Jahreskalender

Smart Watches

Jahreskalender passen perfekt in die moderne Uhrenlandschaft. Sie sind robuster und nicht so kompliziert wie die sogenannten «ewigen» Kalender und deshalb auch deutlich preiswerter. Aber sie sind clever genug, um 364 Tage im Jahr automatisch das korrekte Datum anzuzeigen.
© Jörg Hajt
Rolex Sky-Dweller, Omega Seamaster Annual Calendar, IWC Portugieser Annual Calendar

Jahreskalender sind vergleichsweise einfache oder «kleine» Komplikationen der Kalenderschaltung, denn ihr mechanisches Gedächtnis reicht nur zwölf Monate. Das genügt, um in der Datumsschaltung der Monate mit 30 Tagen einen doppelten Schaltsprung (vom 30. direkt auf den 1.) zu veranlassen und so eine manuelle Korrektur am 1. Mai, 1. Juli, 1. Oktober und 1. Dezember überflüssig zu machen. Es bleibt nur das Problem mit dem außergewöhnlich kurzen Monat Februar zu lösen, auf den zu allem Überfluss auch noch der alle vier Jahre eingeschobene Schalttag entfällt. 

Im Normalfall lösen die Hersteller die Aufgabe, indem sie den Kalendermechanismus im Februar standardmäßig mit 30 oder 31 Tagen programmieren. Das bedeutet, dass der Besitzer eines Jahreskalenders am 1. März auf jeden Fall manuell korrigieren muss – egal, ob Schaltjahr oder nicht. 

 


Omega Seamaster Aqua Terra 150m Annual Calendar – Perfektes Understatement

Omega Seamaster Annual Calendar
© Jörg Hajt
Streifen machen schlank: Das Ziffer- blatt der Seamaster überzeugt mit toller Verarbeitungsqualität und bestechender Übersichtlichkeit. Auf den ersten Blick wird mancher Betrachter das doppelte Anzeige- fenster für eine Day-Date-Anzeige halten. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Monat und – stets korrektem – Datum.

Auf den ersten Blick sieht der neue Jahreskalender von Omega wie eine normale Armbanduhr mit Datums- und – hoppla – Monatsanzeige aus. Dass es die Seamaster Aqua Terra Annual Calendar faustdick hinter den Ohren bzw. unter dem Zifferblatt hat, registriert der Besitzer spätestens am 1. Mai, 1. Juli, 1. Oktober oder 1. Dezember, wenn das Datum in der Nacht zuvor tatsächlich den 31. übersprungen hat.

Die Kadratur des Omega-Jahreskalenders ist auf zwölf Monate angelegt und schaltet stoisch den Rhythmus der langen und kurzen Monate durch: 31-30-31-30-31-30-31-31-30-31-30-31. In der Tat ist der Februar bei der Seamaster mit 30 Tagen «einprogrammiert», was letztlich nichts daran ändert, dass der Uhrenträger zum korrekten Wechsel auf den 1. März Hand anlegen muss. Die Ingenieure habe es ihm aber sehr leicht gemacht, denn nach dem Aufschrauben der Krone genügen ein kurzer Zug in die erste Rastposition und ein sanfter Dreh an der Krone um ein, zwei Zacken – und schon steht da der 1. März bzw. «MAR 1», denn die Omega ist nur mit englischer Monatsscheibe erhältlich (MAR = March).

Weil die Schnellverstellung in der ersten Rastposition in die eine Richtung das Datum und in die andere den Monat verstellt, gibt es keine Möglichkeit zum Rückwärtsdrehen, aber das lässt sich bei der tadellosen und geschmeidigen Funktion der Korrekturschaltung leicht verschmerzen. Datum und Monat springen am Monatsende simultan, satt und sauber um Mitternacht (na ja, eigentlich fünf Minuten vor zwölf) mit bemerkenswert sattem Geräusch.

