Markus Lehmann, Inhaber von Lehmann Präzisionsuhren

Wir halten, was wir versprechen

Markus Lehmann, Gründer von Lehmann Präzisionsuhren
Markus Lehmann, Gründer von Lehmann Präzisionsuhren

Herr Lehmann, Sie leiten eine Firma, die Präzisionsmaschinen herstellt. Wie entstand die Idee, eine eigene Uhrenmarke aufzubauen?

Es war ein Kindheitstraum, eine Uhr für mich selbst zu machen. Ich habe Prototypen gefertigt, und zu denen wurde mir gesagt, dass ich sie auch verkaufen könne. Auf Reisen habe ich festgestellt, dass Uhren «made in Germany» zum Beispiel in Asien auf Interesse stoßen, denn die Modelle haben eine eigene Ästhetik. Ich lege Wert auf deutsches Design und mag den «Genfer Barock» nicht. Man soll die Uhr in 20 Jahren in die Hand nehmen und sagen können, dass sie einem immer noch gefällt.

Was war Ihnen bei Ihren Modellen wichtig?

Ich wollte beim Werk nicht die klassische Verzierung, sondern etwas machen, das so nur mit unseren Maschinen möglich ist. Unsere Brücken tragen zum Beispiel ein dreidimensionales, gefrästes Muster, das in Bicolor ausgeführt ist. Das kann sonst niemand! Es erfordert 25 Arbeitsgänge und Präzisionsmaschinen, wie wir sie haben. Diese Komponente muss man 25-mal zur Hand nehmen, bevor der Uhrmacher sie einbauen kann.

Wie entsteht das Design?

Wir machen das, was uns gefällt und von dem wir glauben, dass es auch anderen gefallen könnte. Dabei kümmern wir uns nicht um Trends. Zudem sind wir der Meinung, dass wir uns nicht jedes Jahr neu erfinden müssen. Deshalb gibt es auch nicht jedes Jahr neue Modelle. Unser Stil wird immer gleich bleiben – und dennoch werden wir uns immer wieder weiterentwickeln.

Ein großer Anteil der Ästhetik entsteht durch die Fertigung. Warum ist das so wichtig?

Es beweist die Kernkompetenz von Lehmann: Wir können Komponenten von Werk und Ausstattung selbst fertigen und sie in sehr hoher Qualität herstellen. Das ist es, was wir wirklich können und zeigen wollen. Wir kennen die höchsten Qualitätsanforderungen und können sie erfüllen. Jeder kann das bei uns sehen. Wir zeigen, dass die Teile auf Präzisionsmaschinen hergestellt werden. Ich möchte authentisch bleiben, daher auch der Name: Die Marke ist nach mir benannt, denn es ist auch meine Uhr.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung der eigenen Uhrenkollektion?

Die Industrialisierung ist das Problem. Es ist eine immense Herausforderung, hundert Teile in Serie herzustellen, von denen jedes einzelne perfekt sein muss. Bis das gelingt, kann es ein langer Prozess sein. Mitarbeiter müssen geschult, Maschinen justiert werden. Doch das sind unsere Kompetenz und unser großer Vorteil. Das industrialisierte Herstellen war schon früh mein Berufsleben. Wie man Teile herstellt – das war in meinem Kopf, und heute können das auch die Mitarbeiter von Lehmann Präzisionsuhren und Lehmann Präzision. Und zwar besser als andere, da wir die entsprechenden Maschinen ebenfalls entwickeln. Insgesamt haben wir 27 verschiedene Berufsgruppen, die bei uns tätig sind. Das ist unsere Stärke und macht uns wirklich zu einer Manufaktur.

Sie haben viele Kunden aus der Schweizer Uhrenbranche, denen die Firma Lehmann Präzision Maschinen verkauft. Wie sehen die es, dass Sie als Konkurrent mit eigener Uhrenkollektion auftreten?

Das ist kein Problem – wir sind ja eine kleine Marke. 2017 haben wir rund 200 Uhren verkauft. Mit deren Herstellung testen wir unsere Maschinen und können diese auch vorführen. Unser Ziel ist es allerdings, mit Lehmann Präzision in anderen Industrien wie Medizin, Motorenbau oder Optik sowie am deutschen Markt noch bekannter zu werden.

Doch auch für die Uhrenmarke haben Sie ehrgeizige Pläne. Wie geht es weiter?

Blick in die Zukunft: So wird die neue Manufaktur von Lehmann Präzisionsuhren in Hardt aussehen, die 2018 fertiggestellt werden soll
Blick in die Zukunft: So wird die neue Manufaktur von Lehmann Präzisionsuhren in Hardt aussehen, die 2018 fertiggestellt werden soll

Lehmann Präzisionsuhren hat mit zwei Uhrmachern begonnen – nun haben wir in diesem Bereich zehn Mitarbeiter, dazu die Feinmechaniker in der Fertigung und einen Ingenieur in der Konstruktion. Künftig werden alle unter einem Dach arbeiten: Ende 2018 zieht die Uhrenmanufaktur an den Standort unserer Maschinenbaufirma in Hardt, rund zehn Minuten von Schramberg entfernt. Dort bauen wir gerade ein neues Gebäude für die Fräserei und die Uhrenmanufaktur, nachdem vor Kurzem eine Erweiterung der Maschinenbaufertigung abgeschlossen wurde. Das neue Gebäude wird sehr modern, in einem klassisch-schönen Stil. Es ist durchdacht und völlig auf die Bedürfnisse der Fertigung abgestimmt. Es gibt eigene Räume für Feinmechanik und Polissage sowie zwei große Uhrmacherateliers für die Montage. Zum ersten Mal wird Lehmann auch eine Lounge einrichten, um Kunden empfangen zu können. In Hardt können Besucher sehen und begreifen, dass wir das halten, was wir versprechen.

