Chronographen Spezial: Teil 2

Zeitschreiber

August 2025. Das aus dem Griechischen hergeleitete Wort «Chronograph» bedeutet «Zeit-Schreiber». Wir stellen Ihnen in diesem Teil fünf neue Chronographen vor, die in diesem Jahr überdies auch Geschichte schreiben wollen – oder bereits geschrieben haben.

Breitling Top Time B01: Rennsport-Chronograph

Breitling

Der Motorsport ist seit seinen Anfängen ein Teil der Geschichte von Breitling. Ob über Stock und Stein auf einer Rallye oder auf dem heißen Asphalt der Rundstrecke, das Ziel ist immer dasselbe: Sekunden sparen, Grenzen verschieben, Rekorde brechen. Trotz Klimaschutz und Elektromobilität hat sich die halsbrecherische Jagd der Extreme ihre Faszination bewahrt, wie man anlässlich der Vorstellung der drei neuen Top-Time-Chronographen im Umfeld der Watches and Wonders feststellen konnte. Es reichte ein zwischen anderen Autos am Straßenrand geparkter Lancia Delta Integrale im Rallyetrimm der Gruppe A, um den Verkehr vor der Präsentations-Location zum Erliegen zu bringen. Worum ging es hier?

Breitling stellte in Genf drei auf jeweils 750 Exemplare limitierte Top-Time-Chronographen vor, die für Menschen mit Benzin im Blut entwickelt wurden, zwei zum Thema Rallye im Allgemeinen und einer in Zusammenarbeit mit dem Traditionsrennstall Martini Racing, in dessen Farben der draußen geparkte Lancia lackiert war. Die Chronographen haben schlanke 38-mm-Gehäuse, die eine perfekte Balance zwischen traditionellen Proportionen und universellen Trageeigenschaften bieten.

Der Chronograph Top Time war bei Breitling schon in der Vergangenheit ein Angebot an den Marken-Einsteiger, und auch nach der Firmenübernahme durch den ehemaligen IWC-Chef Georges Kern vor einigen Jahren wurde das Modell in erster Linie für lifestylige Kooperationen mit Trendsportlabels, Surfbrettschreinern und Motorradtunern eingesetzt. Die Auflagen waren oft limitiert, die Preise stets scharf kalkuliert, aber die Ausstattung deutlich unter Manufakturniveau. Der neue Breitling Top Time Chronograph ist mit dem feinen eigenen Kaliber B01 ausgestattet. Es ist chronometerzertifiziert (COSC), hat eine Gangreserve von 70 Stunden und ist daher nicht mehr ganz so preiswert wie die Modelle davor. Aber Breitling muss auch Platz schaffen für die designierte Zweitmarke Gallet, die spätestens nächstes Jahr die Neukunden umwerben soll.

Zunächst einmal kommen aber die Motorsportfans bei Breitling in den Genuss hochwertiger Technik im erfrischenden Armaturenbrett-Look der sechziger und siebziger Jahre.

Die Countdown-Funktion

Das Prinzip des Zeit-Kuchens funktioniert auch in der noch interessanteren Countdown-Variante. Der Chronozentrumszeiger wird auf einen bestimmten Minutentermin innerhalb einer Stunde gestellt und gestoppt. Jetzt schließt sich die Schere zwischen ihm und dem Minutenzeiger der Uhr, auch hier ist ein schnelles «räumliches» Erfassen der noch verbleibenden Zeitspanne möglich: Der Zeit-Kuchen wird kleiner. Man sieht bspw. sofort: Die zehn Minuten für ein geplantes Gespräch sind gleich abgelaufen. Oder: Die 30 Minuten Belastungstraining sind vorbei.