Neben dem auf die wesentlichen Anzeigen reduzierten Jahreskalender verfügt die Omega Seamaster Aqua Terra 150m über allerlei technische Finessen, die der Kalibergeneration 8500/8600 quasi in die Wiege gelegt wurden.

Wie die Dreizeigeruhr mit Datum und die GMT-Uhr mit zweiter Zeitzone aus der Linie Aqua Terra verfügt auch der Jahreskalender über eine Co-Axial-Hemmung der zweiten Generation mit einer aus Gründen der Funktionssicherheit von 28.800 A/h auf 25.200 A/h heruntergetakteten Schwingfrequenz.

Anker und Ankerrad sind galvanoplastisch geformt, Unruh und Spirale komplett aus Silizium gefertigt. Zwei Federhäuser sorgen für 60 Stunden Gangreserve, und selbstverständlich ist das Omega Kaliber 8602 nach Schweizer Präzisionsnorm (COSC) geprüft – wenn auch nicht als «Master Chronometer» zertifiziert, denn dieses Prädikat erhalten nur die komplett amagnetischen und bis 15.000 Gauß magnetfeldresistenten Uhrwerke der Kalibergeneration 8800/8900.

Es dürfte indes nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der sympathisch tiefstapelnde Jahreskalender in den Genuss der neuen Technik kommt. Der Globemaster Annual Calendar mit Monatszeiger hat sie bereits …

 


IWC Portugieser Annual Calendar – Klassisch neu konstruiert

IWC Portugieser Annual Calendar Werkansicht
© Jörg Hajt
Die neue Kalibergeneration der IWC bewahrt die klassischen Konstruk- tionsmuster, ist aber in jedem Detail in punkto Leistung und Zuverlässigkeit optimiert. August, der 28. Montag? Die englische Verwaltungs-Nomenklatur macht es uns Mitteleuropäern nicht leicht.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass der von Grund auf neu konstruierte Jahreskalender der IWC 2015 im klassischen Gehäuse der «Portugieseruhr» debütierte, pünktlich zum 75. Geburtstag der Leader-Kollektion. Mit anspruchsvollen Komplikationen und Uhrwerken hatte die Portugieser-Linie schon in der Vergangenheit immer wieder die Manufakturkompetenz des Unternehmens unterstrichen. Im Jahr 2000 feierte in der Portugieser die Kaliberfamilie 5000 mit sieben Tagen Gangreserve Premiere, das erste komplett selbst entwickelte und gebaute Manufakturwerk der Neuzeit. Und vor zwei Jahren dienten die eleganten Uhren erneut als Innovationsträger.

Das IWC Kaliber 52850, das den Portugieser Jahreskalender antreibt, gehört zur neuen Kaliberfamilie 52000, die als «Universal-Antrieb» für verschiedene Komplikationen neu entwickelt wurde. Neben einer zeitgemäßen Schwingfrequenz von 4 Hz (28.800 A/h) und zwei Federhäusern für sieben Tage Gangreserve betreffen die technischen Verbesserungen den patentierten Pellaton-Aufzug, dessen Aufzugsklinke und -rad nun aus verschleißfester Keramik gefertigt sind, sowie das Lager des Aufzugsrotors. Weitere Besonderheiten dieses Uhrwerks sind die rückerlose Regulierung über vier Unruhschrauben sowie eine Breguet-Spirale.

EXKURS: Jahreskalender

Unter einem Jahreskalender versteht man eine mechanische Schaltung, welche die Abfolge von kurzen und langen Monaten berücksichtigt und zum Beispiel den 31. April verhindert oder einen 31. August erlaubt. Schwieriger ist das Weiterschalten um mehrere Tage vom 28. Februar direkt auf den 1. März, und das auch nicht jedes Jahr, sondern nur in drei von vieren. Das kann nur ein sogenannter «ewiger Kalender», der auch alle vier Jahre einen Schalttag einbindet.

