Interview: Findeisen Taucheruhr F-1253

Modell- und Familiengeschichte

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Juli 2022. Die erste Taucheruhr von Findeisen, die Referenz F-1253 kam letztes Jahr auf den Markt. Nun haben wir mit Martin Zettl, dem Firmengründer von Findeisen über seine Marke und die Automatik-Toolwatch mit Manufakturwerk gesprochen.

Taucheruhr mit Manufakturwerk

Die Findeisen F-1253 zeichnet sich durch eine markante Sägezahn-Lünette aus.

So viel vorweg: Die Findeisen F-1253 im Edelstahlgehäuse mit 41,5 Millimetern Durchmesser ist mit schwarzem oder blauem Zifferblatt erhältlich und überzeugt mit einem eigenständigen Design, der Zertifizierung als Taucheruhr nach Deutscher Industrienorm (DIN) und mit einem Manufakturwerk aus deutscher Produktion.

Die einseitig drehbare Lünette, hier im Stil einer Turbine und die Druckfestigkeit von 20 bar (200 m), gepaart mit nachleuchtenden Zeigern und Index-Markern sind Voraussetzung für die Konstruktion nach DIN 8306. Das Kaliber FW 4251 basiert auf dem kürzlich präsentierten Manufakturkaliber A-26.2 von der bayerischen Uhrenmarke Damasko, versteckt sich jedoch unter dem gravierten Gehäuseboden und einem Weicheisenkäfig, der Abschirmung vor Magnetfeldern garantiert. Das gesamte Gehäuse ist komplett perlgestrahlt und wird wahlweise am Kautschuk- oder Massivband mit Feinverstellung und Schnellwechselsystem angeboten. Der Preis bewegt sich zwischen 2700 und 2900 Euro.

Die Gravur auf der Rückseite der F-1253 hängt mit der Familiengeschichte von Firmengründer Martin Zettl zusammen – dort wird Bezug genommen auf die ehemals ostpreußische Stadt Memel, jedoch inklusive dem heutigem Namen Klaipėda, wie die litauische Hafenstadt heute heißt. Unter anderem, was es damit auf sich hat beantwortete uns Martin Zettl im Interview.

Interview mit Martin Zettl, Findeisen

Geschichten aus der eigenen Familie inspirierten Martin Zettl zur Gründung von Findeisen.

Wie kommt man auf die Idee, eine Uhrenmarke zu gründen?

Hinter dieser Idee stehen eigentlich zwei weibliche Personen, meine Frau und meine Großmutter, die letztgeborene Findeisen. Sie hat mich bei meinen Besuchen in der Nähe von Chemnitz oft angesprochen „Du trägst ja schon wieder eine neue Uhr! Wie der alte Max!“ Ich wusste, dass „der alte Max“ ihr Vater Max Findeisen war, habe mir bei dieser Bemerkung aber nie etwas gedacht. Bis meine Frau einmal nachhakte und meine Großmutter sagte: „Na ja, der war so ein richtiger Uhren-Narr. Musste immer das Neueste haben, erst Taschenuhren, dann Armbanduhren.“ Und dann erfuhr ich, dass der Urgroßvater Max von seiner Frau zum 60. Geburtstag eine Uhr geschenkt bekam – heute weiß ich, dass das wohl eine russische Raketa gewesen sein muss –, die hat er auseinandergenommen und auf das Zifferblatt den Namen „Findeisen“ gravieren lassen. Das war also die erste Findeisen-Uhr, und in der Tat hat mir meine Frau die Augen geöffnet, was das doch für ein schöner, wohlklingender Name sei. Ich hatte mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht, fand aber, sie hatte recht.

Warum der Bezug der Modellbezeichnungen zu den historischen Städtenamen aus dem ehemaligen Ostpreußen?

Das hat natürlich auch einen familiären Hintergrund. Der Vater meines Urgroßvaters, Karl-Ferdinand Findeisen, hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, weil seine Familie mütterlicherseits im 18. Jahrhundert aus Gerdauen in Ostpreußen nach Sachsen gezogen war. Er nahm Zeit seines Lebens großen Anteil an der Entwicklung der Region, und die Widmung der Uhrenmodelle an bestimmte Orte im ehemaligen Ostpreußen bezieht ja immer auch die heutige Nationalität und den neuen Ortsnamen mit ein. Dieser Bezug auf die Region ist, wenn Sie so wollen, der USP unserer Marke Findeisen. Das Gebiet erstreckt sich heute über Litauen, Polen und die russische Enklave Kaliningrad. Mit Allenstein, Memel und Königsberg haben wir für unsere Startkollektion aus jeder dieser drei Länder einen Modellnamen gewählt, als Hommage an unseren „Spiritus Rector“ Karl-Ferdinand Findeisen.

