Central Impulse Chronometer «InVerto»

Sunny Side Up

Januar 2024. Ein Central Impulse Chronometer mit invertierter Werkkonstruktion sollte das Renommierstück für die Auktion «Only Watch» werden. Nach der Absage der Wohltätigkeitsveranstaltung hält das «InVerto»-Uhrwerkkonzept Einzug in die Stammkollektion der Marke, allerdings limitiert auf 18 Exemplare.
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Das neue Central Impulse Chronometer «InVerto» geizt wahrlich nicht mit seinen Reizen und stellt sie unter einem hoch gewölbten Kuppelglas wie auf einem Präsentierteller zur Schau. Diese Uhr definiert den Begriff «Schokoladenseite» auf eine neue und spektakuläre Art. Zum ersten Mal wird den technisch interessierten, wissbegierigen und detailverliebten Uhrenfreunden der Verzicht auf einen Glasboden leicht gemacht: Die Liebhaber dieser außergewöhnlichen Kreation kommen in den Genuss, die Zeit direkt vom Uhrwerk ablesen zu können.

Drei Pioniere

Breguet, Daniels, Lederer: Die drei Uhrmacher stehen für das neunzehnte, zwanzigste und einundzwanzigste Jahrhundert und haben doch eine gemeinsame Geschichte, die in einer tiefgreifenden Erforschung des Herzstücks mechanischer Uhren kulminiert: der Hemmung.

Seit über 400 Jahren steht die Hemmung im Mittelpunkt des Strebens der Uhrmacher nach Präzision und Leichtgängigkeit. Heute dominiert die Schweizer Ankerhemmung, bei der der Impuls so direkt wie möglich vom Ankerrad auf die Unruh übertragen wird.

Bernhard Lederer folgte indes der genialen Intuition von Breguet und konzentrierte sich auf eine bidirektionale Hemmung. Der große französische Uhrmacher hatte für seine Taschenuhren ein System mit zwei abwechselnd arbeitenden Hemmungsrädern entwickelt, die durch ein zusätzliches, energieaufwendiges Räderpaar verbunden waren. Breguets Innovation wurde als Échappement Naturel (Französisch für «Natürliche Hemmung») bekannt. Anderthalb Jahrhunderte später griff George Daniels das Konzept für seine Taschenuhr-Meisterwerke wieder auf, vor allem für die Space Traveller I und die Space Traveller II. Allerdings funktionierte diese Hemmung nur mit einer niedrigen Frequenz von 2 Hz (14.400 A/h), ideal für Taschenuhren, und erforderte zum Anlaufen einen sanften Stoß gegen das Uhrengehäuse.

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Historische Idee, modern zu Ende gedacht

Bernhard Lederer hatte den Ehrgeiz, das Konzept von der Taschenuhr auf das Handgelenk zu übertragen. Er begann damit, die Frequenz seiner Hemmung auf 3 Hz (21.600 A/h) zu erhöhen, die für den zuverlässigen Betrieb einer Armbanduhr geeignet ist. Entscheidender aber war, dass er eine neue Geometrie der Hemmungsräder entwickelte, die auch unter Alltagsbedingungen eine optimale Gangstbilität und Präzision gewährleistet. Lederers patentierte Erfindung positioniert die Impulsübertragung auf die Unruh entlang einer zentralen Linie, was ihm den Namen seiner Uhr einbrachte: Zentralimpuls-Chronometer.

Darüber hinaus baute Lederer einen Zwischenaufzug (Remontoir) mit konstanter Kraft in seine Hemmungskonstruktion ein. Dieser Mechanismus speichert die Federkraft vor der Hemmung und gibt sie in rhythmischen Abständen exakt und gleichmäßig dosiert an diese weiter. Das Chronometer Central Impulse verfügt über zwei solcher Remontoirs, jedes mit eigenem Räderwerk und Federhaus. Diese Kombination ist eine Premiere in der Geschichte der Uhrmacherei. Sie sorgt für eine bemerkenswerte chronometrische Präzision und außergewöhnliche Frequenzstabilität, die vom Observatorium von Besançon und der COSC (Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres) bestätigt wurde.

Alles nach vorne

Bereits Bernhard Lederers erstes Central Impulse Chronometer von 2020 begeisterte alle Liebhaber der modern umgesetzten historischen Technik, woran auch die Inszenierung der beiden Hemmungen mit ihren zwei gegenläufigen Sekundenzeigern in zwei Zifferblattöffnungen ihren Anteil gehabt haben dürfte. Nun verzichtet der Uhrmacher komplett auf ein Zifferblatt und präsentiert neben der Unruh auch noch den kompletten Aufzugsmechanismus auf der Vorderseite der «InVerto». Die Konstruktion der skelettierten Kloben und Räder trägt Bernhard Lederers Handschrift, eine faszinierende Mischung aus technischer Strenge und historischer Opulenz mit satinierten, sandgestrahlten und gebürsteten Oberflächen und zahlreichen polierten Fasen.

Die beiden Sekundenzeiger, Markenzeichen des Chronometers Central Impulse, mögen in diesem neuen Konzept zwar nicht auftauchen, um die beiden wichtigeren Zeiger von Stunden und Minuten nicht zu kompromittieren. Einen Sekundenzeiger gibt es aber dennoch, denn er ist nötig, um die COSC-Zertifizierung des Chronometers zu ermöglichen. Nur hat ihn Bernhard Lederer an die Rückseite der Uhr verbannt, wo er die alleinige Aufmerksamkeit genießt.

Team Lederers

Zusammen mit seinem Team von über 25 Mitarbeitern produziert Lederer in Saint-Blaise am Nordende des Neuenburger Sees in der Schweiz als eine der wenigen unabhängigen Uhrenmanufakturen fast alle Komponenten selbst. Diese Autonomie ermöglicht es dem Unternehmen, außergewöhnliche Uhren unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards zu fertigen. Von den traditionellen Werkbänken bis zu den hochmodernen CNC-Maschinen ist hier jedes Gewerk vertreten, das für die Herstellung einer kompletten Armbanduhr erforderlich ist, einschließlich der Herstellung der Zeiger, die von Hand gefertigt werden.

Bernhard Lederer hat einen Zeitmesser mit einer völlig neuartigen Ästhetik geschaffen. Die auf nur 18 Exemplare limitierte Serie Central Impulse Chronometer «InVerto» (Preis: 150.000 Schweizer Franken zzgl. Steuern) verkörpert das innovative Erbe der Pioniere der Haute Horlogerie, auf das Bernhard Lederer stolz ist.


Text und Fotos: Peter Braun

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