Niels Eggerding, Frederique Constant

ERFOLGSSTORY WEITERSCHREIBEN

Herr Eggerding, welche Uhr von Frederique Constant tragen Sie am liebsten?
Da gibt es natürlich mehrere. Heute trage ich einen meiner Favoriten, den Flyback-Chronographen, den wir 2017 vorgestellt haben. Bei dieser Uhr war ich auch in Bezug auf Gestaltungsfragen mit einbezogen. Mein zweiter Favorit ist ganz sicher der World-Timer, schließlich bin ich viel auf Reisen, da ist diese Uhr ungemein praktisch. Außerdem ist es einfach eine wunderschöne Uhr.

Sind Sie ein Uhrenfan oder gar ein -sammler?
Ein Fan bin ich ganz sicher – und auch ein Uhrenkenner. Als Sammler würde ich mich nicht bezeichnen, auch wenn ich außer unseren eigenen Produkten auch noch Uhren anderer Marken besitze.

Zum Beispiel?
Nun, ich besitze eine Omega, schließlich habe ich auch schon bei der Swatch Group gearbeitet, dazu eine Panerai, weil ich ihr ikonisches Design mag, und schließlich noch eine Rolex. Aber das war es dann.

Warum arbeiten Sie in der Uhrenbranche, was fasziniert Sie daran?
Diese Entscheidung habe ich ja schon vor gut 20 Jahren getroffen. Da habe ich ein Praktikum bei einem holländischen Uhrenhändler gemacht, der zufällig auch Frederique Constant führte. Da habe ich mich regelrecht in dieses Thema verliebt. Und nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, suchte ich mir auch dort einen Job. So arbeitete ich elf Jahre für die Swatch Group, bevor ich Peter Stas kennenlernte und begann, mich für diese Marke zu interessieren.

Wie und wo sind Sie Peter Stas denn zum ersten Mal begegnet?
Das war auf der BASELWORLD. Ich arbeitete damals für Longines, kam aus dem Stand heraus und sah Peter dort stehen. Ich sagte zu ihm: «Hey, Sie sollten hier aber nicht spionieren!» Ich sprach ihn auf Holländisch an, da war er ganz irritiert (lacht). Daraus wurde eine sehr angenehme Unterhaltung, wir haben bestimmt 20 Minuten miteinander gesprochen. Eine Woche später rief er mich an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, nach Genf zu kommen und für ihn zu arbeiten. Dann gab es ein paar Gespräche zwischen uns, und schließlich entschieden meine Frau und ich, nach Genf zu ziehen.

Zuletzt waren Sie verantwortlich für den Vertrieb, nun sind Sie General Manager und verantwortlich für das komplette operative Geschäft. Was hat sich alles für Sie verändert?
Richtig, ich war verantwortlich für den weltweiten Vertrieb. Da bekommt man einen ausgezeichneten Einblick in das, was die Märkte wollen, was unsere Vertriebspartner wollen, was aber auch die Endkunden wollen. Da lernt man Kundenorientierung. Und als Peter sich vor zwei Jahren entschloss, von Genf wieder zurück nach Holland zu ziehen, bekam ich schon deutlich mehr Verantwortung für die Organisation der Firma übertragen. Das hat gut geklappt, das übrige Management-Team kam auch gut mit mir klar. Das bestätigte Peter in seiner Entscheidung, mich zum Managing Director vorzuschlagen. Schließlich vertrete ich dieselben Werte wie er und kann so seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Offiziell übernahm ich die Position Anfang des Jahres, doch inhaltlich hat sich in meiner Arbeit nicht mehr so viel geändert, weil ich viele Aufgaben ja schon vorher in Peters Auftrag ausgeführt hatte. Mir macht das Spaß, ich übernehme gerne Verantwortung, es ist eine riesige Herausforderung.

Was ist derzeit die größte Herausforderung?
Wir wollen wachsen, also muss ich die Entwicklungskapazitäten, aber auch die Produktionskapazitäten deutlich erhöhen. Wir wollen bis in drei Jahren 250.000 Uhren pro Jahr herstellen. Das ist unser Ziel, auch wenn wir uns noch nicht sicher sind, ob wir das auch schaffen.

«KLAR IST, WIR WERDEN IMMER SWISS-MADE-PRODUKTE BAUEN.»

Frederique Constant bewegt sich preislich zwischen 500 Euro und in Einzelfällen auch über 30.000 Euro. Ist das nicht ein Problem bei der Positionierung der Marke?
Genau diese Preisstrategie hat uns in der Vergangenheit stark und groß gemacht. 30.000-Euro-Uhren sind aber tatsächlich die Ausnahme, unsere größte Stärke liegt im Preissegment zwischen 500 und maximal 4000 Euro. Und in diesem Bereich bieten wir Quarzuhren, Smart- und Hybrid-Watches, aber eben auch mechanische Manufakturprodukte. Für unsere Vertriebspartner ist das eine feine Sache, sie können mit einer Marke eine große Preisspanne und alle Spielarten der Uhrmacherei abdecken und bekommen in jedem Fall gute und ehrlich gemachte Produkte. Aus meiner Vertriebserfahrung weiß ich, dass unsere Händler genau das alles sehr schätzen. Sonst wären wir in der Vergangenheit auch nicht so erfolgreich gewesen und hätten nicht bis zu 160.000 Uhren im Jahr verkauft.

Ihr Haus gehört nun zum Citizen-Konzern. Sind Sie weiterhin frei in Ihren Entscheidungen, oder wird die Unternehmenspolitik aus Japan vorgegeben?
Natürlich sind wir nicht komplett frei, selbstverständlich müssen wir unsere Ergebnisse nach Japan berichten. Aber in unserem operativen Geschäft haben wir große Freiheiten, speziell was die Produktpolitik betrifft. Citizen hat seine Uhrensparte wie eine Pyramide aufgebaut. Die Basis legt Citizen selbst, darüber rangieren Alpina, Frederique Constant und DeMonaco, ganz oben steht Arnold & Son. Somit sind alle Preissegmente gut abgedeckt, entweder ohne oder mit nur geringen Überschneidungen.

Existieren Gedanken, technische Entwicklungen unter den Marken auszutauschen, wie dies in anderen Konzernen durchaus üblich ist?
Nein, da gibt es keinerlei Überlegungen. Ganz klar ist, dass wir immer Swiss-made-Produkte bauen werden.

Aber könnten Sie vielleicht nicht etwas vom technischen Know-how von La Joux-Perret profitieren?
Tatsächlich haben wir von ihnen schon Uhrwerke bezogen, und sie haben uns auch bis zu einem bestimmten Punkt bei der Produktion unterstützt, aber das war es dann auch. Einen klassischen Technologietransfer gibt es nicht.

Momentan gibt es große Diskussionen darüber, dass viele Marken nicht mehr bei der BASELWORLD ausstellen. Sehen wir Sie 2019 in Basel?
Ja, das haben wir fest eingeplant.

Und danach?
Das ist noch unsicher. Wenn es nach mir geht, schon. Aber wir müssen die Entwicklungen beobachten.

Herr Eggerding, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte
Martin Häußermann.

Zum 30. Jubiläum von Frederique Constant empfehlen wir den Artikel «Vom Küchentisch zur Manufaktur»

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