Jubiläum Glashütte: A. Lange & Söhne

Magisches Datum

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Dezember 2020. Die Stadt Glashütte ist aufs Engste mit dem Namen Lange verbunden. Schließlich begründete Ferdinand Adolph Lange die Uhrenindustrie im Müglitztal, während sein Urenkel Walter Lange die Firma exakt 145 Jahre später wiedergründete.
Walter Lange, CEO Wilhelm Schmid und Glashütter Bürgermeister Markus Dreßler (v. l.) legten 2013 den Grundstein für die jüngste Manufaktur-Erweiterung.

Der 7. Dezember ist ein magisches Datum für die Marke A. Lange & Söhne. Zum einen wurde die Produktions- und Ausbildungsstätte von Ferdinand Adolph Lange am 7. Dezember 1845 feierlich eröffnet, wodurch dieser Tag als Gründungsdatum seiner Firma «Lange & Cie.» gilt, die durch Eintritt der Söhne Richard (im Jahr 1868) und Emil (im Jahr 1871) zu «A. Lange & Söhne» wurde. Zum anderen auf den Tag genau 145 Jahre später meldete Walter Lange die Lange Uhren GmbH erneut an und ließ die Marke «A. Lange & Söhne» weltweit rechtlich schützen – schließlich wurden seine Vorfahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges enteignet, die Firma ging im VEB Glashütter Uhrenbetrieb auf.

Die 1994 erstmals vorgestellte Lange 1 ist das Gesicht der Marke nach der Wiedergründung.

ES BLEIBT IN DER FAMILIE

Mit der Einführung des sogenannten Verlagssystems, das Adolph Lange im Schweizer Jura kennengelernt hatte (siehe auch Seite 45), erwies er sich als Glücksfall für die Mitte des 19. Jahrhunderts notleidende Region. Doch war Lange nicht nur ein weitsichtiger Unternehmer, sondern auch ein technisch beschlagener Uhrmacher und Konstrukteur.

Das Lange-Schiffschronometer aus dem Jahr 1934 war zu seiner Zeit einer der präzisesten Zeitmesser.

So konstruierte er unter anderem eine Taschenuhr mit springender Sekundenanzeige und nur einem Federhaus (1861), einen Chronographen im Taschenuhrformat (1863) oder auch eine Kalenderuhr mit Datum, Wochentag, Monat und Mondalter (1868). Außerdem erhielt er in den USA Patente auf einen speziellen Kronenaufzug und eine Viertelrepetition (beides 1866) sowie auf einen verbesserten Zeigerstellmechanismus (1869).

Auch sein Sohn Richard trieb die technische Entwicklung voran und erhielt für seine technischen Errungenschaften einige Deutsche-Reichs-Patente zuerkannt. Im Jahr 1887 schied Richard Lange aus gesundheitlichen Gründen aus dem Unternehmen aus und überließ die Unternehmensführung seinem Bruder Emil, der diese wiederum 1919 seinen Söhnen Otto, Rudolf und Gerhard übertrug. Diese mussten erleben, wie ihr Unternehmen am letzten Kriegstag ausgebombt wurde.

LUXUS AUS GLASHÜTTE

Das Topmodell der Jubiläums-Trilogie besticht mit einem Zifferblatt, das buchstäblich aus dem Vollen gefräst wurde – und zwar in der eigenen Manufaktur.

Den Bombentreffer und die Enteignung durch die Sowjets im Jahr 1948 erlebte Walter Lange, viertes Kind von Rudolf Lange, persönlich, was sich tief in seine Seele grub, wie er später erzählte. Diese Erinnerungen und die tiefe Liebe zu seiner Geburtsstadt Glashütte, aus der er flüchtete, um sich der angeordneten Zwangsarbeit im Uran-Bergbau zu entziehen, gaben Lange die Energie, 1990 das ideelle Erbe seiner Vorfahren anzutreten. Die politische Wende und die Wiedervereinigung ermöglichten es Walter Lange, gemeinsam mit dem damaligen IWC- und Jaeger-Chef Günter Blümlein sowie dem Glashütter Urgestein Hartmut Knothe die Marke A. Lange & Söhne zu neuem Leben zu erwecken.

Der Betrachter fragt sich, ob das Uhrwerk des Tourbograph Perpetual nun ein komplexes mikromechanisches Meisterwerk oder einfach eine technische Skulptur ist. Oder beides?

Einem Leben im Luxussegment: Im Oktober 1994 verlassen die ersten Lange-Uhren der Neuzeit die Fertigungsräume in Glashütte – darunter die Lange 1, die von ARMBAND-UHREN-Lesern mehrfach zur «Uhr des Jahres» gewählt wird und sich zum Gesicht der Marke entwickelt.

TRILOGIE ZUM DOPPEL-JUBILÄUM

Dieses Jahr feiert die Marke nun also den 175. Geburtstag ihrer Gründung durch F. A. Lange und den 30. Geburtstag der Wiedergründung durch Walter Lange, und das selbstverständlich mit einer Jubiläumsedition. Das sind gleich drei sehr unterschied liche Uhren, die jedoch allesamt mit Gehäusen aus Honiggold – eine Lange-spezifische Legierung – gefertigt sind. Vergleichsweise schlicht kommt die auf 175 Exemplare limitierte 1815 Thin Honeygold mit einem Durchmesser von 38 Millimetern daher. Die vom Kaliber L093.1 angetriebene Zweizeigeruhr erinnert mit ihrem von Hand hergestellten Emaillezifferblatt an das Design von Lange-Taschenuhren.

Das Zifferblatt der 1815 Thin Honeygold nimmt Anleihen bei alten Lange-Taschenuhren.
Auf der Rückseite präsentiert die 1815 die klassische Glashütter Dreiviertelplatine mit geschraubten Goldchatons.

Ungleich komplexer erscheint die 1815 Rattrapante Honeygold, ein Handaufzug-Chronograph mit dem neuen Kaliber L101.2. Der Kurzzeitmesser mit massiv silbernem Zifferblatt ist auf 100 Exemplare limitiert. Den Vogel schießt aber zweifellos der Tourbograph Perpetual Honeygold ab, der auf nur 50 Exemplare limitiert ist und mit fünf Komplikationen aufwartet: Tourbillon, ewiger Kalender, Antrieb über Kette-Schnecke, Chronograph und Rattrapante. Angezeigt wird alles auf einem der wohl aufwendigsten Zifferblätter, die Lange jemals präsentiert hat – und in diesem Fall auch selbst hergestellt. Es besteht aus massivem, schwarz rhodiniertem Gold. Ziffern, Indexe und Schriften wurden buchstäblich aus dem Vollen gefräst, was angesichts der Feinheit der Darstellung kaum vorstellbar ist. Stilvoller kann man ein solches Doppel-Jubiläum kaum würdigen.

Text und Bilder: Martin Häußermann

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