Jupp Philipp, Fortis-Inhaber

Zurück zu den Sternen

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Jupp Philipp Fortis Watch AG

Herr Philipp, was veranlasst den Juniorchef einer großen Firma, sich eine Uhrenmarke zu kaufen?
Ich komme aus einem sehr alten, erfolgreichen Familienunternehmen. Das ist natürlich eine entspannte Ausgangssituation für jemanden wie mich, der sich ständig fragt, ob es da draußen nicht noch etwas anderes gibt. Meine Familie hat da immer großes Verständnis und Langmut mit mir gehabt, wenn ich neues Terrain erkunden und meine Neugier befriedigen wollte. In der Tat habe ich mich schon lange vor Fortis umgeschaut, wo man denn einen Fuß hinsetzen, etwas investieren könnte.

Geschäftsidee oder Erfüllung eines Jugendtraums?
Ich bin nicht der Mensch, der etwas neu gründet und von null aufbaut. Ich lasse mich lieber von einer bestehenden Idee inspirieren, nehme den roten Faden auf und entwickle ein Projekt weiter. Das habe ich in der Vergangenheit schon ein paarmal mit Erfolg gemacht. Und weil ich nun schon seit 14 Jahren in der Schweiz lebe, wollte ich endlich einmal etwas vor der Haustür haben, mit dem Auto zur Arbeit fahren können. Nicht immer für einen Tag drei Tage reisen müssen.

Wieso ausgerechnet Fortis?
Ich habe letztes Jahr in der Zeitung gelesen, dass Fortis vor dem Aus steht. Aber im Endeffekt war es sogar meine Frau, die mich darauf gebracht hat: «Mensch, warum schaust du nicht mal bei Fortis, das wäre doch genau dein Ding?» Sie müssen wissen, dass ich ein riesiger Fortis-Fan bin. Ich habe eine ganze Sammlung von Fortis-Chronographen. Und ich finde, sie hatte da ganz recht: Es gäbe viele Firmen, die man aufkaufen und entwickeln könnte. Aber warum nicht einmal ein Engagement eingehen für etwas, das Spaß macht?

Was reizte Sie als Unternehmer an Fortis?
Schon bei meinem ersten Besuch bei Fortis konnte ich mir vorstellen, dass das etwas werden könnte. Man bekommt ja über die Jahre einen Blick für solche Dinge, sieht oft schon auf Anhieb, was wo schiefläuft, wo man ansetzen müsste. Und bei Fortis habe ich mir gleich gedacht: Das kriegst du hin. Ich habe zwar noch keine professionelle Erfahrung mit Uhren, aber das lässt sich lernen. Und ehe ich mich versah, war ich mittendrin in der Planung, habe mich wochenlang mit nichts anderem mehr beschäftigt, und am Ende habe ich mich dazu entschlossen, es zu tun. Es gab dann dieses Bieterverfahren, und weil es da für eine vernünftige wirtschaftliche Entscheidung eh schon zu spät war, wollte ich nicht pokern. Ich habe ein reelles Angebot gemacht und den Zuschlag bekommen, worüber ich sehr glücklich bin.

Sie haben sich da wahrscheinlich viel Arbeit aufgehalst ...
Mit einer einfachen Umstrukturierung und ein bisschen Betriebswirtschaft ist es bei Fortis tatsächlich nicht getan. Da gibt es definitiv viel mehr zu tun. Es ist zum Glück alles vorhanden, was man braucht: eine gute Geschichte, ein starker Markenname, eine breite Fan-Basis und ein sauberes Markenprofil, das nur an den Rändern etwas unscharf geworden ist. Gut, dass die Firma zuletzt wirtschaftlich nicht mehr so erfolgreich war, dafür gibt es auch Gründe. Aber so etwas zu analysieren und Lösungen zu finden, das war schon immer mein Job. Qualität und Service wiederaufzurichten, die Kollektion zu bereinigen, den Vertrieb neu aufzustellen, das sind klare Zielsetzungen. Spannend wird es bei der gestalterischen Ausrichtung der Produkte.

Fortis ist ja eine etablierte Marke. In welche Richtung wollen Sie sie entwickeln?
An der Identität der Marke möchte ich gar nichts ändern – wozu auch? Fortis hat eine große Fan-Gemeinde, die in letzter Zeit jedoch etwas vernachlässigt wurde. Man wollte auf mehreren Hochzeiten tanzen und hat darüber die Kernidentität vergessen. Ich habe eine klare Vorstellung von dieser Uridentität, und die will ich wieder in den Vordergrund rücken. Fortis muss nicht alle Geschmackstendenzen bedienen und auch nicht jedem gefallen, aber die Marke braucht – wieder – eine klare Richtung.

Fortis
Modernes Fluggerät: Die auf je 300 Exemplare limitierten Fortis Aeromaster zum 30. Jubiläum der Schweizer Kunstflugstaffel PC-7 TEAM

Ihr neuestes Modell ist eine limitierte Fliegeruhren-Edition für die Flugstaffel PC-7 TEAM der Schweizer Luftwaffe, zuvor haben Sie einen Official Cosmonauts Chronograph für die Marsflug-Simulation AMADEE-18 entwickelt ...
Grundsätzlich herrscht in unserem Team Konsens über ein paar Eckpfeiler: das B42-Gehäuse als Basis, eine klare Zifferblattgestaltung, hohe mechanische Präzision, maximale Zuverlässigkeit. Die Raumfahrt ist ein Fortis-Thema, die Fliegerei natürlich auch. Aber unsere Kriterien gehen über das Schubladendenken hinaus. Sehen Sie, ich habe eine große Uhrensammlung mit Modellen verschiedener Marken. Aber wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann sehe ich: Bei deiner Hochzeit hast du die Fortis getragen, bei der Geburt deines ersten Kindes hast du die Fortis getragen, beim Mountainbiken hast du die Fortis umgehabt. Irgendwie begleitet mich die Fortis-Uhr durch mein ganzes Leben. Und genau das muss eine Fortis-Uhr sein: eine Begleiterin fürs Leben.

Herr Philipp, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Peter Braun.

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