Rado AnatomComeback nach vierzig Jahren
Rado greift das wegweisende Design der Anatom von 1983 wieder auf und führt den Klassiker mit modernen Materialien in die Zukunft.
Sie ist der Beweis, dass sich Material und Design gegenseitig beflügeln können: die Uhrenkollektion von Rado. Denn neue Materialien brachten immer wieder neue Formen hervor, und neue Gestaltungsideen förderten neue Technologien. Dies bewährt sich seit Jahrzehnten, was Rado nun mit einem Jubiläum feiert. Denn 1986 hatte Hightech-Keramik bei der Schweizer Marke ihre Premiere und bestimmt seither die Karriere des Hauses.
Die vor 40 Jahren gelungene Materialinnovation hatte eine Vorgeschichte, die 1962 mit der DiaStar Original begann, stolz als weltweit erste kratzfeste Uhr aus Hartmetall beworben. Bereits der Weg zu dieser Innovation war voller Herausforderungen. Daran erinnern Asservate aus dem Rado-Archiv: Schreiben von Gehäuseherstellern aus der ganzen Schweiz, aus Frankreich und Deutschland, die einer Anfrage von Rado nach einem Gehäuse aus Hartmetall Absagen erteilten. Das sei unmöglich, gar nicht vorstellbar oder gänzlich ausgeschlossen, antwortete man damals. Rado gelang die Innovation dennoch, und man arbeitete auf dieser Basis weiter. Mitte der 1960er Jahre folgte Hartmetall in neuen Farben wie Aubergine oder Magic Copper. 1982 folgte die DiaStar V2200 mit einem randlosen Saphirglas.
Als die Patente für das Hartmetallgehäuse der DiaStar Anfang der 1980er Jahre ausliefen, suchte man bei Rado nach einer noch widerstandsfähigeren Alternative, die Stärke mit Leichtigkeit verbindet, und wurde bei Keramik fündig. «Ein Material, das seinen Glanz ein Leben lang bewahrt», wie man bei Rado bis heute sagt.
Es bedurfte jedoch jahrelanger Experimente, um schließlich die weltweit erste Uhrenkollektion aus Hightech-Keramik zu präsentieren. 1986 hatte die Integral in zwei Größen ihre Premiere – damals noch unter dem Namen DiaStar Anatom, der aber schon ab 1988 in Integral geändert wurde.
«Die Integral war vom ersten Tag an eine Ikone», sagt Adrian Bosshard, heute CEO von Rado, und schwärmt von der raffinierten rechteckigen Silhouette der Uhr, dem harmonisch geschwungenen Profil, dem direkten Übergang von Gehäuse und Armband sowie dem randlosen Saphirglas, das durch ein patentiertes Verfahren direkt mit dem Gehäuse verbunden wurde.
Für Bosshard sind die Integral und die mit ihr präsentierte Hightech-Keramik alles, wofür Rado heute steht: «Schönes Design, außergewöhnliche Langlebigkeit, bemerkenswerte Kratzfestigkeit und ein glattes, seidiges Tragegefühl. Heute ist Hightech-Keramik zum Kennzeichen unserer Marke geworden, prägt fast alle unsere Kollektionen und bestätigt unseren Status als Master of Materials.»
Mit dieser Innovation wollte man sich Mitte der 1980er Jahre bei Rado nicht zufriedengeben und entwickelte das Thema stetig weiter: 1990 folgte die Uhr Ceramica mit vollständig aus Keramik gefertigtem Gehäuse und Armband, die in einer Linie ineinander übergingen. 1992 gab es die erste RadoUhr in weißer Hightech-Keramik, seit Beginn der 2000er Jahre eine große Farbvielfalt von derzeit 20 verschiedenen Nuancen.
Ein besonderes Kapitel ist die Plasma-Hightech-Keramik aus dem Hause Rado, 1997 eingeführt: Keramik mit einem metallischen Schimmer, der nicht durch eine Beschichtung, sondern durch eine spezielle Plasma-Behandlung in einem Hochtemperaturprozess entsteht. Dieser verändert die Oberflächenstruktur von weißer Hightech-Keramik durch Plasma-Aufkohlung dauerhaft, bewahrt aber ihre typischen Eigenschaften. Ein Verfahren, das auch bei einem Besuch der Rado-Produktion besonders beeindruckt.
Die Produktion findet bei der Firma Comadur statt, einem Schwesterunternehmen von Rado aus der Swatch Group. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Col-desRoches in Le Locle ist nicht nur auf Keramik, sondern auch auf Komponenten aus Saphir sowie auf Lagersteine aus synthetischem Rubin spezialisiert.
