Moritz Grossmann Universalzeit

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Februar 2022. Ende des 19. Jahrhunderts stand die Menschheit vor großen Veränderungen. Erfindungen wie die Eisenbahn und die Telegrafie sowie die aufkommende Industrialisierung machten die Bürger mobil. Die Welt rückte näher zusammen, das Leben wurde schneller.

Über lange Zeit hatten sich die Menschen in ihrer zeitlichen Wahrnehmung am Lauf der Sonne von Osten nach Westen orientiert. Mittag war, wenn die Sonne am höchsten stand. Und so verfügte jede Stadt über ihre eigene Ortszeit. Reiste ein Geschäftsmann in den 1880er Jahren von Mannheim nach Dresden, musste er bei seiner Ankunft die Uhr um zwanzig Minuten vorstellen. 1884 unterteilte der kanadische Eisenbahningenieur Sandford Fleming die Erde in 24 Sektoren von je 15° Winkelgraden, innerhalb derer jeweils die gleiche Uhrzeit galt. Die Sternwarte in Greenwich diente als Nullmeridian und bildete den Referenzlängengrad Greenwich Mean Time (GMT). Mannheim und Dresden lagen fortan in derselben «Zeitzone» – das Problem des Handlungsreisenden war gelöst. Aber was war mit Sankt Petersburg? New York? San Francisco?

Moritz Grossmann Universalzeit

Zeitzonen- und Weltzeituhren

Die übersichtliche Darstellung zweier oder mehrerer Ortszeiten auf dem Zifferblatt beschäftigt die Hersteller von Armbanduhren schon seit geraumer Zeit, und bis heute streiten sich die Geister darüber, wem die Anzeige nützen soll – dem Reisenden oder dem Daheimbleibenden?

Die klassische Weltzeitanzeige geht auf eine Konstruktion von Louis Cottier zurück, der in den 1930er Jahren einen gegen den Uhrzeigersinn rotierenden 24-Stunden-Mechanismus entwickelte und ihm einen Skalenring mit den Namen der Zeitzonen-Referenzstädte gegenüberstellte. Zum Ablesen braucht es etwas Übung und Phantasie, denn die Lokalzeit am fernen Ort ist recht klein dargestellt. Aber die Funktion stammt auch noch aus einer Zeit, als man die Geschäftswelt vornehmlich vom Schreibtisch aus per Telefon bereiste.

Die andere Kategorie der Zeitzonenuhr wird durch die Rolex GMT-Master oder die Patek Philippe Travel Time repräsentiert, bei denen sich der Haupt-Stundenzeiger per Krone oder Drücker in Stundenschritten fortschalten lässt, ohne dass die Minute verloren geht. Hier dient oft eine zusätzliche 24-Stunden-Anzeige dazu, die Heimatzeit zu konservieren – ideal für Reisende, die am Zielort schnell und unkompliziert die neue Lokalzeit einstellen wollen.

Phoenix, Rio, Kapstadt, Dubai, Singapur und Tokio sind eher ausgefallene Beispiele für die Referenzstädte der Zeitzonen.

Aus Weltzeit wird Universalzeit

Die neue Universalzeit von Moritz Grossmann verbindet das Beste aus beiden Welten und hebt die praktische Funktionalität auf ein neues Niveau. Zum Einen bietet sie dem Vielreisenden die Schnellverstellung des Stundenzeigers über eine Krone bei der «10», die in Wirklichkeit ein Drücker ist. Zum Anderen informieren Fensteranzeigen auf der Weltkarte im Zifferblatt den Betrachter über die aktuellen Ortszeiten an sechs Orten auf dem Globus. Unter dem Zifferblatt rotiert eine entsprechend bedruckte Ziffernscheibe, deren Positionen mit den Anzeigefenstern im Zifferblatt korrespondieren. Die im 24-Stunden-Format gehaltenen Stundenanzeigen springen synchron zur vollen Stunde um eine Digitale weiter.

Zur Grundeinstellung der Uhr muss der Träger nur eine der fremden Lokalzeiten kennen und einmal das Zeigerspiel mit der Krone auf die Heimatzeit einstellen – die zeitlichen Abstände der fünf anderen Ortszeiten sind ja vorgegeben. Das Verstellen der Hauptzeiger über den kronenförmigen Drücker bei der «10» – wahlweise vor oder zurück – hat keinen Einfluss auf die sechs Lokalzeiten, die sich ja auch in Wirklichkeit nicht verändern, nur weil man irgendwo auf der Welt aus einem Flugzeug steigt und rasch die neue Ortszeit einstellen will. In ihrer Mittelstellung ist die Drückerkrone übrigens blockiert und gegen unabsichtliches Verstellen gesichert.

Moritz Grossmann Kaliber 100.7, eine klassische Pfeilerkonstruktion mit der typischen Glashütter Zweidrittelplatine.

Feine Uhrmacherkunst aus Glashütte

Das Kaliber 100.7 basiert auf dem klassischen Handaufzug-Pfeilerwerk der Manufaktur, dessen markante «Zweidrittelplatine» eine ästhetische Verneigung vor der Glashütter Uhrmacherkunst zu Zeiten eines Moritz Grossmann darstellt.

Neben der durchdachten Konstruktion fasziniert die aufwendige Veredelung aller Komponenten von Hand. Das florale Muster auf Unruh- und Ankerradkloben ist ebenso wie die Schrift auf der Räderbrücke von Hand graviert. Oberflächen anderer Teile sind mit traditionellen Schliffen oder Polituren versehen, und vollendete Handwerkskunst zeigt sich außerdem am Sperrrad mit seinem dreifach gestuften Sonnenschliff, welcher von einer breiten hochglänzend polierten Fase eingefasst ist.

Der Drücker bei der «4» hat übrigens nichts mit der Verstellung der Lokalzeiten zu tun. Hierbei handelt es sich vielmehr um eine Exklusivität der Kaliberfamilie 100, die die Funktion der Aufzugskrone kontrolliert: Nach dem Einstellen der Zeiger über die gezogene Krone wird das angehaltene Uhrwerk durch Betätigen des Drückers wieder gestartet und die Verbindung der Kronenwelle zur Zeigerstellung gekappt.

Das Edelstahlgehäuse der Moritz Grossmann Universalzeit hat einen Durchmesser von 44,5 mm und wird am Alligatorlederband getragen. Die Uhr kostet zur Markteinführung 49.980 Euro. Im Gespräch ist eine personalisierte Ausführung, bei der der Kunde – im Rahmen der technischen Möglichkeiten – sich seine sechs Referenzstädte selbst zusammenstellen kann. Das wäre dann ein echter Quantensprung in der Individualisierung.

Text: Peter Braun

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Moritz Grossmann: Tremblage


Moritz Grossmann Zentralsekunde

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