Omega Seamaster Planet Ocean WorldtimerWeltzeit für die raue See
Omega bietet mit dem Seamaster Planet Ocean Worldtimer einer klassischen Komplikation einen modernen Auftritt.
Wenn es um die Nutzung einer Uhr auf Reisen geht, steht die Anzeige der Uhrzeit am gewählten Aufenthaltsort im Zentrum, weshalb die von uns gerne als «Office GMT» gebrandmarkten Zeitzonenuhren eher unpraktisch einzustellen bzw. zu bedienen sind. Bei ihnen lässt sich nämlich nur der unscheinbare zusätzliche 24-Stunden-Zeiger (oder eine Scheibenanzeige) ohne Eingriff in das laufende Uhrwerk verstellen.
Zeitzonenuhren zum Verreisen verfügen dagegen über einen Mechanismus, über den der Stundenzeiger der Haupt-Zeitanzeige in Stundenschritten verstellt werden kann – über die Krone oder einen zusätzlichen Drücker, in beide Richtungen oder nur vorwärts, aber stets ohne das Uhrwerk anzuhalten und seine sekundengenaue Regulierung zu kompromittieren.
Nomos greift mit der Club Sport neomatik Weltzeit die Zeitanzeige «around the world» auf und verknüpft sie mit der praktischen Stundenzeiger-Schnellverstellung. Dagegen erinnert die Zulu Time von Longines mit ihrer Kronenverstellung und der sachlichen Zifferblattgestaltung an die erste Armbanduhr der Marke mit zwei Zeitzonen vor 100 Jahren (1925). Der Name ist ein Verweis auf die Greenwich Mean Time (GMT), im Morsealphabet bezeichnet mit dem Buchstaben Z («Zulu»).
Peter Braun: Beide Uhren vermitteln schon beim ersten Kontakt einen sehr hochwertigen Eindruck, jede auf ihre Weise. Die Longines Spirit Zulu Time wirkt in ihrer robusten Bauart mit der prominenten Drehlünette fast schon wie eine Taucheruhr. Sie hat in der Hand und am Arm ein gutes Gewicht (James Bond würde wahrscheinlich von einem «beruhigenden Gefühl in der Jackentasche» sprechen). Das Edelstahlgehäuse mit seinen akribisch gezogenen, polierten Fasen ist mit einer griffigen Schraubkrone ausgestattet und trägt einen mit sechs Schrauben hermetisch verschlossenen, gravierten Boden.
Die Nomos Club Sport neomatik Weltzeit wirkt bei fast identischem Durchmesser wegen ihres schmalen Glasrandes auf den ersten Blick etwas größer. Gleichzeitig vermittelt das deutlich flachere Gehäuse einen Eindruck von Leichtigkeit, den ein prüfender Griff unmittelbar bestätigt. Wir hatten beim bestellten Testexemplar auf die Montage des massiven Gliederbandes verzichtet und stattdessen die Textilbandvariante getragen – bei unseren unterschiedlichen Handgelenksumfängen muss ein Gliederband mehrmals während der «Probezeit» umständlich umgebaut werden. So summierte sich der Gewichtsvorteil des Worldtimer (so die interne Bezeichnung) auf über 30 Gramm gegenüber der Zulu Time.
Tobias Schaefer:
Auf dem Zifferblatt der Nomos ist viel los, denn außerhalb der Stundenmarker und -ziffern sind noch eine einfache Minuterie und ein etwas tiefer liegender, verstellbarer Ring mit den Abkürzungen der 24 Weltzeitzonen angeordnet. Und überdies gibt es noch zwei kleine Skalenkreise für die 24-Stunden-Anzeige (sehr prominent) und die Kleine Sekunde (eher dezent). Der Kontrast der aufgedruckten Ziffern und Indexe sowie der Zeiger zum sonnengeschliffenen dunkelblauen Zifferblatt ist ganz ausgezeichnet, dank der verwendeten Leuchtmasse auch bei Dunkelheit.Die Longines punktet mit aufgesetzten Stundenziffern mit polierten Rändern auf einem galvanisch blau glänzenden und ebenfalls mit einem hauchzarten Sonnenschliff veredelten Zifferblatt. Auch die geflügelte Sanduhr und die polierten fünf Sterne der Chronometer-Kennzeichnung sind appliziert, und eine umlaufende Feinminuterie mit für die Taktfrequenz von 3,5 Hertz unpassenden Fünftel-Teilstrichen liegt, leicht erhöht, auf einem Außenring. Neben dem 24-Stunden-Zeiger mit roter Pfeilspitze springt noch das Datumsfenster über der «6» ins Auge. Die Nachtablesbarkeit ist dank in den makellosen Ziffern eingelegter Leuchtmasse ebenfalls hervorragend.
