Juli 2026: Universal Genève

Schneider der Uhrenwelt

Ihren ersten Auftritt hatte die frisch aus dem Korsett ihrer verschiedenen Vorbesitzer befreite Traditionsmarke Universal Genève im April 2026 in ihrer Heimatstadt, pünktlich in dem Moment, in dem die ganze Welt nach Genf schaute, im Umfeld der Watches and Wonders. Mastermind Georges Kern hatte (wohl zum letzten Mal) auf eine Teilnahme an der bedeutenden Weltmesse verzichtet und die Neuheiten von Breitling, Fundament seiner Holding «House of Brands», ganz hemdsärmelig in einem alten Kino in der Genfer Altstadt präsentiert. Das gesparte Geld investierte er in die glamouröse Präsentation seiner neuen Prestigemarke Universal Genève im HEAD, der Genfer Hochschule für Gestaltung, einen Tag vor Messebeginn. Er konnte sich der Aufmerksamkeit des bereits angereisten internationalen Fachpublikums und der brancheninternen Prominenz gewiss sein ...

EINE KOMPLETTE KOLLEKTION

Universal geneve
In der Linie Couture sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Technik ist immer hausgemacht

Erst im vergangenen Jahr waren die ersten Skizzen der neuen Uhren von Universal Genève einem handverlesenen Publikum präsentiert worden, das im Gegenzug versprechen musste, kein Sterbenswörtchen über das Gesehene zu verlieren. Und nur ein Jahr später waren die Vorlagentische mit kompletten Uhren bestückt, die meisten in augenscheinlich serienfertigem Zustand, auch die verschwenderisch ausgestatteten Schmuckuhren, obwohl diese kaum jemals in größeren Stückzahlen produziert werden dürften.

Kaliber UG-110 für die Polerouter.

Diese rasante Entwicklung verdankt die Marke Universal Genève einem Mann: Grégory Bruttin hat sich in den letzten zwanzig Jahren als Uhrmacher, Konstruktions- und Produktchef bei Roger Dubuis einen Namen gemacht und in dieser Zeit über dreißig neue, zumeist überaus komplizierte Uhrwerke konstruiert und produziert. Die Aufgabe, die legendären Mikrorotor-Kaliber von Universal Genève zu modernisieren und zeitgemäß auszustatten, dürfte ihm nicht schwergefallen sein, zumal er auf die Fertigungskapazitäten der Konzern-Schwester Breitling Manufacture zurückgreifen kann.

Die Herausforderung bestand wohl eher in der Wiederbelebung und Verjüngung der extrem profilierten Modellfamilien, nicht nur der Luxus-Toolwatch Polerouter und der archetypischen Compax-Chronographen, sondern auch der erfolgreichen Damenuhren und der aufwendigen Einzelstücke im Schmuckbereich, die der Manufaktur einst den bewundernden Beinamen «Le Couturier de la Montre» eintrugen, Schneider der Uhrenwelt.

SORTIMENT NACH BEGRIFFEN AUS DER MODE

Zwischen Haute Couture und Haute Horlogerie: Universal Genève Cabriolet.

Die Struktur der Universal-Genève-Kollektion orientiert sich dann auch an Begriffen und Mustern der Mode und unterscheidet vier Kategorien. Unter dem Label Prêt-à-porter sind die mit viel Fingerspitzengefühl aufgefrischten Klassiker zusammengefasst, die in unlimitierter Auflage die Ikonen aus der Modellgeschichte zu neuem Leben erwecken. Die 1954 präsentierte Polerouter war der erste Erfolg für den jungen Designer Gérald Genta, der in den Jahrzehnten danach Karriere machen sollte. Doch nicht nur ihr ebenso elegantes wie praxistaugliches Design als elegante «Tool Watch» sichert ihr einen hohen Sammlerwert, sondern auch das in ihrem Gehäuse erstmals verbaute Universal-Automatikwerk mit Mikrorotor («Microtor») genießt bis heute hohes Ansehen.

Chronographenkaliber UG-200 für den Compax.
Gleiches gilt für die Compax-Familie, die ihre Ursprünge in den 1930er Jahren hat und als eine der ersten Chronographen mit Stundenzähler – also einem dritten Totalisatorfeld auf dem Zifferblatt – Designgeschichte schrieb. Und natürlich auch für die Wendeuhr Cabriolet aus den 1930er Jahren, die heute mit einem neuen Handaufzugswerk aufwarten kann. Alle drei Ikonen gibt es auch in sogenannten Capsule Editions, limitierten und zum Teil auch nur saisonal erhältlichen Variationen mit speziellen Zifferblättern (bspw. Polerouter mit Tigerauge oder Lapislazuli).

In der Linie Couture entstehen besondere Kreationen in Zusammenarbeit mit herausragenden Kunsthandwerkern – Steinsetzer, Graveure, Miniaturmaler –, oft als Einzelstücke von hohem Wert. Unter dem Label Signature werden in unregelmäßigen Abständen und zeitlich begrenzt streng limitierte Neuauflagen klassischer Modelle von Universal Genève angeboten, wie zum Beispiel die Dioramic, die 1956 mit einem Datumsfenster außerhalb des Zifferblatts in ihrer überbreiten Lünette überraschte, oder der Disco Volante («Fliegende Untertasse») genannte Chronograph. Der Verkauf der ersten Modelle soll noch im Sommer 2026 in eigenen Boutiquen und bei ausgewählten Konzessionären anlaufen. Preislich werden bereits die Prêt-à-porter-Versionen von Universal Genève deutlich über dem Breitling-Niveau liegen.

Text: Peter Braun

Das Kalenderblatt für Juli können Sie hier herunterladen.

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