IWC Chronograph APXGP: Performance für die Traumfabrik

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist der Film «F1 THE MOVIE» bereits in den Kinos angelaufen. Produziert von Jerry Bruckheimer und Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton, spielt unter der Regie von John Kocinski kein Geringerer als Brad Pitt die Rolle des alten Hasen, der einen jungen Teamkollegen zum Nachfolger aufbauen soll, es sich dann aber doch anders überlegt. Rennfahrer eben. Die Uhrenmarke IWC Schaffhausen hat nicht lange gezögert, als sich ihr die Möglichkeit bot, als Sponsor auf den Rennwagen des fiktiven Teams APXGP (und auf dem Helm von Brad Pitt) aufzutreten. Schließlich ist die IWC ja auch im richtigen Leben ein langjähriger Sponsor des Mercedes-AMG-Teams, von dem APXGP ganz unzweifelhaft inspiriert ist. Und wie die Uhrenmarke Heuer einst bei dem Leinwand-Epos «Le Mans» (1971) am Filmset alle schauspielernden Mitglieder des Porsche-Teams mit Uhren ausstatten durfte, hat auch die IWC für das F1-Projekt eigens eine kleine Produktlinie aufgelegt: eine Ingenieur mit grünem Zifferblatt für den Star, Brad Pitt, einen APXGP-Chronographen in Edelstahl fürs Team und einen Pilot's Watch Performance Chronograph in Rotgold für die Granden des APXGP-Rennstalls. Alle drei Modelle sind aber auch für hartgesottene Fans außerhalb der Szene erhältlich und machen am Handgelenk eine gute Figur – selbst wenn man über die Hollywood-Hintergründe nicht Bescheid weiß. Der hier gezeigte Gold-Chronograph ist ein klassisch gezeichneter Zeitmesser von bester IWC-Qualität, ausgestattet mit dem Manufakturkaliber 69385 mit Schaltradsteuerung, das unter einem Rauchglasboden schemenhaft zu erkennen ist. Mit 41 mm Durchmesser und einem weichen Kautschukband (mit Schnellwechselsystem) bietet der Stopper einen hervorragenden Tragekomfort. 10 bar Wasserdichtheit sind überdies genug, um den wertvollen Chrono mit seiner glänzend schwarzen Keramiklünette im Urlaub beim Sprung ins kühle Nass nicht in einem Schuh verstecken zu müssen. In puncto Alltagstauglichkeit steht die Luxusversion in Gold ihrer volksnäheren Edelstahl-Schwester tatsächlich in nichts nach.

Zwei Zeiten stoppen

Um innerhalb eines Minutenzyklus zwei verschiedene Zeiten nehmen zu können, hat die Uhrmacherei den Schleppzeiger- oder auch Rattrapante-Mechanismus erfunden. Doch selbst mit dem einfachen Chronographen lassen sich zwei Zeiten messen – unter einer Bedingung: dass man den Beginn des Stoppvorgangs selbst bestimmen kann. Die Messung beginnt, sobald der kleine Sekundenzeiger auf «60» steht. Die erste Stoppzeit wird mit dem Chronographen festgehalten, die zweite am kleinen Sekundenzeiger der Uhr abgelesen.

Porsche Design: Spirit of the Seventies

Die siebziger Jahre – eine Ära ikonischer Designs, geprägt von legendären Discos, revolutionären Musikstilen, einem neuen Freiheitsgefühl, farbenfrohen Blumenkleidern, absurd hohen Plateauschuhen und viel Glitzer. Die Porsche Exclusive Manufaktur des Zuffenhauser Sportwagenbauers lässt das Lebensgefühl dieses Jahrzehnts mit einem ganz besonderen Sportwagen wiederaufleben: dem Porsche 911 Spirit 70.

Exklusiv für Besitzer dieses automobilen Sammlerstücks bringt Porsche Design den Chronograph 911 Spirit 70 auf den Markt, handgefertigt in der eigenen Uhrenmanufaktur in Solothurn und ausgestattet mit einzigartigen Designelementen. Bereits das Zifferblatt ist ein Statement: Das markante «Pascha-Muster» in Schwarz erinnert an die Sitzmittelbahn des Porsche 911 Spirit 70. Zusätzlich wurden die Farben Phosphorgrün und Verkehrsrot vom Heritage-Drehzahlmesser auf den Réhaut übernommen. Akzente wie das Porsche-Design-Logo und der Schriftzug «911 Spirit 70 LIMITED SERIES» auf der Sekundenscheibe sind wie beim motorisierten Vorbild goldfarben ausgeführt.

