in memoriam

Günter Blümlein

Vor zwanzig Jahren, am 1. Oktober 2001, starb Günter Blümlein im Alter von nur 58 Jahren. Als Ingenieur führte er Junghans in die Neuzeit und sanierte die von der «Quarzkrise» erschütterten Schweizer Marken IWC und Jaeger-LeCoultre. Mit der Wiedergründung von A. Lange & Söhne setzte er sich ein Denkmal.
Günter Blümlein

Der gebürtige Nürnberger Diplomingenieur erwarb sich mit seiner langjährigen Arbeit für den Diehl-Konzern in der industriell orientierten Uhrenbranche als einen Ruf wie Donnerhall. Weitsichtige Marketingkonzepte und straffes Vertriebsmanagement sicherten der in den schweren siebziger Jahren todgeweihten deutschen Uhrenmarke Junghans das Überleben mit fortschrittlicher Solar- und Funktechnik.

Retter von IWC und Jaeger-LeCoultre

Blümleins Lebensretter-Qualitäten waren Anfang der achtziger Jahre erneut gefragt, dieses Mal in der Schweiz: Die VDO Adolf Schindling AG suchte händeringend nach einem Visionär, der die Ende der siebziger Jahre aufgekauften, in Ehren eingestaubten Uhrenfirmen IWC (zu 100%) und Jaeger-LeCoultre (zu 60%) aus der Sackgasse führen konnte. Blümlein verwarf die von den in Uhrenfragen recht unbedarften Vorständen gefassten Pläne, die IWC als reine Taschenuhren-Marke (!) wiederzubeleben und dämpfte die Hoffnungen, mit der Marke Jaeger-LeCoultre im obersten Luxusuhren-Preissegment neben Patek Philippe Fuß fassen zu können. Unter seiner Federführung erlebte die traditionsreiche Marke Jaeger-LeCoultre eine substantielle Aufwertung als Manufaktur hochfeiner Handaufzug-, Automatik- und Formwerke für die renommiertesten Schweizer Uhrenmarken, begleitet von einer stilsicher zusammengestellten eigenen Modellpalette klassisch gezeichneter Armbanduhren unter dem JLC-Signet mit der pfiffigen Wendeuhr Reverso als Zugpferd. Die International Watch Co. in Schaffhausen wurde zum modernen Technologiezentrum ausgebaut und erlebte mit einem gelungenen Modell-Mix von Sportuhren, hochkomplizierten Kalenderuhren und zukunftsweisenden Kreationen unter dem Label «Porsche Design» einen ungeahnten Aufschwung.

A. Lange & Söhne
A. Lange & Söhne ist zurück: Günter Blümlein, Walter Lange und Hartmut Knothe (v.l.n.r.)

«Aufbau Ost» mit A. Lange & Söhne

Auch die couragierte und kompromisslose Art, mit der die Uhrentochter LMH («Les Manufactures Horlogères») des VDO/Mannesmann-Konzerns bei der Re-Etablierung des traditionsreichen Markennamens A. Lange & Söhne zu Werke ging, ist auf die Initiative von Günter Blümlein zurückzuführen. Das Schlagwort vom Know-how- und Technologietransfer erfuhr eine neue Dimension: Die fähigsten Köpfe aus Glashütte, Le Sentier und Schaffhausen begaben sich für drei Jahre in Klausur und überraschten die Öffentlichkeit im Oktober 1994 mit einer ausbaufähigen Grundkollektion von vier Uhren, die das gesamte Spektrum der Uhrenbaukunst von der spektakulären Komplikationsuhr bis zum schlichten Understatement-Modell abdeckte. Die direkte Anknüpfung an die legendäre Taschenuhren-Qualität der ältesten Glashütter Uhrenmarke ermöglichte Günter Blümlein die Verwirklichung eines Traums, der den getriebenen Aufwand in jeder Beziehung rechtfertigt. Die Lange-Uhren der Neuzeit konnten sich aus eigener Kraft in einem frei gewählten Marktsegment positionieren, das ihrem Qualitätsniveau entspricht: Ganz oben.

Lancierung des Datograph
Lancierung des Datograph auf der BASELWORLD 1999

Les Manufactures Horlogères

A. Lange & Söhne markiert den glanzvollen Höhepunkt von Günter Blümleins erfolgreicher Karriere als Manager. Sein größter Verdienst als Unternehmer besteht indes in der Eingliederung der Firmengruppe «Les Manufactures Horlogères» (LMH), bestehend aus Lange, IWC und Jaeger-LeCoultre, in den Richemont-Konzern. Dieser bezahlte um die Jahrtausendwende ein Vermögen für die drei LMH-Uhrenmarken, und Insider sind bis heute davon überzeugt, dass es bei diesem «Millenniums-Deal» im Wesentlichen darum ging, sich die Expertise und die visionäre Kraft von Günter Blümlein zu sichern. Leider ließ eine heimtückische Krankheit dem genialen Strategen nicht mehr viel Zeit, die ehrgeizigen Ziele für die Richemont-Gruppe umzusetzen. Doch Blümlein hinterließ eine Riege von überaus fähigen Mitarbeitern, die seine Überzeugungen verinnerlicht haben und seine Methoden zur Anwendung bringen. Günter Blümlein mag sein Lebenswerk nicht vollendet haben, doch es wird in seinem Geiste weitergeführt.

Lesen Sie zum 20. Todestag von Günter Blümlein das ungekürzte Original-Interview «Das zarte Pflänzchen Lange», das uns der Neugründer der Feinen Deutschen Uhrmacherkunst und Retter der sächsischen Uhrenindustrie anlässlich unseres ersten ARMBANDUHREN SPECIAL A. LANGE & SÖHNE im Jahre 1999 gab – damals noch im «Think Tank» der LMH in Schaffhausen. Außerdem haben wir mit freundlicher Unterstützung der Lange Uhren GmbH eine Reihe von Zitaten von und über Günter Blümlein zusammengestellt.

Text: Peter Braun

Weiterführende Inhalte


«Das zarte Pflänzchen Lange»: Interview mit Günter Blümlein


Zitate von und über Günter Blümlein

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