Karl-Friedrich Scheufele, Chopard

«Ein Uhrwerk muss dem Auge gefallen»

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November 2021 Er etablierte die Haute Horlogerie bei Chopard: Zum 25-jährigen Jubiläum der Chopard Manufacture in Fleurier spricht Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident des Hauses, über Erreichtes und die Ziele in der Zukunft.
Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard
Vor fast 30 Jahren startete Karl-Friedrich Scheufele mit der Fertigung eigener Uhrwerke für Chopard, nun feiert die Chopard Manufacture das 25-jährige Bestehen.

Sie haben in Fleurier die Chopard Manufacture aufgebaut, in der Uhrwerke in der Tradition der Haute Horlogerie gefertigt werden. Später folgte das Unternehmen Fleurier Ébauches zur industriellen Fertigung von Kalibern. Was war die größte Herausforderung?

Sicherlich die industrielle Fertigung von Uhrwerken – heute mehr denn je, denn ein Großteil der Uhren von Chopard ist mechanisch und mit eigenen Werken ausgestattet. Das wäre allerdings ohne die Anfänge in der Manufaktur nie möglich gewesen.

Es ist gleichermaßen interessant, Uhrwerke weiterzuentwickeln und dabei die Fertigungsmethoden immer wieder zu verfeinern sowie Komplikationen zu schaffen. Letzteres ist prestigeträchtiger, doch das andere ist ebenfalls wichtig und erlaubt letztlich die Entwicklung von hoch komplizierten Uhren. Hier in Fleurier hat sich das für Chopard perfekt zusammengefügt. Beide Leistungen sind ebenbürtig. Das eine hat das andere befruchtet – und das macht mir die größte Freude.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie bei Chopard Manufacture?

Zunächst ging es darum, einen Prototyp zu schaffen. Dann folgte die Überlegung, wie wir das Uhrwerk produzieren. Wir hatten keine Grundlagen, keine etablierte Manufaktur – wir mussten uns das erarbeiten und viele Entscheidungen treffen. Zum Beispiel die Herstellung: Soll man Komponenten traditionell pressen oder auf CNC-Maschinen fertigen? Wir haben uns für Letzteres entschieden und auf Techniken gesetzt, die damals ziemlich neu waren. Man stand immer wieder vor einer Weggabelung, und größtenteils haben wir die richtige Richtung gewählt.

Sie treffen auch bei der Werkkonstruktion die wichtigsten Entscheidungen selbst. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Ästhetische Belange sind ebenso wichtig wie die Uhrwerkkonstruktion selbst. Ich finde, ein Uhrwerk muss auch dem Auge gefallen. Dabei geht es zum Beispiel um die Form von Brücken, um Materialien oder die Dekoration der Oberflächen. Darauf nehme ich bis heute Einfluss. Das macht mir Freude und ist eine echte Leidenschaft von mir. Da zählt man nicht die Stunden oder Minuten.

Chopard Manufacture Fleurier 25 Jahre
1996 wurde die Chopard Manufacture gegründet - nun feiert sie 25-jähriges Jubiläum.

Die Chopard Manufacture hat bis heute 13 L.U.C-Basiskaliber entwickelt, daraus entstanden 120 Varianten. Wird Chopard von den Kunden für diese Kompetenz ausreichend wahrgenommen?

In den vergangenen zwei bis drei Jahren konnten wir hier feststellen, dass sich die Wahrnehmung verändert hat und unsere L.U.C-Kollektion mehr und mehr Respekt genießt. Interessanterweise ist das in vielen Ländern viel weiter fortgeschritten als in meinem Heimatland Deutschland.

Alle Uhren der Chopard Manufacture sind als COSC-Chronometer zertifiziert, einige Modelle tragen das Genfer Siegel, andere das Qualité Fleurier. Warum sind diese Zertifikate für Chopard so wichtig?

Ich habe bei unseren Mitarbeitern immer wieder beobachtet, dass man sich gegenüber einer Instanz, die sich nicht im eigenen Haus befindet, mehr Mühe gibt. Ich halte es nicht für vernünftig, sich selbst zu zertifizieren. Es war immer wieder positiv für uns, und ich könnte mir das heute nicht anders vorstellen.

Seit 2018 fertigt Chopard Golduhren ausschließlich aus ethisch gefördertem Edelmetall. Sie betonen immer wieder die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit. Wo gibt es weiteres Potenzial?

Zum Beispiel bei Edelstahl. Für die Alpine Eagle verwenden wir Stahl, der zu 70 Prozent recycelt ist. Zudem überzeugt er durch einen stärkeren Glanz und eine härtere Oberfläche. Am wichtigsten aber ist: Er ist recycelt und kommt nicht von irgendwoher, sondern aus Österreich. Wir haben gerade im Haus eine Initiative gestartet, um auch andere Aspekte ins Blickfeld zu rücken. Ob es Etuis, Dekoration oder Lederbänder sind – es gibt viele Themen, die man noch abhandeln muss.

Das gilt ebenfalls für die Produktion: Das Gebäude von Fleurier Ébauches ist das größte renovierte Industriegebäude des Kantons Neuchâtel und hat dafür das bekannteste Schweizer Umweltzertifikat «Minergie» für höchste Energieeffizienz erhalten. Wir kühlen und heizen mit Wärmepumpen und sind dabei völlig autonom. Das Einzige, was ich noch nicht habe, ist ein Elektroauto.

Als vor mehr als 25 Jahren die Idee zur Chopard Manufacture entstand, mussten Sie in Ihrer Familie Widerstände überwinden. Wie ist das heute?

Heute ist das kein Thema mehr. Aber viele neue Ideen müssen am Anfang Widerstände überwinden – vielleicht ist das auch ein Teil der Geschichte. Und es wiederholt sich – zum Beispiel bei der Alpine Eagle. In dem Fall war ich es, der bezweifelt hat, dass man diese Uhr wieder braucht. Ich habe mich nun ganz klar vom Gegenteil überzeugen lassen.

Als ich vor 25 Jahren mit der Chopard Manufacture gestartet habe, konnte man fast alle Uhrwerke zukaufen. Es gab also kaum Notwendigkeit, sich selbst diese Mühe zu geben, und mein Vater war hier ein großer Zweifler. Heute kann er es kaum erwarten, dass wir ihm das neueste Uhrwerk zeigen.

Herr Scheufele, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Iris Wimmer-Olbort.

Chopard Karl-Friedrich Scheufele
Karl-Friedrich Scheufele ist Co-Präsident von Chopard.

Karl-Friedrich Scheufele ist Mitglied der aus Pforzheim stammenden Inhaberfamilie von Chopard. Seine Eltern, Karin und Karl Scheufele, kauften Chopard 1963 als kleine Genfer Uhrmacherwerkstatt. Heute leiten Karl-Friedrich und seine Schwester Caroline das Unternehmen als Co-Präsidenten. «KFS» ist für das operative Geschäft und die Herrenuhren verantwortlich und leitet Chopard Manufacture, in der Uhrwerke in der Tradition der Haute Horlogerie gefertigt werden, sowie Fleurier Ébauches, wo die Fertigung von Werken unter industriellen Bedingungen stattfindet.

Lesen Sie mehr über die Chopard Manufacture


Hinter den Kulissen: Besuch in der Manufacture in Fleurier


Uhren zum Jubiläum 25 Jahre Chopard Manufacture

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