Das Gehäuse aus Titan mit einer schwarzen Beschichtung aus hochkratzfestem Titancarbid hält das Gewicht des 42-mm-Boliden angenehm niedrig. In seinem Innern arbeitet das für Porsche Design maßgeschneiderte Automatikkaliber WERK 01.100 auf Basis der bewährten Valjoux-Architektur. Eine Besonderheit ist der im Stil einer Porsche-Fahrzeugfelge gehaltene Aufzugsrotor. Passend zur Felge des 911 Spirit 70 präsentiert sich dieser in einer BicolorAusführung in Schwarz und Bronzit. Das Armband aus original Porsche-Fahrzeugleder ist wie die Sitze des 911 Spirit 70 in Basaltschwarz mit Ziernähten in Oliv oder Silber gehalten. Der Porsche 911 Spirit 70 ist das dritte Modell der Heritage Design Strategie der Porsche Exclusive Manufaktur. Diese außergewöhnlichen Kleinserien interpretieren ikonische 911-Modelle und Ausstattungen vergangener Jahrzehnte neu und greifen gestalterische Merkmale wieder auf.

Die Protokoll-Funktion

Eine weitere Möglichkeit, den Chronographen sinnvoll einzusetzen, besteht darin, den exakten Zeitpunkt eines zurückliegenden Ereignisses zu protokollieren. Ein kleines Beispiel: Sie hören im Autoradio ein faszinierendes Musikstück und möchten später durch Rückfrage beim Sender unbedingt den Titel erfahren. Sie schalten den Chronographen ein und rechnen später, wenn Sie die Hände freihaben, einfach minutengenau zurück. Sie können dann bei Ihrer Recherche genau angeben: Wie hieß das Stück, das um 13.46 Uhr gesendet wurde? Diese Funktion kann auch eingesetzt werden, um ein Ereignis festzuhalten, ohne dass es jemand bemerkt: einfach diskret den Knopf drücken und später zurückrechnen.

TAG Heuer Monaco Split Seconds F1: Hightech in Keramik

Von allen Uhrenmarken, die sich in dieser Saison wie auf eine geheime Verabredung hin in der Formel 1 engagieren, hat TAG Heuer die längste Tradition im Motorsport. Das Engagement begann 1969 – im selben Jahr, in dem die Monaco auf den Markt kam – mit dem ersten rot-grünen Sponsor-Aufkleber auf einem Formel-1-Rennwagen. Zwei Jahre später war aus der sporadischen Unterstützung eines ambitionierten Privatfahrers die professionelle Partnerschaft mit einem Formel-1-Team geworden. Durch Kooperationen mit der Scuderia Ferrari und McLaren Racing in den 1970er und 1980er Jahren wurde Heuer – später TAG Heuer – zu einem festen Bestandteil des Rennbetriebs. Eine präzise Zeitmessung erwies sich als entscheidend für die Strategien, die Fahrer wie Jochen Rindt, Niki Lauda und Ayrton Senna zu ihren legendären Erfolgen verhalfen. Hinter den Kulissen entwickelten die Uhrmacher neue Zeitmess-Systeme, die sich an den Rennstrecken rasch durchsetzten. 1992 war die Marke TAG Heuer schon einmal offizieller Zeitnehmer der Formel 1. Seit Anfang 2025, im 75. Jubiläumsjahr der Rennserie, ist sie es wieder, im Rahmen eines großen Deals mit der Konzernmutter LVMH. Und weil offenbar noch ein bisschen Geld in der Portokasse übrig war, kaufte man sich auch gleich noch die Titelpartnerschaft des legendären Grand Prix de Monaco.

Womit wir beim Thema wären: dem Monaco Split Seconds Chronograph F1. In Vorfreude auf das wahnwitzige Rennen durch die engen Häuserschluchten des Fürstentums an der Côte d'Azur legte TAG Heuer eine Sonderserie in weißer Keramik auf, in der das komplett skelettierte Chronographenwerk vom Kaliber TH81-00 teilweise unter einem roten Saphirglas-Zifferblattkranz verschwindet. Rot und weiß sind auch die Markierungen an den abgeschrägten Streckenbegrenzungen, «Kerbs» genannt, und so ist die Rotorschwungmasse des Uhrwerks an ihrer Peripherie mit einer handbemalten Kante versehen.

