Uhren & Autos: ChopardTausend Meilen
Das Engagement der Schweizer Uhrenmanufaktur für die historische Langstreckenrallye von Brescia nach Rom und zurück ist inzwischen 36 Jahre alt.
Schwer zu glauben, dass es schon 20 Jahre her sein soll, dass Chopard die erste nach den strengen Kriterien des umfassenden Gütesiegels QF («Qualité Fleurier») getestete Uhr auf den Markt brachte. Noch schwerer zu glauben, dass die Wahl dabei ausgerechnet auf ein Modell mit dem zierlichen Mikrorotor-Automatikkaliber L.U.C 96 gefallen war, mit dem Chopard 1997 den Grundstein zur ersten Manufaktur-Kollektion gelegt hatte. Und vollends unglaubwürdig wird dieser Diskurs, weil man der neuen Editionsuhr die 20 Jahre nicht ansieht, obwohl es sich im Grunde um eine sehr detailgetreue Replica der L.U.C QF von 2005 handelt.
Die L.U.C QF von 2005 war von einer Chopard-Armbanduhr aus den 1950er Jahren inspiriert, die dank ihres Sektor-Zifferblatts mit dunkel abgesetztem Stundenkreis mit hervorragender Ablesbarkeit auch bei schlechten Lichtverhältnissen punktete. Diesen Kniff kannten die Uhrmacher bereits in den 1920er Jahren, doch das typische Art-déco-Element geriet in den 1960er Jahren in Vergessenheit.
Das neue Modell der L.U.C, eine auf 20 Exemplare limitierte Sonderserie, hat ein Gehäuse aus verantwortungsvoll geschürftem und fair gehandeltem Gelbgold, dessen Proportionen in 20 Jahren nur leicht verändert wurden. Mit 39 mm Durchmesser und weniger als 9 mm Höhe wirkt die Uhr noch immer recht zierlich, doch mehr Gehäusevolumen würde das elegant ausgestattete Zifferblatt mit Keilindexen und spritzenförmigen Batonzeigern zu sehr unter Druck setzen.
Die Kleine Sekunde ist ein Erkennungsmerkmal des Chopard-Manufakturwerks, das mit zwei Federhäusern und Mikrorotor-Automatikaufzug bis zu 65 Stunden Gangreserve bietet. Das aktuell verwendete Kaliber L.U.C 96.09-L basiert auf dem inzwischen fast 30 Jahre alten Kaliber 96.01-L. Dass es in der Editionsuhr so überaus fein veredelt und dekoriert ist, ist keine Kunst um der Kunst willen, sondern eine der Anforderungen des Gütesiegels «Qualité Fleurier», womit wir schon mitten im Thema sind.
Die Kriterien für eine Zertifizierung wurden vor über 20 Jahren von Chopard-Vizepräsident Karl-Friedrich Scheufele und dem Meisteruhrmacher Michel Parmigiani skizziert und von der kurz darauf gegründeten Stiftung Fondation Qualité Fleurier festgelegt. Sie ist benannt nach der größten Stadt im Jura-Uhrental Val de Travers, wo Michel Parmigianis Uhrenmarke beheimatet ist. Auch die beiden lokalen Größen Bovet (Uhrenmanufaktur) und Vaucher (Uhrwerke-Produzent) beteiligten sich an dem Projekt einer umfassenden Prüfung und Zertifizierung von Uhren der Haute Horlogerie. Dabei sollte es sowohl um technische als auch um ästhetische Qualität gehen, dazu auch um Stoßfestigkeit, Ganggenauigkeit und Langlebigkeit.
Dass der Kriterienkatalog so umfangreich werden würde, mag den Initiatoren gar nicht so bewusst gewesen sein. Aber die strengen Anforderungen hielten den Interessentenkreis klein, und dass sich heute eigentlich nur noch Chopard zum Fleurier-Siegel bekennt, spricht für die hervorragende Fertigungsqualität der Manufaktur – und zeugt von großem Selbstvertrauen. Heute ist Chopard die einzige Uhrenmanufaktur, die einen Sitz im Vorstand der Stiftung innehat und als zertifizierende Instanz für das exklusive und anspruchsvolle Qualitätssiegel «QF» fungiert.
Text: Peter Braun