich Super-Luminova zum Einsatz.

Peter Braun: So ganz vollflächig gebürstet ist das Gehäuse der Hanhart nicht, denn die Designer haben sich markante Kehlungen an den Flanken im Bereich der Bandanstöße einfallen lassen, deren Sohle eine mattere Oberfläche aufweist. Das erzeugt optisch eine spannende Plastizität, während sich bei der Nauticmaster Field Diver Lünette, Gehäusekorpus und Schraubboden in der Seitenansicht ganz klar unterscheiden lassen.

Die Drehlünette – obwohl nur gegen den Uhrzeigersinn verdrehbar, comme il faut – gibt sich mit ihrer markanten Sägezahnoptik weniger als Taucher-Drehring und mehr als funktionales Werkzeug für Kurzzeitmessungen auch außerhalb des Wassers. Die Hanhart dagegen will eine echte Profi-Taucheruhr sein und hat deshalb sogar ein Heliumventil im Gehäuse, von dem normale Uhrenträger keinen Nutzen haben. Es dient nämlich lediglich dazu, das bei längerem Aufenthalt in einer Druckkammer ins Uhrengehäuse diffundierte Atemluftgemisch beim Auftauchen kontrolliert ent¬weichen zu lassen.

«Ocean Fade» beschreibt den Verlauf von Dunkelblau bis Schwarz auf dem Zifferblatt der Hanhart Aquasphere.

Tragegefühl, Bedienung, Ablesbarkeit

TBS: Mit 41,5 und 42 mm im Durchmesser und einer durchaus vergleichbaren Höhe von 12,5 und 12,95 mm sind beide Uhren auf dem Papier sehr ähnlich dimensioniert. Die etwas größere Aquasphere misst über die Bandanstöße («Lug-to-Lug») 49 mm und damit zwei Millimeter mehr als die Nauticmaster (47 mm). Im Profil fällt jedoch sofort auf, dass deren Bandhörner deutlich stärker nach unten gebogen sind, was der Uhr einen sehr guten Sitz am Handgelenk beschert. Die dafür sehr kurzen Anstöße der Findeisen haben einen ähnlichen Effekt, außerdem profitiert die Uhr am Handgelenk von der geringeren Bauhöhe.

Das gezeigte Gliederband der Nauticmaster ist übrigens die brandneue Version, die zu Redaktionsschluss noch gar nicht offiziell zu haben war. Überarbeitet wurde das Anstoßglied, das sich nun wie bei der Hanhart zwischen den Bandanstößen formschlüssig ans Gehäuse schmiegt und direkt steil abfällt. Dadurch wird der Tragekomfort gesteigert, da sich der starre Teil des Uhrenkopfes deutlich verkürzt. Außerdem hat sich Findeisen dazu entschlossen, die herausklappbare Taucherverlängerung in der Schließe zu entfernen und ganz auf die prima Feinverstellung zu setzen. Hanhart dagegen bietet in der Schließe keine Feinverstellung an und setzt dafür auf eine klassische Taucherverlängerung. Dafür ist das zur Schließe hin schmaler zulaufende Band der Hanhart subjektiv etwas bequemer als das vollbreite Band der Findeisen.

Durch den Glasboden der Findeisen ist der Kaliber-Klassiker SW200-1 von Sellita zu sehen, ausgestattet mit einem personalisierten Aufzugsrotor.

PB: Ich habe beide Uhren hauptsächlich an den wahlweise erhältlichen Kautschukbändern getragen und kann über den Tragekomfort nicht maulen. Die Bandstege lassen sich in beiden Fällen ohne Werkzeug mit dem Daumennagel entriegeln, was den Bändertausch zum Kinderspiel macht. Bei der Hanhart wird ein klassischer Riemen aus Vollmaterial verwendet und mit einer sehr schön gemachten Faltschließe verschlossen, die elegant das rote Farbelement von der Lünette aufgreift. Das an der Vorderseite mit Textilgewebe kaschierte Kautschukband der Findeisen verfügt zwar «nur» über eine profane Dornschließe, doch unterm Strich ist der Tragekomfort noch einen Tick besser als bei der Hanhart. Es liegt sehr weich am Arm und die Schließe trägt überhaupt nicht auf.

In puncto Ablesbarkeit geben sich beide Kandidaten wirklich keine Blöße, nicht bei Tag und schon gar nicht bei Nacht. In der Dunkelheit strahlen Stundenziffern bzw. Indexe und Zeiger förmlich um die Wette, bei Hanhart in kräftigem Grün, bei Findeisen in scharfem Blau – bis auf den Minutenzeiger, der leuchtet grün nach. Das hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht, die Form sorgt meines Erachtens für ausreichend Unterschied zum Stundenzeiger.

