PRAXISTEST: Armbänder mit System

Bändchen wechsel’ Dich

Leicht, schnell und ohne Werkzeug auswechselbare Armbänder erheben jede Uhr im Handumdrehen in den Rang eines modischen Accessoires: morgens auf dem Fahrrad mit dem robusten Gliederband zur Arbeit, das auf dem Weg zum festlichen Abendessen oder Business-Dinner rasch gegen ein elegantes schwarzes Lederband ausgetauscht wird. Verlockend: Aus einer Uhr mach zwei – oder drei, wie Vacheron Constantin es bereits vor zwei Jahren mit der facegelifteten Overseas vorschlug und seither jede Uhr mit Leder-, Kautschuk- und Gliederband ausliefert.

Die Hublot Big Bang ist seit fünf Jahren mit einem Schnellwechselsystem ausgestattet, und inzwischen haben viele Marken nachgezogen. Vor allem bei Modellen, die von Haus aus mit sehr speziellen Bandanstößen ausgestattet sind, an die kein herkömmliches Armband aus dem Zubehörhandel passt. Als Kunde ist man daher ohnehin an teure Original-Ersatzbänder gebunden, was sicher nicht jeden erfreut. Was die teilweise recht happigen Preise für Austauschbänder indes leichter verdauen lässt, sind intelligente und gut zu bedienende Wechselsysteme. Und nicht wenige Uhrenmarken liefern derart ausgestattete Uhren mit zwei Bändern aus – oder mit drei, wie gesagt.

Im Grunde eine feine Sache

Eines vorweg: Man mag zwar kein Werkzeug benötigen, aber ganz ohne Fingernägel geht es nicht. Die verschiedenen Schnellwechselsysteme der Uhrenfirmen setzen zumeist auf Drucktasten oder Schieberiegel, die natürlich nicht allzu weit aus den Flächen der Bandenden oder Bandanstöße herausragen dürfen – aus Gründen der Ästhetik und des Tragekomforts. In ihren Details sind die Systeme individuell ausgeführt, und auch in der Handhabung gibt es Unterschiede. Die hier gezeigte Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – vergleichbare Modelle von Panerai oder Roger Dubuis schafften es zum Beispiel lediglich nicht zum Fototermin. Aber in Ausführung und Funktion unterscheiden sie sich nicht grundlegend von unseren Mustern.

Hublot

… liefert bei der Big Bang Unico eines der ältesten Schnellwechselsysteme, dessen große Entriegelungstaster als gestalterische Merkmale prominent an der Vorderseite der Uhr positioniert sind. Durch ihre relativ große Fläche lassen sie sich mit geringem Druck bedienen und geben einen hakenförmigen Verschluss frei, der eine speziell geformte Lasche am Bandende sicher im Gehäuse arretiert. Mit 18.600 Euro ist die Big Bang Unico in Titan nicht gerade ein Sonderangebot. Und die in verschiedenen Materialien und Farben erhältlichen Originalbänder sind leider ebenso teuer wie alternativlos: 445 Euro kostet zum Beispiel ein schwarzes Kautschukband, 560 Euro ein nachträglich gekauftes Kalbslederband.

Vacheron Constantin

… hat mit der neuen Overseas bzw. mit dem dort erstmals verwirklichten Bandwechselsystem vor zwei Jahren einen hohen Standard gesetzt. Die Bandenden sind mit schmalen Haken bewehrt, die in fest montierte Stangen zwischen breiten Bandhörnern eingreifen. Die Entriegelung über eine kurze Lasche ist etwas fummelig und erfordert recht viel Kraft (sowie kräftige Fingernägel), aber die Positionierung der Bänder am Gehäuse wirkt überaus vertrauenerweckend. Die Overseas kostet über 20.000 Euro in Edelstahl, doch dafür gibt es neben einem sehr gut verarbeiteten Gliederband auch noch ein echtes Alligatorlederband im Wert von 660 Euro und ein hochwertiges Kautschukband für 350 Euro – die sich allerdings die Doppelfaltschließe teilen müssen. Das geht aber kinderleicht, denn die sehr sauber verarbeiteten Befestigungselemente greifen satt und spielfrei ineinander. Die tropfenförmigen Pins werden einfach in die tropfenförmigen Öffnungen gesteckt und um 180 Grad verdreht – fertig!