PB:
Am Arm spielt die Nomos natürlich ihren Gewichtsvorteil aus, und auch das Textilband schmeichelt mit höchster Schmiegsamkeit. Es ist allerdings sehr dünn und wäre mit einer schwereren Uhr sicherlich überfordert. Das mattierte Rindlederband der Longines war naturgemäß anfangs etwas steifer, wird aber später durch die ideal positionierte Faltschließe an den meisten Handgelenken sauber zentriert. Auch hier: keine Klagen.Bei einer Weltzeituhr ist die korrekte Synchronisierung vor der ersten Nutzung von entscheidender Wichtigkeit. Die Nomos-Konstrukteure haben es uns beim Worldtimer sehr einfach gemacht. Ein Kunde in Zentraleuropa wird die Uhr auf GMT +1 synchronisieren, also über den Gehäusedrücker bei der «2» zunächst einmal das Kürzel BER (für Berlin, schließlich ist Nomos eine deutsche Uhrenmarke) wählen und danach bei ganz gezogener Krone die Uhrzeit einstellen. Dabei kommt es in erster Linie auf den parallel mitdrehenden 24-Stunden-Zeiger an – der muss nämlich stimmen. Den Haupt-Stundenzeiger kann man anschließend mit einem Zahnstocher o. Ä. über den Korrekturdrücker bei der «8» separat einstellen. Wenn Städtekürzel, 24-Stunden-Zeiger und Uhrzeit übereinstimmen, ist die Uhr einsatzbereit. Jetzt kann man mit dem erwähnten Drücker den großen Stundenzeiger schrittweise durchschalten – nur vorwärts –, während der Städtering am äußersten Zifferblattrand gegenläufig springt und dabei immer über der «12» die neu gewählte Zeitzone anzeigt.
Der 24-Stunden-Zeiger konserviert, einmal eingestellt, stets die Heimatzeit (BER). Der Verzicht auf eine Datumsanzeige vereinfacht die Bedienung eben so wie die Konstruktion. Das weiche Drückergefühl und der satte Zeigersprung zeugen jedoch von höchster Verarbeitungsqualität der beweglichen Komponenten der Schaltung – immerhin 35 an der Zahl.
TBS: Die Grundeinstellung der Longines Zulu Time ist ebenfalls sehr einfach und für jeden Laien problemlos vorzunehmen. Die GMT-Funktion der neuen Werkegeneration – nach dem Auslaufen der Rolex-Patente auf die Stundenzeiger-Schnellverstellung ist diese Technik auch für andere Hersteller nutzbar – ist kinderleicht zu bedienen.
Zunächst wird bei voll gezogener Krone die Kombination aus 24-Stunden-Zeiger und Minutenzeiger auf die aktuelle Heimatzeit eingestellt. Am besten beginnt man diesen Vorgang erst, wenn der Sekundenzeiger gerade auf der «12» steht, damit man die Uhr pünktlich zur vollen Minute starten kann. Den Haupt-Stundenzeiger für die Lokalzeit kann man dabei vorerst außer Acht lassen, denn dieser lässt sich bei halb gezogener Krone schrittweise anpassen, und zwar in beide Richtungen. Da die erste Kronen-Rastposition mit dieser Funktion voll besetzt ist, entfällt eine Datumsschnellverstellung und die entsprechende Anzeige muss durch eine komplette Umrundung des Stundenzeigers vorgenommen werden. Aber immerhin: Die Einstellung kann man in beide Richtungen vornehmen, denn auch der Datumssprung funktioniert vorwärts wie rückwärts.