Hanhart versteckt das in der Schweiz gefertigte Kaliber P024 von Soprod unter einem Stahlboden mit Reliefgravur.

Technik, Ausstattung, Gang

TBS: Bei Findeisen wird in der Nauticmaster das Sellita Kaliber SW200-1 verbaut, das hier in der Qualitätsstufe Elaboré zum Einsatz kommt und in drei Positionen einreguliert wird. In der verwendeten Version bietet es eine Datumsanzeige, die bei der Nauticmaster auf der 6-Uhr-Position sitzt und auf dem Zifferblatt die entsprechende Ziffer ersetzt.

Hanhart setzt bei der Aquasphere auf ein Werk von Soprod, das Kaliber P024 in der Top-Ausführung mit zusätzlicher magnetfeldresistenter Glucydur-Unruh und Reglage in fünf Positionen. Wie das SW200-1 von Sellita basiert es auf der Architektur des ETA 2824-2 und bietet mit 38 Stunden Gangreserve eine vergleichbare Performance. Bei Hanhart kommt das Werk allerdings in einer Version ohne Datumsanzeige zum Einsatz.

PB: Findeisen setzt nicht nur das eingangs erwähnte Damasko-Manufakturkaliber, sondern auch das Sellita-Automatikwerk unter einem verglasten Gehäuseboden gekonnt in Szene und spendiert dem zugekauften Kaliber einen eigenen geschwärzten Aufzugsrotor. Hanhart müsste das SoprodWerk keineswegs verstecken, auch wenn die Finissage deutlich nüchterner als beim Sellita der Nauticmaster ausfällt. Aber die Schwarzwälder entschieden sich letztlich für einen reliefgravierten Massivboden mit einem etwas kitschigen Unterwassermotiv mit Fischlein, Algen und Luftbläschen.

Das matte Oberflächen-Finish der kantigen Findeisen wird durch Perlstrahlen erreicht.

Bereits am Arm konnten beide Vergleichsuhren mit einem sehr guten Gangverhalten punkten: Die Abweichung von der Normalzeit betrug nur wenige Sekunden innerhalb einer Woche Tragealltag. Wie gut die beiden Automatikwerke der jüngsten Entwicklungsstufe einreguliert waren, zeigte sich auch auf der Zeitwaage. Das Sellita-Werk in der Findeisen Nauticmaster kam auf einen Fehlgang von nur 1,7 Sekunden pro Tag, weil sich die Abweichungen zwischen den einzelnen Lagen (max. 7,9 Sekunden) am Ende austarierten. Das Soprod-Uhrwerk in der Hanhart Aquasphere lief zwar ganz leicht ins Minus, dies jedoch mit stoischem Gleichmut und völlig unbeeindruckt von der Tragebzw. Lageposition. Minus 1,4 Sekunden bzw. plus 1,7 Sekunden (Findeisen) sind in dieser Preisklasse bemerkenswerte Leistungen über Chronometerniveau!

Vertiefungen in den Gehäuseflanken lassen die Hanhart eleganter erscheinen. Auf dem Bild rechts das automatische Heliumventil im Gehäuse bei der «10».

Fazit

TBS: Für mich als Schreibtischtaucher ist es unerheblich, ob meine Toolwatch nun bis 20 oder 30 bar wasserdicht ist. Beide Uhren machen am Handgelenk einen hochwertigen Eindruck und tragen sich ähnlich bequem und zuverlässig durch den Alltag. In diesem Vergleich fällt mir die Wahl besonders schwer, am Ende würde ich mich jedoch für die Hanhart entscheiden. Bei der Nauticmaster würde ich stets bereuen, nicht den Aufpreis für die Manufakturvariante gezahlt zu haben.

PB: Ich habe es mir für diesen «Uhrenvergleich» im Preisbereich unter 2000 Euro bequem gemacht und erwarte hier kein Manufakturkaliber. Dafür stimmt für mich alles andere an der Findeisen Nauticmaster, qualitativ und optisch – die Sägezahn-Drehlünette ist wirklich eine Schau! Dagegen hat die Aquasphere von Hanhart trotz des Farbverlauf-Zifferblatts einen schweren Stand, obgleich es objektiv an der Schwarzwälder Taucheruhr überhaupt nichts auszusetzen gibt. Ihre Gangwerte sind spektakulär gut.

Text: Peter Braun, Tobias Schaefer

Bilder: Tobias Schaefer

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