Fast fünf Jahre brauchten die IWC-Ingenieure, um das Kalendermodul zu entwickeln, weil sie hier bei null beginnen mussten und nicht auf hauseigene Erfahrungen wie beim Ewigen Kalender zurückgreifen konnten. Der Jahreskalender zeigt in drei Fenstern Monat, Datum und Wochentag in der bürokratischen Reihenfolge an, wie sie in englischsprachigen Ländern üblich ist, wofür die IWC sowohl technische als auch ästhetische Gründe anführt. Vielleicht hat hier aber auch die Marketingabteilung ein Wörtchen mitgeredet, denn die Mehrzahl der IWC-Kunden auf der Welt dürfte mit der englischen Nomenklatur besser vertraut sein als wir Kern-Europäer. Die Jahreskalenderfunktion schlägt mit fast 10.000 Euro Aufpreis gegenüber der «normalen» Portugieseruhr recht heftig zu Buche.

Das Datum beginnt ab ca. 23 Uhr zu schalten und springt ziemlich genau um Mitternacht um. Der Wochentag wechselt erst zwischen 2 und 3 Uhr morgens. Bei «kurzen» Monaten beginnt die Datumsschaltung vom 30. auf den 1. bereits um ca. 21 Uhr, denn die Anzeige schaltet zunächst für eine Stunde auf den 31., um dann um Mitternacht gleichzeitig auf den Ersten und den neuen Monat umzuspringen. Der Wochentag schaltet unverändert erst in den frühen Morgenstunden – offenbar ist die Wochentagsmechanik nicht Teil der Jahreskalender-Kadratur. Der Februar hat in der IWC-Kadratur übrigens 31 Tage.

Das Drehgefühl der Krone vermittelt einen positiven Eindruck von der soliden Mechanik, die mit sattem Klicken rastet und sicher schaltet. In der ersten Kronenposition lassen sich in die eine Richtung die Wochentage schnell fortschalten, in der anderen Richtung das Datum, das zum Monatsersten auch brav die Monatsanzeige «mitnimmt». Eine Schnellverstellung rückwärts ist technisch nicht möglich.

 


Rolex Oyster Perpetual Sky-Dweller-Jahreskalender als Bonus

Rolex Sky-Dweller
© Jörg Hajt
Die Monatsanzeige hält sich dezent im Hintergrund: Ein kleines Farbfeld am Index genügt vollkommen. Mindestens ebenso praktisch wie der Jahreskalender ist die zweite Zeitzone, die im Zifferblatt zu Recht im Mittelpunkt steht. Der Preis für die Edelstahluhr mit Weißgoldlünette («Rolesor») ist eine kleine Sensation. Die Sky-Dweller ist ja eine richtige Komplikationsuhr.

EXKURS: Wozu Schaltjahre?

Unser Planet dreht sich im Laufe eines Jahres ungefähr um eine Viertelumdrehung zu weit, also etwa 365 ¼ Mal um die eigene Achse. Gut sechs Stunden «Fehlgang» kann man aber nicht kontinuierlich korrigieren, sonst würde ja nach zwei Jahren Mitternacht auf den Sonnenhöchststand fallen. Folglich befahl im Jahre 45 v. Chr. Julius Caesar, alle vier Jahre einen Extratag in den Kalender einzuschieben, wie es die Ägypter schon seit geraumer Zeit taten. Es verblieb im julianischen Kalender dennoch ein Restfehler von 11 Minuten pro Jahr. Das hört sich nicht nach viel an, summierte sich aber auf einen ganzen Tag nach nur 130 Jahren. 1582 war der Frühlingsanfang auf den 11. März vorgerückt, und Papst Gregor wusste sich nicht anders zu helfen, als zehn Tage aus dem Kalender zu streichen: Auf Donnerstag, den 4.10.1582 folgte Freitag, der 15.10.1582.