Hatten Sie keine Sorge, dafür Applaus aus der falschen Ecke zu bekommen?

Wir haben natürlich bei der Umsetzung der Namensgebung eng mit einem Historiker zusammengearbeitet, um jede Polarisierung zu vermeiden, und beziehen uns nicht auf politische Zusammenhänge. Der befürchtete Applaus blieb zum Glück aus.

Nichtsdestotrotz gehen wir bei der Namensgebung der neuen Modelle subtiler vor und nehmen zukünftig nur noch das Gründungsjahr der betreffenden Stadt in die Bezeichnung. Zum Beispiel 1253 bei der Taucheruhr Memel oder 997 für die im Herbst 2023 geplante neue Uhr, die auf die Stadt Danzig Bezug nimmt.

Das historische Stadtwappen der Hafenstadt Klaipéda (ehem. Memel) ziert den Gehäuseboden der F-1253.

Welche Rolle spielt die Produktqualität bei Ihrer Marke?

Qualität ist unser Kriterium Nummer 1. Als Newcomer-Marke darf man sich keine Fehler erlauben. Und man muss von Anfang an wissen, wo man hinwill. Spätere Korrekturen am Portfolio oder an der Positionierung sind eine heikle Sache.

Mir war klar, dass man hohe Qualität bei kleinen Stückzahlen teuer bezahlen muss. Das heißt, die Uhren werden automatisch teuer – teurer als die in industriellen Dimensionen gefertigten Uhren der großen Konzernmarken. Der Bezug von chinesischen Uhrwerken oder gar die Auslagerung der Produktion nach Fernost, um Kosten zu sparen, stand aber nie zur Debatte. Wir waren von Anfang an auf der Suche nach europäischen Partnern für Gehäuse und Uhrwerke und lassen die Uhren bei einem etablierten Uhrmacher in Nürnberg remontieren, der auch den Nachverkaufsservice übernimmt.

Die neue Taucheruhr F-1253 ist mit einem exklusiven Manufakturkaliber ausgestattet …

Findeisen kooperiert beim Uhrwerk FW-4251 mit der Uhrenmanufaktur Damasko.

Die Kooperation mit der Firma Damasko in Barbing ist ein echter Glücksfall. Manufakturwerke, oder auch schon exklusive Kaliber, sind für viele Kunden ein wichtiges Kriterium. Nicht nur in Sammlerkreisen – bei hochwertigen Uhren gehört „ein eigenes Uhrwerk" heute fast schon zum guten Ton. Wir waren schon recht früh in Kontakt mit der Firma Damasko, die damals dieses neue, kleinere Automatikkaliber mit Klinkenaufzug in der Entwicklung hatte. So kamen wir als kleine Marke in den Genuss der Erstverwendung dieses Uhrwerks, das in unserer Taucheruhr mit Weicheisenkalotte zur Magnetfeldabschirmung und mit einer speziellen Stoßsicherung durch einen Werkhaltering aus Spezialkautschuk zum Einsatz kommt. Dadurch wurde die Uhr zwar etwas teurer als geplant, aber die Top-Ausstattung funktioniert halt meiner Meinung nach nur als Komplettpaket. Wir haben mit der Uhr einen neuen Interessentenkreis erschlossen und uns ein Stück weit höher im Markt positioniert – nicht zuletzt auch im Ansehen der Uhrenfreunde und in der Wahrnehmung der Mitbewerber.

Sind diesbezüglich noch weitere exklusive Entwicklungen geplant?

Das FW-4251 basiert auf dem Damasko-Manufakturkaliber A26.2.

Die vorhin erwähnte neue Uhr für den Herbst 2023 wird ebenfalls mit einem reservierten neuen Uhrwerk ausgestattet werden. Aber dieses Mal müssen wir uns etwas gedulden, denn es wird sein Debüt in einer Damasko-Uhr geben, erst danach kommen wir zum Zuge.

Herr Zettl, vielen Dank für dieses Gespräch!

Das Interview führte Peter Braun

Mehr zum Thema auf der Hersteller-Seite


Stadtchronik: Memel / Klaipéda


Findeisen F-1253 Taucheruhr

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