Rolex Neuheiten 2026100 Jahre Oyster
In Genf stellt Rolex seine Neuheiten für das Jahr 2026 im Rahmen der Watches and Wonders vor.
Die junge Kollektion Perpetual löste bei Rolex die klassische Cellini ab und stellt aktuell die wohl elegantesten Dress Watches der Genfer Marke. Dass es sich gerade beim neuesten Mitglied dieser klassischen Armbanduhren zugleich um eines der innovativsten und uhrmacherisch bedeutendsten Produkte von Rolex handelt, ist eine echte Überraschung.
Das Design orientiert sich an einem gefragten Modell aus den 1940er- beziehungsweise 1950er-Jahren. Die Referenz 8171 wird von Sammlern liebevoll Padellone genannt, was aus dem Italienischen stammt und frei übersetzt so viel wie «große Schüssel» bedeutet. Dahinter versteckt sich ein Hinweis auf den für damalige Verhältnisse besonders großen Durchmesser von 38 mm.
Im Vergleich zur Datejust, die eben nur (just) das aktuelle Datum in einem Fenster anzeigt, verwendet die Perpetual Padellone die althergebrachte Anzeige über einen zusätzlichen Zeiger, der auf einem Zahlenkranz von 1-31 am Außenrand des Zifferblatts deutet. Gegenüber der Day-Date, die zusätzlich zum Datum auch den aktuellen Wochentag bei der «12» anzeigt, erhält die Perpetual Padellone gleich zwei Fenster für den Wochentag und Monat.
Das sorgt in Verbindung mit der großen Mondphasenanzeige bei der «6» für ein besonders symmetrisches Gesamtbild, vor allem im Zusammenspiel mit dem aufgesetzten Kronenlogo über Tag und Datum, den balkenförmigen Stundenmarkern und den beiden arabischen Ziffern bei 3 und 9.
Die Mondphasenanzeige verzichtet dabei auf einen Ausschnitt im Zifferblatt. Ein dreieckiger Indikator zeigt stattdessen anhand der rotierenden Scheibe in der unteren Hälfte des Zifferblatts die derzeitige Mondphase für die Nord- und Südhalbkugel der Erde an.
Dieser Vollkalender wird bei Rolex nun allerdings in einer besonderen Form als sogenannter Jahreskalender umgesetzt. Im Vergleich mit dem Kaliber A.295 CPL, welches in der Ur-Padellone 8171 verbaut wurde, kann das Uhrwerk der Neuheit zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen unterscheiden. Lediglich im kürzeren Februar muss manuell korrigiert werden, was das Werk von noch komplizierteren Uhren mit ewigem Kalender unterscheidet, die sogar Schaltjahre und somit den zusätzlichen Tag im Februar berücksichtigen können.
Bei der Padellone funktioniert die Korrektur der einzelnen Anzeigen über zusätzliche Korrekturdrücker an den Gehäuseflanken.
Bereits im Kaliber 9002 der Sky-Dweller arbeitete unter der Bezeichnung «Saros» ein hauseigener Jahreskalender-Mechanismus von Rolex. Der Kalender beschränkt sich bei der Reihe allerdings auf Datum und Monat. Trotzdem konnte auch das Saros-System, bestehend aus vier zusätzlichen Zahnrädern und zwei Gängen zwischen 30 und 31 Tagen unterscheiden und galt bereits als besonders effiziente Umsetzung einer solchen Kalenderkomplikation.
Während «Saros» aus dem griechischen kommt und einen astronomischen Finsterniszyklus beschreibt, erhält auch die Perpetual Padellone ein vollständig ins Kaliber integriertes Zusatzmodul mit griechischer Bezeichnung: Das sogenannte Haplos-System. Haplos leitet sich vom griechischen ab und steht für «einfach».
Im Vergleich mit dem Saros-System verringert Rolex beim Kaliber 7190 die zusätzlichen Komponenten für den Jahreskalender nämlich auf lediglich zwei Zusatzkomponenten. Ein Jahreshebel liest den Monat aus und erkennt über das Profil des Zahnrads, ob die Schaltung nach 30 oder 31 Tagen erfolgen muss. Handelt es sich um einen Monat mit 30 Tagen, wird der Hebel durch die Mechanik verschoben. Nur in diesem Fall greift der sonst leerlaufende Mitnehmerfinger in das Schaltrad für das Datum ein und sorgt für eine doppelte Schaltung der Datumsanzeige.
Da die beschriebenen Zusatzkomponenten direkt an das Datumsrad gekoppelt sind und damit auch an die anderen Kalenderkomponenten, geschieht die Umschaltung der Anzeigen dabei zudem komplett synchron und besonders pünktlich um Mitternacht. Allein auf dieses System entfallen zwei neue, für das Kaliber 7190 exklusive, Patentanmeldungen, welches ohne weiteres als kompliziertestes Manufakturkaliber von Rolex bezeichnet werden darf. Auch oder besonders durch die «einfache» Umsetzung.
Das neue Automatikwerk basiert außerdem auf dem Kaliber 7135 der Land-Dweller und verfügt ebenfalls über die Dynapulse-Hemmung, die sich in ihrer Konstruktion an einer Doppelimpulshemmung anlehnt. Komponenten wie die beiden Ankerräder und die Spirale der freischwingenden Unruh sind dabei aus amagnetischem Silizium gefertigt und laufen intern unter der Bezeichnung «Syloxi». In Verbindung mit der Welle aus reibungsoptimierter Keramik ist sie besonders energiesparend und das trotz der auf 5 Hertz erhöhten Frequenz.