Bei der Rolex Sky-Dweller ist die Funktion des Jahreskalenders erst auf den zweiten Blick ersichtlich, denn dem ungeschulten Auge entgeht allzu leicht die sehr dezente Monatsanzeige, die seine Aufmerksamkeit erregen würde. Außerdem wird es abgelenkt von der dezentriert angeordneten ringförmigen Anzeigenscheibe mit 24-Stunden-Teilung, die auf Reisen die Heimatzeit konserviert, wenn man den Stundenzeiger auf seine neue Lokalzeit eingestellt hat. Streng genommen ist die Sky-Dweller nämlich eine Zeitzonenuhr. Den Jahreskalender gibt’s als Extra obendrauf.

Die Datumsanzeige unter der eingeschliffenen Lupe im Saphirglas kann den Vergrößerungseffekt aufgrund ihrer tiefen Position im Uhrwerk gut gebrauchen. Das mechanische «Gehirn» des Jahreskalenders ist nämlich zusammen mit der 24-Stunden-Anzeige direkt unter dem Zifferblatt angeordnet. Es trägt den Namen Saros – nach dem bereits in der Antike beobachteten Zyklus von rund 18 Jahren, in dem sich Sonne, Erde und Mond immer wieder in der exakt gleichen Konstellation in derselben Himmelsregion zusammenfinden.

Der Saros-Zyklus von Rolex ist patentrechtlich geschützt, denn er benötigt nur vier Zahnräder und eine spezielle Untersetzung, die an der normalen Rolex-Datumsschaltung ansetzt. Um das ganz im Dienst der Zeitanzeige an zwei verschiedenen Orten stehende Zifferblatt nicht zu überfrachten, haben die Ingenieure die Monatsanzeige an die zwölf Stundenmarker angedockt: Am äußersten Zifferblattrand dreht sich eine Anzeigescheibe mit einem je nach Gehäusematerial und Zifferblatt eingefärbten Punkt, der dann in einem rechteckigen Farbfeld neben dem Index erscheint. Zwölf Indexfelder für zwölf Monate – die Ablesung erfolgt völlig intuitiv. Der technische Kniff, den sich Rolex zur Auswahl und Einstellung der verschiedenen Funktionen über eine einzelne Krone hat einfallen lassen, heißt Ring Command und betrifft die charakteristische Diamantschnitt-Lünette, die sich bei der Sky-Dweller in drei Rastpositionen gegen den Uhrzeigersinn verdrehen lässt, sobald man die Krone aufgeschraubt und herausgezogen hat. Diese mechanische Schnittstelle zwischen dem bis 100 Meter wasserdichten Gehäuse und dem Uhrwerk besteht aus 50 Einzelteilen.

In der dritten Lünettenposition lassen sich über die Krone Stunden- und Minutenzeiger sowie der 24-Stunden-Ring synchron einstellen, und zwar in beide Richtungen. In der zweiten Lünettenposition kann man mit der Krone den Stundenzeiger in Stundenschritten auf eine neue Lokalzeit einstellen – ebenfalls in beide Richtungen. In der ersten Lünettenposition schließlich lässt sich das Datum einstellen, sowohl vorwärts als auch rückwärts, denn die Kadraturen von Datum und Monat sind unverrückbar miteinander gekoppelt. Der Februar hat beim Jahreskalender Saros übrigens standardmäßig 31 Tage.

Die Mechanik unter dem Zifferblatt arbeitet satt rastend mit bemerkenswerter Geschmeidigkeit und Präzision. Datum und Monat schalten exakt um Mitternacht, bezogen auf den Stundenzeiger der Lokalzeit – natürlich vorwärts und rückwärts.

Das Rolex Kaliber 9001 wird nicht nur von der Schweizer Chronometerprüfstelle (COSC) zertifiziert, sondern durchläuft, eingeschalt in das Gehäuse der Uhr, bei Rolex selbst auch einen strengen Testzyklus, sodass die Sky-Dweller am Ende das Prädikat «Superlative Chronometer» tragen darf (Gangabweichung +2/-2 Sekunden pro Tag).

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