Most Wanted: 50 Jahre IWC Ingenieur SL

Form folgt Funktion

September 2026. Es gibt eine Konstante in der Kollektion von IWC: Mit der Vorstellung der Referenz 666 als erste «Ingenieur» im Jahr 1955 begann eine Geschichte, die bis heute ohne Unterbrechung fortgeführt wurde. Denn seither ist die Linie Ingenieur bei IWC durchgehend präsent.
IWC Ingenieur

In den Anfangsjahren bewies die Uhr mit ihrem Magnetfeldschutz vor allem die technische Kompetenz des Uhrenherstellers. Dazu hatte IWC einen Weicheisenkäfig konstruiert, der das Uhrwerk in dem dreiteiligen, 37 Millimeter großen Edelstahlgehäuse nach außen abschirmte.

Die erste Ingenieur kam in zwei Varianten – mit oder ohne Datumsanzeige – und wurde von dem ersten von IWC selbst entwickelten Automatikwerk, dem Kaliber 8531, angetrieben. 1976, vor genau 50 Jahren, erfolgte dann so etwas wie eine Neuerfindung der Ingenieur: IWC beauftragte Uhrendesigner Gérald Genta mit dem Update der Uhr, die mit der Referenznummer 1832 als «Ingenieur SL» – der Zusatz steht für «Steel Line» – mit silberfarbenem oder wahlweise auch schwarzem Zifferblatt auf den Markt kam. Das Design trägt die bekannte Handschrift seines Schöpfers: Aus der klassisch runden Uhr wurde ein Zeitmesser mit 40 Millimeter großem kissenförmigem Gehäuse, schachbrettartig gemustertem Zifferblatt und integriertem Armband mit H-förmigen Gliedern. Auf dem Zifferblatt war übrigens das Ingenieur-Logo mit einem stilisierten Blitz wiederzufinden. Das Format bescherte dem Modell den Spitznamen «Jumbo».

Die Lünette im Bullaugendesign wurde verschraubt und erhielt fünf Vertiefungen für einen Hakenschlüssel. Diese Vertiefungen standen bei jeder Uhr anders, je nachdem, wie fest die Schraubverbindung angezogen wurde. Das trug zur unkonventionellen Ästhetik der Uhr bei. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Kollektion weiter: 1977 folgte die Referenz 3033 mit Quarzwerk und 1983 die Referenz 3505 01 Ingenieur Automatic SL mit flacherem Gehäuse.

1985 gab es das Modell erstmals in Titan und 1989 als Ingenieur 500.000 A/m (Referenz 3508) ohne Weicheisen-Innengehäuse, die mit der im Namen festgehaltenen Magnetfeldresistenz einen damaligen Weltrekord aufstellte. 2005 kam eine neue Generation der Ingenieur (Referenz 3227) mit den IWC Manufakturkalibern 80110 (mit Weicheisen-Innengehäuse) und 80111 (ohne Magnetfeldabschirmung) auf den Markt.

2013 wurde die Kollektion im Zuge der Kooperation mit dem Formel-1-Team Mercedes AMG Petronas komplett überarbeitet, und 2017 rückte noch einmal die erste Ingenieur von 1955 ins Blickfeld und inspirierte das Design neuer Ingenieur-Modelle.

IWC Ingenieur

Seit 2023 geht es wieder um das Design von Gérald Genta. Das Modell von 1976 wurde als Ingenieur Automatic 40 neu aufgelegt und erfuhr eine gründliche Überarbeitung, wie IWC-Chefdesigner Christian Knoop anlässlich der Premiere berichtete: «Wir haben uns viele Jahre Zeit genommen, um das Gehäuse in seinen Proportionen zu verfeinern. Der sichtbarste Unterschied ist jedoch, dass wir echte polygonale Schrauben einsetzen, die sich nun immer am gleichen Platz befinden.» Denn diese Positionierung war bei der historischen Ingenieur SL zufällig, «was mich als Perfektionist immer gestört hat», so Knoop weiter. Nun sitzen fünf Sechskant- Schraubenköpfe achsensymmetrisch «gerade» auf der Lünette, denn sie wird von hinten durch das Gehäuse festgeschraubt.

Dieses aktualisierte Design wird fortgeführt: 2026 erweitert IWC die Ingenieur um neue Gehäusegrößen – 35 Millimeter, 41 Millimeter für Komplikationen (ein Ewiger Kalender in Titan) und 42 Millimeter mit neuen Materialien, unter anderem auch mit Gehäuse aus Keramik.

Zum 50. Jubiläum erscheinen außerdem zwei limitierte Versionen der aktuellen Ingenieur mit silberfarben galvanisierten Zifferblättern, die ihrerseits von einem seltenen historischen Modell der Ingenieur SL inspiriert sind. Auf das Jubiläum wird durch eine «50» unter dem Ingenieur Logo zusätzlich hingewiesen.

Unterschiede sind die Ausführung mit Massivboden mit innenliegendem Weicheisenkäfig zur Abschirmung gegenüber Magnetfeldern oder einem Sichtboden aus Saphirglas unter dem sich das IWC-Kaliber 47110 (Basis: Cartier 1847 MC, produziert von Val Fleurier) einsehen lässt. Dieses Modell ist allerdings mit einem Durchmesser von 35 mm kleiner als die Variante mit Massivboden, die 40 mm misst und das IWC-Manufakturkaliber 32111 verwendet.

Nicht nur diese Weiterentwicklung beweist die Klasse des Gérald-Genta-Designs: Die bis zu 50 Jahre alten Originale – bis Anfang der 1980er Jahre wurden knapp 600 Exemplare gefertigt – sind heute so hoch bewertet wie nie zuvor. Die Preise der historischen Uhren haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Sie kosten derzeit ab 20.000 Euro, während die Neuauflage Ingenieur Automatic 40 von IWC aktuell für 12.900 Euro angeboten wird. Die jeweils auf 1150 Exemplare limitierten Jubiläumsmodelle kosten 14.600 bzw. 12.700 Euro.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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