Georges Kern, Breitling

Was ändert sich bei Breitling?

Der neue Breitling-Chef Georges Kern will die Fliegeruhrenmarke komplett umkrempeln und die Modellpalette in den nächsten drei Jahren neu aufstellen. Kann das gelingen? Und wollen das die Breitling-Fans überhaupt?
Georges Kern, CEO von Breitling

Im vergangenen Sommer verließ Georges Kern die Richemont-Gruppe, wo er lange Zeit CEO von IWC gewesen ist, um als neuer Chef und Anteilseigner zu Breitling zu gehen. Die Marke könne zu seinem «Meisterstück» oder zum «Ende seiner Unfehlbarkeit» werden, wie die Schweizer Handelszeitung vermerkte. In welche Richtung es geht, wird sich zeigen. Dass Kern jedoch viel umkrempeln will, offenbarte sich schnell. Er kündigte nicht nur dem Deutschland-Vertrieb Trautmann den jahrzehntealten Vertrag, sondern baut das Unternehmen auch personell kräftig um. 

 

Herr Kern, man hat Sie lange stark mit einer anderen Marke identifiziert. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, sich auf Breitling einzulassen?

Es ist emotional nicht einfach und hat eine Weile gedauert. Aber sobald man sich mit einer neuen Marke und dem Unternehmen beschäftigt und Ideen einbringt, Teams zusammenstellt, Projekte anschiebt und Produkte entwickelt – dann ist man mittendrin. Es ist kein Problem, sich in eine neue Marke hineinzudenken. Zuletzt war ich mit sehr vielen verschiedenen Marken konfrontiert und habe vieles gesehen, an Fehlern sowie an guten Entscheidungen. Erfahrung ist hilfreich, und ich habe ein sehr erfahrenes Team. Deshalb sind wir auch bereits so schnell vorangekommen. Alle neuen Produkte, die Sie nun sehen, sind innerhalb von ein paar Monaten entstanden.

 

Was haben Sie bei Breitling vorgefunden und was wollen Sie dort schaffen?

Ich habe ein überaus erfolgreiches Unternehmen vorgefunden, das sehr profitabel ist mit starken Märkten wie den USA, UK, Japan und vielen europäischen Ländern. Ich habe ein sehr motiviertes Team angetroffen, eine beeindruckende moderne Manufaktur sowie eine faszinierende Geschichte mit wunderschönen historischen Produkten. Vieles aus der Vergangenheit wurde vergessen oder nicht mehr vermittelt. Eine weniger positive Feststellung war, dass wir in China kaum präsent sind. Das liegt nicht nur an der Ergonomie und Größe der Produkte, sondern auch am Image der Marke. Die Verbindung zur Fliegerei, die bei Breitling stark im Mittelpunkt steht, wird dort nicht so positiv und romantisierend aufgenommen wie bei uns.

 

Wird sich das dann ändern? Wird das Thema Fliegen für Breitling an Bedeutung verlieren?

Nein – das ist ein zentraler Bestandteil unserer Legitimation und Identität. Es wäre dumm, das aufzugeben. Bei Fliegeruhren hat Breitling den größten Ausweis und die stärkste historische Verankerung. Daher stellen wir nun mit der Navitimer 8 eine neue Variante dieser Uhr in Anlehnung an den Ursprung der Bord- und Fliegeruhren von Breitling vor. Ich habe mich mit vielen Sammlern getroffen und historische Modelle begutachtet. Das hat mich noch mehr von der Marke überzeugt, denn sie hat eine breite Basis. In der Geschichte von Breitling finden sich große, auffällige Pilotenuhren ebenso wie klassische Taucheruhren und elegante Modelle, die in den 1950er Jahren gefertigt wurden. Darauf können wir aufbauen. Gleichzeitig müssen wir die Marke zeitgemäßer und verständlicher machen, das Produktportfolio klarer strukturieren und die Produkte in emotionale Welten einbinden. Auch die Unterscheidung von Manufaktur und Nicht-Manufaktur muss über Designsprache ersichtlich sein.

 

Heißt dies, dass Sie an den eigenen Manufakturwerken von Breitling festhalten werden?

Unbedingt. Neben zugekauften Werken und der Zusammenarbeit mit Tudor wollen wir unser Chronographenkaliber B01 weiter ausbauen. Immerhin hat Breitling zu diesem Thema alles erfunden, was es gibt. Das ist die Herkunft der Marke.

 

Zu dieser gehört in erster Linie der Navitimer. Aber bei den neuesten Modellen vermissen viele Fans die Rechenschieberlünette. Wo ist sie?

Wir beziehen uns mit der neuen Navitimer 8 auf den Ursprung der Fliegeruhren von Breitling und damit auf die historischen Bord- und Pilotenuhren der 1930er und1940er Jahre. Wir haben ganz bewusst auf Elemente späterer Fliegeruhren verzichtet. In den sozialen Medien haben 95 Prozent der Nutzer die Neuheiten positiv aufgenommen, zumal die Modelle klassischer, kleiner und tragbarer sind. Natürlich gibt es die besonders treuen Kunden, die das weniger gut finden. Das respektieren wir natürlich. Für sie bleibt der bekannte Navitimer bestehen – auch beim Navitimer 1 wird es viele interessante Neuheiten geben. Wir wollen das Bestehende belassen oder verbessern.

 

Herr Kern, vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Iris Wimmer-Olbort.

 

 

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