Die freischwingende Unruh mit einer Achse aus reibungsoptimierter Keramik und damit auch die beiden ungewöhnlich geformten Hemmungsräder schwingen beziehungsweise drehen sich also besonders schnell. Für den zentralen Sekundenzeiger bedeutet das eine flüssigere Bewegung. In der Theorie sollte ein Schnellschwinger zudem genauer laufen, da einzelne Schockereignisse oder Abweichungen in der Schwingung der Unruh weniger stark ins Gewicht fallen.
Die verbauten Materialien verbessern außerdem die Resistenz gegenüber Magnetfeldern, die die Genauigkeit von mechanischen Armbanduhren, die aus traditionellen Metallen gefertigt werden, stark beeinträchtigen können.
Im Kontext der Land-Dweller war von einer um 30 Prozent verbesserten Effizienz gegenüber einer normalen Ankerhemmung die Rede. Damit kommt die Land-Dweller auf eine Gangreserve von 66 Stunden und auch das Kaliber 7190 der Perpetual Padellone läuft so lange autonom. Ein Beweis dafür, wie energiesparend und effizient das Haplos-System wirklich ist.
Seit 2026 hat Rolex außerdem die eigenen Anforderungen an Chronometer deutlich strenger gefasst. Neben der Zertifizierung bei der COSC müssen die Uhren von Rolex auch die eigenen Regeln erfüllen, um die Aufschrift «Superlative Chronometer» tragen zu dürfen, die sich bei der Perpetual Padellone über der Mondphasenanzeige auf dem Zifferblatt und rückseitig auf dem Kaliber 7190 befindet.
Während die COSC lediglich einen mittleren täglichen Gang von -4 und +6 Sekunden verlangt, spricht Rolex von -2 bis +2 Sekunden am Tag.
Weil sich das verbaute Manufakturkaliber durch den Sichtboden auf der Rückseite einsehen lässt, wird auch die hochwertige Finissierung offengelegt. Dabei verwendet Rolex den eigens verbesserten Genfer Streifenschliff (Rolex Côtes de Genève), bei dem zwischen den alternierend geschliffenen Streifen noch kleinere polierte Linien verlaufen.
| Referenz | 53505-0002 |
| Werk | Automatik, Rolex Manufakturkaliber 7190; 35 Steine; 36.000 A/h; Dynapulse-Hemmung mit Impulswippe, Hemmungsrädern und Übertragungsrad aus Silizium, Syloxi-Spirale, Unruhwelle aus Keramik; Gangreserve 66 Std.; geprüfter Chronometer (COSC) |
| Funktionen | Stunden, Minuten, Zentralsekunde; Zeigerdatum; Tag; Monat; Mondphasenanzeige |
| Gehäuse | Roségold (750), Ø 39 mm, Höhe 12,2 mm; Saphirglas; Boden mit Sichtfenster; wasserdicht bis 5 bar |
| Band | Reptilleder, Faltschließe |
| Preis | € 56.700,- |
| Varianten | mit Settimo-Gliederband (€ 69.600,-); aus Platin (950), mit Reptillederband (€ 63.800,-) |
Zur Vorstellung erscheinen zwei Materialvarianten der Perpetual Padellone, wahlweise gefertigt aus Everose-Gold, oder Platin. Je nach gewähltem Material sind die Zifferblätter mit Grainée-Oberfläche entweder im klassischen Weiß oder dem für Rolex-Platinuhren typischen Hellblau gehalten.
Bei der Version aus Gold ist das Zifferblatt in einem besonders klassischen Weiß gehalten, dessen Oberfläche über weite Teile mit einer feinen Struktur veredelt wird, die ihm einen samtigen Glanz verleiht. Bei der Version in Platin ist das Zifferblatt dagegen in Hellblau gehalten, was bei Rolex traditionell auf das verwendete Gehäusematerial hinweist.
Das Gehäuse beider Versionen misst 39 mm im Durchmesser und 12,2 mm in der Höhe, kommt damit also relativ nah an das Vintage-Vorbild, basiert inzwischen aber auf dem Oyster-Case der Marke. Wie bei den vorangegangenen Modellen der jungen Kollektion Perpetual 1908 wird die kannelierte Lünette auf der Oberseite rückseitig von der Umrandung des verbauten Glasbodens aufgegriffen. Auch bei den Modellen mit Jahreskalender sind die darunterliegenden Platinen mit den «Rolex Côtes de Genève» verziert, bei denen feine polierte Linien zwischen den alternierend geschliffenen Streifen verlaufen.
Rolex stattet die Perpetual Padellone mit dem feingliedrigen Settimo-Gliederband aus, das nur für die Everose-Gold-Version erhältlich ist. Es besitzt eine polierte Ober- und strichgeschliffene Unterseite sowie eine ins Band integrierte Faltschließe.
Beide Varianten gibt es am braunen oder schwarzen Alligator-Lederband. Dieses ist zugleich auch die einzige Option bei der Variante mit Gehäuse aus Platin. Auch das Lederband wird von einer Faltschließe (Dualclasp) aus dem jeweiligen Gehäusematerial am Handgelenk befestigt.
Die Preise der neuen Rolex-Padellone-Modelle bewegen sich, je nach Materialvariante und Armbandwahl, zwischen 56.700 und 69.600 Euro.
Text: Tobias Schaefer