Bvlgari x MB&FGruß aus der Schlangengrube
Bvlgari präsentiert zusammen mit MB&F auf der Watches & Wonders gleich drei Editionen der Serpenti.
Um ein Haar dünner als der bisherige Rekordhalter von Bulgari ist die «ThinKing» von Konstantin Chaykin. Damit jagt der für seine «Wristmons» (in etwa: «Handgelenkmonster») bekannte russische Uhrmacher den Haute-Horlogerie-Uhrmachern der LVMH-Marke die Krone für die flachste Armbanduhr mit mechanischem Werk ab. Diese hatten sie erst kürzlich vom bisherigen Anführer Richard Mille zurückgewonnen.
Das Uhrwerk ist eine Eigenkonstruktion von Konstantin Chaykin und zeichnet sich durch die Verwendung des Gehäusebodens als Grundplatine des Uhrwerks sowie ein besonders flaches Federhaus und eine vom Uhrmacher erdachte und besonders platzsparende Hemmung aus. Chaykin verzichtet auf platzintensive Teile wie eine Krone zum Aufziehen und Einstellen der Uhr. Stattdessen setzt er auf ein externes Trägergehäuse, das auf die Uhr aufgesetzt werden kann und diese automatisch aufzieht. Da sie mit 1,65 mm sogar um 0,02 mm flacher als eine 1-CentMünze ist, ist sie (wie alle ultraflachen Uhren) nicht besonders robust. Trotz des Einsatzes von hochfestem Wolframkarbid als Gehäusematerial besteht die Gefahr, dass sich das Gehäuse und damit auch die enthaltenen und besonders delikaten Uhrwerkkomponenten sowie die 0,35 mm dünnen Saphirgläser verbiegen oder brechen – das optionale Exo-Gehäuse soll das im Alltag verhindern.
Um die Stabilität weiter zu erhöhen, vermeidet Chaykin bei seiner Konstruktion ein vollflächiges Zifferblatt und nutzt stattdessen besonders flache, sternförmige Zeigerscheiben als Anzeige für Stunden und Minuten. In Verbindung mit dem Schriftzug und dem Markenlogo formen sie das Gesicht des ultraflachen «Wristmons».
Mit seinem Prototyp «ThinKing», der nur 1,65 mm in der Höhe misst, hält Konstantin Chaykin derzeit den Rekord der flachsten mechanischen Armbanduhr. Das fragile Gehäuse aus Wolframkarbid kann mithilfe eines aufsetzbaren Umgehäuses verstärkt werden.
Die neue Version der Octo Finissimo Ultra ist mit 1,7 mm noch ein bisschen flacher als die Version von 2022. Damit holte sich Bulgari kurzzeitig den Weltrekord von Richard Mille zurück. Den Titel des flachsten Armbandchronometers der Welt darf sie aber behalten.
Überraschend trat 2022 Richard Mille mit der RM UP-01 Ferrari mit 1,75 mm Höhe beim Wettkampf um die flachste mechanische Uhr an, der bis dahin vor allem zwischen Bulgari und Piaget getobt hatte. Das reichte für zwei Jahre Poleposition.
Mit fast derselben Uhr ist Bulgari doch tatsächlich zwei Mal in der aktuellen Topliste der flachsten Armbanduhren vertreten. Mit 1,8 mm war das Modell von 2022 noch einmal deutlich flacher als die zwei Jahre zuvor veröffentlichte Piaget Altiplano Ultimate Concept.
Die bahnbrechende Idee, den Gehäuseboden direkt als Platine für das Uhrwerk zu nutzen, sorgte im Jahr 2020 für den Durchbruch bei der Konstruktion von ultraflachen Armbanduhren. Volle zwei Jahre lang war Piaget damit Vorreiter und Weltrekordhalter.
Text: Tobias Schaefer