Bei dieser Justage von Lokalstunden- und Datumsanzeige läuft das Uhrwerk bereits, sodass die zuvor sekundengenau eingestellten Zeiger für Minuten und Sekunden nicht beeinflusst werden. Eine sehr nützliche Eigenschaft, besonders bei einem geprüften Chronometer (COSC) wie der Zulu Time, der natürlich auch beim Wechsel der Lokalzeit wichtig ist.
Zusätzlich zur zweiten Zeitzone kommt bei der Longines außerdem noch eine beidseitig drehbare Lünette mit Keramikeinlage zum Einsatz, die einen großen Anteil an der Toolwatch-Ästhetik hat und bei entsprechender Einstellung und mit etwas Umdenken als Markierung für eine gar dritte Zeitzone verwendet werden kann.
TBS: TBS: Das Uhrwerk der Nomos hört auf die Bezeichnung DUW 3202 und ist das dritte Manufakturkaliber in der Neomatik-Serie. Die Herstellung erfolgt vollständig in den eigenen Ateliers in Glashütte; sogar die Hemmung mit dem Nomos-Swing-System ist eine eigene Konstruktion der Marke. Die Umsetzung des Manufakturkalibers fällt deutlich feiner als bei einem ETA-Werk aus, was Nomos entsprechend selbstbewusst durch einen Sichtboden auf der Rückseite dokumentiert.
Die Longines dagegen kann auf die gesammelte Erfahrung der großen Swatch-Group-Schwesterfirma zurückgreifen, die das verbaute Uhrwerk auf die Bedürfnisse von Longines zugeschnitten hat und in dieser Ausführung exklusiv bereithält. Mit einer Taktfrequenz von 25.200 Halbschwingungen schwingt die Unruh des L844.4 mit antimagnetischer Silizium-Spirale schneller als jene von Nomos (21.600 A/h), kommt dabei aber trotzdem auf eine deutlich höhere Gangreserve von 72 Stunden.
PB: Der Worldtimer, der am Handgelenk eine gute Performance abgelegt hatte, ging auch auf der Zeitwaage sehr gleichmäßig – aber deutlich ins Minus, wobei 5,7 Sekunden am Tag jetzt keine große Sache sind. Die Zulu Time war ihrem Prädikat «Chronometer» natürlich etwas schuldig, und nachdem sie auch am Handgelenk schon die Woche über sehr gut und gleichmäßig gegangen war, bestätigte das Kaliber L844.4 seine Klasse auch auf der Zeitwaage mit absolut chronometerwertigen Ergebnissen. Beide Prüflinge wiesen Unterschiede in den einzelnen Lagen auf, aber diese waren im tolerierbaren Bereich, wie uns unser Witschi-Zeitwaagen-Maschinist Martin Häußermann bestätigte.
PB: Als Reisebegleiterinnen sind beide «Probezeit»-Uhren gleichermaßen gut geeignet. Wo die Nomos ihren Charme der Weltzeitanzeige spielen lässt, vermag die Zulu Time mit ihren Chronometerqualitäten zu punkten. Gut ablesbar sind beide, beim Tragekomfort tendiere ich klar zum Worldtimer – zumindest in der getesteten Textilbandversion. Letzten Endes wäre bei mir die Art zu reisen ausschlaggebend für die Wahl meines Travel Companion: zivilisiert bis luxuriös mit der Nomos Club Sport neomatik Weltzeit am Handgelenk, abenteuerlich bis strapaziös mit der Longines Spirit Zulu Time.
TBS: Die Möglichkeit, die Zeitzonen anhand der Städtenamen schnell und übersichtlich durchzuschalten, ohne dabei groß nachdenken zu müssen, spricht klar für die Nomos. Das System der Longines mit zusätzlichem 24-Stunden-Zeiger in Groß und springendem Lokalstundenzeiger dagegen ist Uhrenfans so geläufig, wie es bewährt ist. Meine Wahl würde daher wohl auf die Longines fallen, da mir der robustsportliche Stil einfach etwas besser gefällt.
Text: Peter Braun, Tobias Schaefer
Bilder: Tobias Schaefer