Das hört sich nach großen Investitionen an. Wie viel Geld nehmen Sie hier in die Hand?

Insgesamt investieren wir in Hardt innerhalb von zwei Jahren über sechs Millionen Euro. Das zeigt, wie sehr wir an unser Unternehmen glauben. Es wird im Sommer auch Neues in Sachen Uhren geben.

Zu Beginn des Gesprächs sagten Sie, dass eine eigene Uhr Ihr Traum war. Ist dieser mit der eigenen Uhrenmarke mehr als in Erfüllung gegangen?

Ja, absolut. Anfangs ging es um das Machen einer Uhr, um das Gefühl, sie in der Hand halten zu können. Dann entstand die Idee, damit auf den Markt zu gehen. Das alles ging Schritt für Schritt, und so setzte sich alles fort: Es muss wirtschaftlich überschaubar und kalkulierbar sein. Wir sind eine kleine Marke, die immer auf hohem Niveau arbeitet, denn wir müssen uns an feinen Schweizer Uhren messen lassen. Dabei ist es uns wichtig, die Preise der Kollektion realistisch zu kalkulieren. Gleichzeitig ist es unser Ehrgeiz, besser und besser zu werden. Wir treiben die Qualität und die Fertigungstiefe immer weiter auf die Spitze. Da in der neuen Firma die Kapazitäten da sind, wollen wir noch mehr selbst machen. Wir arbeiten ständig daran, die Fertigungstiefe zu erhöhen, und haben das Selbstbewusstsein, das zu schaffen. Dafür suchen wir gute Leute in allen Bereichen. Wir stellen Mitarbeiter ein und werden in den nächsten zwei Jahren weiterwachsen.

Sie glauben also an die Zukunft der mechanischen Uhr?

Ja! Ich glaube zudem, dass sich die namhaften Uhrenhersteller behaupten werden – sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland. Es werden sicherlich einige durch das Raster fallen, die nicht seriös gearbeitet haben oder kein schlüssiges Konzept besitzen. Wir spüren beim Verkauf von Maschinen, dass die Nachfrage aus der Schweiz nachgelassen hat. Hingegen gab es Uhrenmarken, die ihre Projekte forciert und weiter investiert haben. Im Maschinenbau hat uns das wenig betroffen, da wir breit aufgestellt und in anderen Industrien tätig sind. Ich persönlich glaube, dass es die mechanische Uhr weiterhin geben wird – neben der Smartwatch, die stark im Kommen ist. Aber der Uhrenliebhaber, der ein schönes Produkt, ein Schmuckstück am Arm haben will, der wird sich weiterhin eine mechanische Uhr kaufen. Um uns habe ich keine Angst, denn Uhrenhersteller, die authentisch sind und mit Herzblut arbeiten, werden bleiben. Wir haben die Qualität unserer Uhren zu bieten, die auch durch das Chronometer-Zertifikat belegt ist: Wir lassen jede Uhr als deutschen Chronometer zertifizieren.

Schon heute zeigen Sie gern, mit welch großer Begeisterung an den Lehmann-Uhren gearbeitet wird. Kann man Sie auch am neuen Standort besuchen?

Die Kunden schätzen es sehr, unsere Fertigung zu besichtigen, und sind fasziniert davon, wie zum Beispiel Gehäuse und Brücken gefräst werden oder wie Galvanik funktioniert. Es ist ein Erlebnis für sie, ihre Uhr bei uns abzuholen. Das werden wir stärker forcieren. Wir merken, dass die Leute uns gern besuchen. Verkauf im Luxusbereich muss heute ein Erlebnis sein.

Herr Lehmann, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Iris Wimmer-Olbort.

Zur Person:

Markus Lehmann absolvierte Ausbildungen zum Werkzeugmacher und Elektrotechniker. Nach jahrelanger Tätigkeit in der Schweiz, zuletzt als Geschäftsführer einer Uhrwerkefabrik, übernahm er 1998 den väterlichen Betrieb in Hardt, Hersteller anspruchsvoller feinmechanischer Teile mit sieben Mitarbeitern. Lehmann baute eine elektrotechnische Konstruktions- und Montageabteilung zur Herstellung kompletter Baugruppen sowie eigener Produkte auf. Das Unternehmen wuchs auf heute rund 100 Mitarbeiter, die Betriebsgröße von damals 1000 auf heute über 4800 Quadratmeter an. 2011 stellte Lehmann die ersten Uhren unter seinem Namen vor.

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