Cartier

… überraschte uns auf dem SIHH im Januar 2018 nicht nur mit einer runderneuerten Santos in verschiedenen Größen, sondern auch mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis, das man der Luxusmarke überhaupt nicht zugetraut hätte. Mit ungläubigem Staunen nahmen wir zur Kenntnis, dass in den 5950 Euro für die große Santos in Edelstahl mit Automatikwerk gleich zwei Armbänder enthalten sind – ein handschuhweiches Kalbslederband und ein anschmiegsames, feingliedriges Metallband. Eine mit dem Daumennagel zu drückende Kunststofftaste direkt am Bandanstoß entriegelt die beiden Enden eines solide dimensionierten Federsteges. Die Passform des «QuickSwitch»-Bandanstoßes ist ganz hervorragend, und dank der sauberen Positionierung rasten die seitlichen Pins sauber und sicher ein. Einen besonderen Clou hält übrigens das Gliederband bereit. Dieses lässt sich nämlich ebenfalls ohne Werkzeug kürzen – durch Gliederstifte, die bei gezieltem Eindrücken mit einem Zahnstocher o. Ä. erst nachgeben und dann federnd aus ihrer Bohrung hüpfen. Mit spitzen Fingernägeln sind sie leicht zu entfernen, woraufhin sich einzelne Bandglieder entnehmen lassen.

Porsche Design

… verwendet ein ganz ähnliches System beim Erfolgsmodell Chronotimer, das sich aufgrund der sich sehr passgenau zwischen die Gehäusehörner schmiegenden Bandanstöße förmlich «aus einem Guss» präsentiert. Die Entriegelung der seitlichen Stegspitzen gelingt mit relativ geringem Druck auf den Taster mühelos, doch ein fehlender Anschlag (wie z. B. bei der Cartier Santos vorhanden) erschwert die exakte Positionierung, die zum sicheren Einrasten der Pins im Gehäuse nötig ist. Die Porsche Design Chronotimer Flyback Special Edition kostet 6250 Euro. Ein einzelnes Kalbslederband mit Systemanstoß ist für 185 Euro erhältlich.

Sinn

… hat für den Einsatzzeitmesser 12 ein ganz spezielles Schnellwechselsystem entwickelt, denn das fliegende medizinische Rettungspersonal stellt nicht nur besondere Anforderungen an die Funktionen eines Zeitmessers – z. B. Pulsmessung –, sondern auch an die Hygiene des Arbeitsgeräts. Um die Uhr nach einem schmutzigen Einsatz rasch wieder sauber und steril zu bekommen, lässt sich der sogenannte «Uhrenkopf» in Windeseile vom Band trennen und reinigen: Die Silikonbandhälften werden einfach an den Fixstegen eingehakt. Ersatz gibt es für 250 Euro in Schwarz oder Orange, der komplette EZM 12 kostet 3260 Euro.

Maurice Lacroix

… nennt das mit der neuen Aikon Automatic vorgestellte System «QuickChange». Lederbänder und Gliederband verfügen über Federstege, die über zwei an der Bandunterseite herausragende Riegelköpfe bewegt werden können. Die Anschlüsse passen sehr genau – und das müssen sie auch, denn die Pins sind sehr klein, also kurz und dünn, und greifen nicht sehr tief in die Bohrungen in den Gehäusehörnern ein. Die Bedienung ist sehr einfach – wenn man kräftige Fingernägel hat. Tipp: Über zwei seitlich parallel geführte Zahnstocher kann man auch mit weichen Fingerkuppen viel Kraft auf die Riegelchen ausüben. Die Maurice Lacroix Aikon Automatic kostet in Edelstahl 1590 Euro (mit Lederband) bzw. 1690 Euro (mit Gliederband). Ein zusätzliches Kalbslederband mit Krokoprägung (blau oder schwarz) ist für 120 Euro erhältlich.

Text: Peter Braun
Bilder: Martin Häußermann

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