Panerai Luminor e-Steel

Schrott wird flott

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April 2021. Im Zuge einer groß angelegten Nachhaltigskeitskampagne lanciert Panerai die Luminor auch in einer Version aus recyceltem Stahl. Dabei hat die italienische Industrie mit Recyclingstahl keine guten Erfahrungen gemacht …
Gehäuse aus über 95% recyceltem Stahl: Panerai Luminor Marina e-Steel
Alfasud von Alfa Romeo (1972-1980)
Rostprobleme durch billigen Recyclingstahl
Panerai Luminor Marina e-Steel (PAM01358)

Nachhaltigkeit ist in diesem Jahr ein großes Thema bei vielen Uhrenherstellern, und vielerorts wird schon die Einführung von Pappschachteln als Umverpackung wie ein Meilenstein auf dem Weg zur Rettung des Planeten betrachtet. Als interessierter Betrachter würde man manchmal gerne einwerfen, dass es der Uhrenindustrie allein wahrscheinlich nicht gelingen wird, das globale Müllproblem zu lösen. Dazu sind die Mengen und Größen der Produkte schlichtweg zu klein.

Umso befremdlicher wirkt da der Slogan von Panerai («Do you want to be part of the solution») in der Werbebotschaft zu ihrer neuen Konzept-Uhr eLAB-ID. Diese Uhr besteht zu über 98 % aus recycelten Materialien: Titan fürs Gehäuse, Saphir fürs Glas, Silizium für die Hemmung, PET-Flaschen für das Armband, Superluminova fürs Zifferblatt. Zehn Industriepartner konnten gewonnen werden, um mit immensem Energieaufwand auch kleinste Mengen profaner Materialien wieder aufzubereiten – um am Ende 30 (!) Uhren herzustellen mit einem Gesamtgewicht von schätzungsweise ein, zwei Kilogramm. Ob sich so tatsächlich die Welt retten lässt?

Aber am Ende können viel mehr Menschen «Teil der Lösung» werden, verspricht Panerai, indem wir eine der neuen Luminor Marina eSteel kaufen, deren Gehäuse aus über 95 % recyceltem Stahlschrott hergestellt werden. Man hätte der italienischen Uhrenmarke schon etwas mehr Fingerspitzengefühl zugetraut, schließlich ist recycelter Stahl wesentlich für das schlechte Image italienischer Automobile verantwortlich. In den frühen siebziger Jahren verwendete Fiat große Mengen Recyclingstahl aus einem Kompensationsgeschäft mit dem sowjetischen Autokonzern Awtowas, der 1966 die Lizenzproduktion des Fiat 124 als Lada Shiguli aufgenommen hatte. Von der miserablen Qualität des Buntmetalls besonders betroffen war der neue Alfa-Romeo-Kompaktwagen Alfasud, der ab 1972 in einer eigens errichteten Fabrik vor den Toren Neapels produziert wurde. Viele Karosserien zeigten schon bei der Auslieferung erste Rostansätze und mussten nach wenigen Jahren an tragenden Teilen geschweißt werden, um durch die Hauptuntersuchung zu kommen. «Der rostet schon im Prospekt» frozzelten Autofans einst über den Alfasud. Hoffentlich sagen das Uhrenfans nicht einmal auch über die Luminor eSteel …


Text: Peter Braun
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