Nomos Glashütte Neuheiten 2025Neue Mechanik für die Welt
Mit der Club Sport neomatik Worldtimer feiert ein neues Uhrwerk Premiere.
Der Weg zu neuen Rekorden vollzieht sich in vielen kleinen Schritten: Bei der Konstruktion besonders flacher Uhrwerke werden unzählige Details überdacht, um aus der Summe kleiner Anpassungen einen möglichst großen Effekt zu erzielen. Wo immer es möglich ist, soll Platz gespart werden.
Um wie viele Aspekte es dabei geht, weiß man bei Nomos Glashütte. Die sächsische Manufaktur stellte 2015 ihr Automatikwerk DUW 3001 vor, das mit einer Höhe von 3,2 Millimetern für eine extraflache Bauweise steht. Dieses Maß ist nicht rekordverdächtig – aber ein perfektes Beispiel für die Grundprinzipien einer schlanken Konstruktion. Immerhin entstand das DUW 3001 nach dem Vorbild des Automatikwerks DUW 5001, das 4,3 Millimeter hoch ist und somit um 25 Prozent geschrumpft wurde.
«Das Schlüsselwort war Integration», sagt Mirko Heyne, der als langjähriger Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Nomos Glashütte den Weg der Reduktion gegangen ist. Sein erstes Ziel bestand darin, alle Baugruppen und Komponenten direkt ins Werk zu integrieren und dabei den Platz zwischen Grundplatine und Deckplatte optimal auszunutzen.
«Bei einer flachen Bauweise gibt es zugleich immer das Risiko, dass etwas auf der Strecke bleibt», schildert Heyne und zählt auf: «Platzeinsparungen könnten auf Kosten einer hohen Gangdauer, der Funktionalität oder der Stabilität gehen. Man muss sich also der Herausforderung stellen, flach zu bauen und dennoch in diesen Punkten keine Abstriche zu machen.»
Keine Kompromisse – das galt zum Beispiel bei der Effizienz des Aufzugs. Dazu bedarf es eines kraftvollen Rotors, der dank seiner Masse viel Kraft zum Spannen der Zugfeder aufbringen kann. Für eine hohe Wirkkraft sorgt man, indem ein Maximum der Rotorbewegung für den Aufzug genutzt wird. Ein beidseitiger Aufzug ist vor allem dann vorteilhaft, wenn nach einem Richtungswechsel möglichst wenig Leerlauf erfolgt. Dies gelang Nomos durch neue Konstruktionen und einen nur noch zehn Grad großen Umkehrwinkel; das heißt, dass bei jedem Richtungswechsel ein höheres Maß an Drehbewegung genutzt wird.
Zugute kommt Nomos auch eine Zugfeder aus dem erst seit wenigen Jahren in Uhren verwendeten Material Bioflex, einer ursprünglich in der Medizin genutzten Legierung, aus der eine längere Zugfeder mit mehr Umdrehung gefertigt werden kann. «Das erlaubt die Gestaltung einer flacheren Zugfeder, sodass das Federhaus insgesamt flacher sein kann», erläutert Heyne.
Außerdem konstruierten die Nomos-Entwickler für das DUW 3001 einen optimierten Rädersatz, wie Heyne erklärt: «Je besser die Räder die Kraft übertragen können, desto weniger Kraftaufwand ist am Anfang erforderlich. Umso kleiner kann dann ein Federhaus oder eine Zugfeder ausfallen.»
Auch Materialien und neue Technologien helfen bei der Umsetzung: Nomos nutzt Anker und Ankerrad, die mittels LIGA-Verfahren hergestellt werden. Dieses umfasst die Schritte Lithografie, Galvanik und Abformung. Die Vorteile des Verfahrens sind die Umsetzung auch ungewöhnlicher Formen sowie eine hohe Qualität der Oberfläche.
Die Summe solcher Veränderungen – mal hier und mal da im Uhrwerk – macht die Platzersparnis möglich. Grenzen könnte noch die Umsetzung in die Realität aufzeigen, denn Komponenten müssen in Serie effizient herzustellen sein – bei bester Qualität, um die Sicherheitsabstände im Werk einhalten zu können. Das macht auch die Montage aufwendig, denn bei kleineren Dimensionen reduzieren sich auch die Toleranzen: Hier ist Fingerspitzengefühl nötig.
Der Lohn für all diese Bemühungen ist bei Nomos nicht nur ein flaches, elegantes Uhrwerk, weiß Mirko Heyne: «Unser größter Schatz ist die Erfahrung, die wir gemacht haben.»
Text: Iris Wimmer-Olbort