In der 2023 eröffneten Fertigungsstätte in Boncourt im Kanton Jura, etwa eine Autostunde von Neuchâtel entfernt, widmet man sich voll und ganz der Hightech-Keramik. Die Herstellung beginnt mit einem hochreinen, feinen Pulver in weißer Farbe, in der Regel auf Basis von Zirkonoxid oder Aluminiumoxid. Dieses stabile Pulver ist der Rohstoff, der zusätzlich mit einem chemischen Pigment eingefärbt werden kann.
Mit einem ausgewählten organischen Binder vermischt, wird die Masse anschließend durch Pressen oder Spritzgießen zu einem sogenannten Grünling geformt. In diesem Stadium ist die Keramik sehr zerbrechlich und hat ein raues, leicht körniges Aussehen. Anschließend folgt der Sinterprozess bei sehr hohen Temperaturen zwischen 1400 und 1600 Grad, was eine dichte, homogene Struktur erzeugt. Auch das Farbpigment reagiert in dieser Phase. Die entstehenden Teile.
sind bereits extrem hart und stabil, haben aber eine noch matte Oberfläche. Erst nach der mechanischen Bearbeitung und dem Tribofinish mit Schleiflösungen und Diamantwerkzeugen erhalten die Komponenten ihren Glanz. All das findet bei Comadur in lichtdurchfluteten Hallen voller großer Maschinen sowie in spezialisierten Werkstätten für einzelne Arbeitsschritte statt.
Der Höhepunkt eines Besuchs bei Comadur ist dann der Raum, in dem es um die Plasma-Bearbeitung geht und der nur von pinkfarbenem Licht erhellt wird. Im Mittelpunkt steht ein großer Ofen, der auf 20.000 Grad aufheizt und damit heißer wird als die Oberfläche der Sonne. Im Inneren erhält Keramik unter Zugabe von Gasen den gewünschten metallischen Glanz. Um dabei zuzusehen, kann man auf einer Leiter ein paar Stufen zu einem kleinen Fenster emporsteigen, dann erblickt man in pinkfarbenem Licht schwebende Uhrengehäuse oder Armbandglieder, die im Laufe des stundenlangen Prozesses immer stärker zu glänzen beginnen.
All das sind Kompetenzen, die seit der Premiere der Integral im Jahr 1986 immer weiter ausgebaut wurden. Einige der Innovationen sind nun auch Teil der Jubiläumsedition der Integral, die zum 40-jährigen Ehrentag aufgelegt wurde. Die Neuheiten sind laut Rado-Chef Adrian Bosshard «eine Hommage an das wegweisende Modell von 1986, mit dem alles begann. Die Jubiläumsedition interpretiert die charakteristischen Merkmale der ursprünglichen Integral neu und hebt sie zugleich durch die neuesten Materialinnovationen von Rado auf ein neues Niveau.»
Das Highlight ist die Neuauflage der historischen Uhr, die Integral 40 Year Anniversary, die all die optischen Merkmale von damals aufgreift: schwarze Hightech-Keramik, strukturiert von gelbgoldfarben PVD-beschichtetem Edelstahl, ein schwarzes, vertikal gebürstetes Zifferblatt sowie goldfarbene Zeiger und Stundenmarkierungen. Wie damals arbeitet ein Quarzwerk in der Uhr – heute ein modernes Kaliber von ETA mit PreciDrive, einer Quarztechnologie, bei der Temperaturschwankungen elektronisch kompensiert werden, um die Ganggenauigkeit zu erhöhen. Eine Reminiszenz an die Moderne ist auch das etwas vergrößerte Gehäusemaß der Jubiläumsuhr: Das rechteckige Gehäuse wurde um vier beziehungsweise knapp sechs Millimeter vergrößert und misst nun 28 mal 39,8 Millimeter.
Das Jubiläumsmodell ist ein Teil der neuen Integral-Kollektion, die aus zehn neuen Modellen in der unverkennbaren Optik besteht: acht in Schwarz, strukturiert von gelbgoldfarbenen Metallelementen oder Edelstahl; ein feminines Modell in weißer Keramik, ein zweites in brauner Keramik. Erhältlich sind zwei verschiedene Gehäuseformate für feminine oder maskuline Handgelenke. Einige der Modelle tragen Diamanten als Stundenmarkierungen und sind mit dem Schriftzug «jubilé» signiert – als Verweis auf das Jubiläum eines unvergänglichen Designs und eines Materials, an dem die Zeit spurlos vorübergeht.
Text: Iris Wimmer-Olbort
Rado Captain Cook High-Tech Ceramic