House of Brands: Georges Kern im Gespräch

«Technik und Gestaltung in Harmonie»

April 2026. Mit dem Neustart von Universal Genève bekommt Breitling eine geschichtsträchtige Marke zur Seite gestellt. Gemeinsam gehören sie zum «House of Brands» unter der Leitung von Georges Kern, der im Interview über das Comeback spricht.
Porträt von Georges Kern, House of Brands, Breitling, Universal Genève, Gallet
Georges Kern ist CEO von House of Brands, zu dem die Uhrenmarken Breitling, Universal Genève und Gallet gehören.

ARMBANDUHREN: Herr Kern, Sie haben es spannend gemacht und den Relaunch von Universal Genève lange angekündigt. Wie geht es Ihnen seit der Premiere der neuen Kollektion?

Georges Kern: Die Reaktionen sind überwältigend – so, wie ich es noch nicht erlebt habe. Das Interesse sowohl von Endkunden als auch von Händlern ist enorm. Daher ist mehr als die Hälfte der geplanten Jahresproduktion von 2000 Uhren online bereits vorverkauft. Offenbar findet unsere Arbeit international große Resonanz.

Armbanduhr Polerouter von Universal Genève.
Ursprünglich im Jahr 1954 entworfen, feiert die Polerouter ihr Comeback als Herzstück der neuen Kollektionen von Universal Genève.

Die Geschichte von Universal Genève steht für beeindruckende uhrmacherische Innovation. Wie führen Sie diesen Anspruch in die Gegenwart?

Die technische Innovation liegt für mich in unseren Basiswerken. Derzeit sind hochkomplexe Komplikationen nicht unser Thema. Vielmehr sind wir davon überzeugt, dass Kunden nach Image, Geschichte und einem Statussymbol suchen – und die Ästhetik ist wichtig. Ich finde, die Zusammenführung dieser Themen ist uns gut gelungen. Schauen Sie sich die Polerouter aus Stahl an – das ist eine so unfassbar schöne Uhr. Einige unserer Einzelhändler haben uns gesagt, dass ihre Kunden schon alles hätten, dass es Zeit sei für Neues und dass die Polerouter das sein werde.

Ein breites Angebot

Gleich zum Start umfasst die Kollektion von Universal Genève 40 unterschiedliche Modelle. Warum haben Sie sich gleich so viel vorgenommen?

Das nicht zu tun, wäre aus meiner Sicht ein großer Fehler gewesen. Wir wollten uns zu Beginn nicht auf die Modelle Polerouter oder Compax fokussieren, sondern ein möglichst breites Spektrum bieten. Denn wenn man nur eine Kollektion bietet, wird man auch nur mit dieser identifiziert. Daher halte ich es für wichtig, eine vielseitige Palette klar relevanter Produkte zu schaffen. Diese soll in Zukunft natürlich weiter ergänzt werden.

Drei Modelle der Polerouter Hardstone von Universal Genève mit Zifferblättern aus Tigerauge, Bullenauge und Lapislazuli.
Die Ästhetik der Natur: Polerouter Hardstone von Universal Genève fasziniert mit Zifferblättern aus Tigerauge, Bullenauge und Lapislazuli.

Der Slogan von Universal Genève lautet «Le Couturier de la Montre». Was bedeutet das für Sie?

Dieser Slogan stammt aus den 1950er Jahren und wir behalten ihn auf Französisch bei. Für uns ist das eng mit unserer Design-Philosophie verbunden, die wir mit «Functional Beauty» – also funktionelle Schönheit – beschreiben. Wir wollen Technik und Gestaltung in eine harmonische Balance bringen, bei der die Ästhetik die führende Rolle übernimmt. Wir verstehen den Begriff «Couturier» als Beschreibung einer umfassenden Design-Instanz. Dazu gehört für uns auch die handwerkliche Exzellenz der Haute Couture. Und in Verbindung zum Begriff Mode denke ich an die Qualität des Designs, an Beständigkeit und an Modeschöpfer wie Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld oder an einen Azzedine Alaïa.

Universal Genève hat eine erfolgreiche Geschichte, die auf faszinierende Weise mit Ihrer Person und Ihrer Herkunft verbunden ist. Welche Verbindung ist das?

Das stimmt und das ist mir selbst erst nach und nach bewusst geworden. Mein Vater René Kern war ein erfolgreicher Juwelier mit einem Geschäft auf der Königsallee in Düsseldorf und sogar einer Niederlassung in Paris. Er hatte Kundinnen und Kunden auf der ganzen Welt, selbst Mitglieder von Königshäusern gehörten dazu – etwa Kaiserin Soraya. Er hat großartige Juwelen kreiert, die bis heute geschätzt werden. Ich sehe seinen Schmuck immer wieder bei Auktionen und er wird sehr hoch bewertet.

Blütenbrosche aus Gold mit Diamanten, Rubinen und Perlmutt aus dem Atelier von René Kern, um 1964.
Außergewöhnliche Blütenbrosche aus dem Atelier von René Kern, circa 1964.

Mein Vater hat in seinem Geschäft auch Uhren verkauft. Zu den Marken, die er geführt hat, zählte neben Patek Philippe sogar Universal Genève. Es ist für mich sehr schön, dass sich heute dieser Kreis wieder schließt und ich selbst nun diese enge Verbindung zu Universal Genève habe.

René Kern und Universal Genève

Es gibt eine weitere Gemeinsamkeit der Marke Universal Genève und Ihrem Vater René Kern. Wie überschneidet sich die Geschichte der beiden Häuser in den 1960er Jahren?

René Kern präsentiert nach seiner Rückkehr aus New York am Flughafen Düsseldorf den Diamonds International Award.
Der Preis kommt nach Deutschland: 1963 kam René Kern aus New York am Flughafen Düsseldorf an – im Gepäck den Diamonds International Award, der ihm in den 1960er Jahre insgesamt dreimal verliehen wurde.

1965 gewann Universal Genève die Diamonds International Awards in New York – damals die höchste Auszeichnung für außergewöhnliche Diamantuhren sowie herausragenden Schmuck. Daher wurde dieser Preis auch oft als «Schmuck-Oscar» bezeichnet. Mein Vater René Kern hat diesen Preis in den 1960er Jahren gleich dreimal verliehen bekommen – für zwei Colliers und ein Diamantarmband. Auch in diesem Kontext haben sich die Geschichte meiner Familie und von Universal Genève bereits gekreuzt.

Collier aus Diamanten und Smaragden aus dem Atelier von René Kern.
Diamanten und Smaragde: Für dieses Collier erhielt René Kern 1963 den damals bedeutendsten Preis für Schmuckdesign, den Diamonds International Award von De Beers.

Zurück zu Universal Genève: Sie haben berichtet, dass Ihre Jahresproduktion schon sehr stark nachgefragt ist. Werden Sie das Volumen erhöhen?

Das kommt darauf an, wie viele Uhrwerke wir zu beständiger Top-Qualität produzieren können. Andere wie Audemars Piguet oder Vacheron Constantin schaffen das auch. Daher sehe ich keinen Grund, warum das für uns nicht auch möglich sein sollte.

Herr Kern, vielen Dank für das Gespräch.

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