«Lights out – and away we go» steht auf den beiden Totalisatoren im Zifferblatt zu lesen, das inoffizielle Startkommando der Vollgaszunft, die technische Raffinessen wie den Schleppzeiger-Chronographen zu schätzen weiß. Auch das leicht und filigran wirkende quadratische Gehäuse aus weißer Keramik hat seinen besonderen Reiz, zumal es ohne inneren Stützring aus Metall auskommt. Beide Gläser sind direkt mit dem Uhrwerk verschraubt, das wiederum wie ein Container über vier Schrauben mit dem Gehäuse verbunden ist.

Chrono-Poker

Chrono-Poker kann überall spontan und ohne weitere Hilfsmittel gespielt werden. Zwei oder mehr Spieler legen einen Chronographen mit dem Uhrenboden nach oben auf den Tisch. Die Start-Taste wird gedrückt. Die Spieler müssen sich nun intensiv ablenken. Zum Beispiel: Sie wechseln 10 Sätze über ein vereinbartes Thema – den kategorischen Imperativ bei Kant, das Einlochen beim Golfen etc. Bevor der Chronograph gestoppt wird, muss jeder Mitspieler «setzen» bzw. raten, wo der Zentrumszeiger des Chronographen steht, die genannten Zahlen werden notiert.

Richard Mille & Ferrari: Höchstdrehzahl zum Höchstpreis

Zugegeben, beim Anblick des neuen Schleppzeiger-Chronographen mit Tourbillon aus dem Hause Richard Mille muss man schon sehr genau hinsehen, um klassische Uhrmachertechnik zu erkennen – oder gar die «große Ferrari-Tradition», von der die Werbung spricht.

«Wir vermeiden formale Bezüge, wenn wir Dinge außerhalb des automobilen Umfelds kreieren», stellt Flavio Manzoni klar, der als oberster Designchef bei Ferrari von Anfang an in die Entwicklung des neuen Zeitmessers involviert war. «Wir nehmen nicht einzelne Elemente aus dem Auto und pflanzen sie auf ein anderes Objekt auf.» Miniaturisierte Schalthebel, Pedale oder Spoiler sucht man also vergebens auf der neuen RM 43-01, selbst das springende Pferdchen versteckt sich dezent auf einem matt gestrahlten Uhrwerkskloben. «Es ging uns mehr um die gemeinsamen Werte von Ferrari und Richard Mille.» Manzoni meint «technische Werte».

Der Begriff «Leistung» wird im Automobilbau und in der Uhrmacherei unterschiedlich benutzt. Anders als bei einem Rennwagen geht es bei einer Uhr ja nicht darum, schneller als andere zu sein. Ein Schleppzeiger-Chronograph verhält sich zu einem normalen Chrono ohnehin wie ein Le Mans Hypercar zu einem Gran Turismo. Und das Uhrwerk vom Kaliber RM 43-01 verfügt überdies noch über ein Tourbillon.

Das Ferrari-Tourbillon mit Schleppzeiger gibt es in zwei Gehäuseversionen, komplett aus TPT-Karbonfaser oder mit Boden- und Deckplatte aus Titan auf einem Mittelteil aus TPT-Karbon.

Chrono-Roulette

Auf ein Blatt Papier wird ein Kreis gezeichnet, der mit zwei Strichen längs und quer in vier Viertel geteilt wird. Für jede Stundenindikation wird außen am Kreis ein Strich angebracht, 12 insgesamt. Ein Spieler ist die Bank. Er schaltet den Chronographen ein, ohne dass es die anderen sehen können, und legt ihn dann mit dem Boden nach oben auf den Tisch.

Jetzt erst wird auf dem vorbereiteten Papier-Spieltisch gesetzt: auf Hälften, auf Viertel oder auf Zahlen für jede Stunde. Irgendwann sagt die Bank «rien ne va plus», stoppt den Chrono und dreht ihn um. Steht der Zentrumszeiger bspw. zwischen 8 und 9, haben die dort platzierten Einsätze, das 3. Viertel oder die untere bzw. die linke Zifferblatthälfte gewonnen. Die Gewinnquote und weitere Details müssen vorher vereinbart werden. Ganze Zahlen können bspw. mit dem Zwölffachen, Viertel mit dem Zweifachen und Hälften mit dem Einfachen des Einsatzes «vergütet» werden.

Text: Peter Braun

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