Frédéric Arnault, CEO TAG Heuer

«Hohe Legitimität»

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Mai 2021. Im Umfeld der Lancierung der Monaco Titan Limited Edition in Monte-Carlo hatten wir Gelegenheit, uns mit dem neuen CEO von TAG Heuer, Frédéric Arnault, und dem Teamchef von Red Bull Racing, Christian Horner über Uhren, Rennwagen, Marken und Ikonen zu unterhalten.
Frédéric Arnault, CEO TAG Heuer
Monsieur Arnault, gilt Ihr Interesse dem zeitgenössischen Rennsport oder eher dem historischen Motorsport und der Sammlerszene?

Es ist sehr wichtig, im Motorsport up to date zu bleiben, und den Kontakt zur technischen und sportlichen Entwicklung nicht zu verlieren. Das beste Beispiel ist die Formel 1 und „unser“ Team Red Bull Racing, dessen Fanbase sich permanent verjüngt. Auf der anderen Seite sind wir uns natürlich unserer historischen Rolle im Motorsport bewusst und beziehen unsere Inspiration aus der Geschichte. Als einer der längsten Partner des Motorsports aus der Uhrenindustrie genießen wir eine hohe Legitimität.

(TAG) Heuer hat eine lange Tradition in der Sportzeitmessung. Können Sie sich da auf die Herstellung von Armbanduhren mit thematischem Bezug zum Motorsport begnügen?

In der Tat war Heuer ein Pionier der elektronischen Sportzeitmessung, doch diese Technologie hat sich zu einem eigenen Spielfeld entwickelt, auf dem wir aktuell nicht mehr auftreten. Aber wir bringen mit der TAG Heuer Connected neue Themen und Anwendungsbereiche ins Spiel.

Der Bezug von mechanischen Uhren zu klassischen Sportwagen ist irgendwie naheliegend. Welche Bezüge der Uhr sehen Sie zum modernen Motorsport?

Mit der TAG Heuer Connected und ihren Chronographenfunktionen und Health Features wie Pulsfrequenz etc. haben wir ein interessantes und dennoch elegantes „Tool“ für Hochleistungssportler wie z.B. Rennfahrer. Wobei ich sagen muss, dass wir mit der Connected näher bei der Formel E sind als bei der Formel 1.

Für Golfspieler gibt es bei der TAG Heuer Connected ja spezielle Features und Funktionen. Planen Sie so etwas auch für Rennfahrer?

Nicht in erster Linie für Rennfahrer: Wir wollen die Connected mit den Infotainment-Systemen in den Autos vernetzen. Hier arbeiten wir eng mit Porsche zusammen, um die wichtigen Fahrzeugdaten in Echtzeit ans Handgelenk zu bekommen. Das funktioniert aber auch in die andere Richtung: Man könnte zum Beispiel auch die Herzfrequenz von der Connected auf das Display im Armaturenbrett spiegeln, oder eine laufende Chronographenmessung oder GPS-Daten.


FIA
Christian Horner, Teamchef von Red Bull Racing
Mister Horner, was macht ein archaisches Produkt wie eine mechanische Armbanduhr so interessant für eine Hi-Tech-Firma in der Formel 1?

TAG Heuer ist eine Ikone der Sportzeitmessung und es macht uns sehr stolz, das markante Logo auf unseren Autos und den Overalls unserer Fahrer zu sehen. Es ist dieser geschichtliche Hintergrund, der mich fasziniert, vielleicht weil unsere eigene Marke noch so jung ist. Dabei haben Red Bull und TAG Heuer viele Gemeinsamkeiten: Beide sind coole und erfolgreiche Marken, sie verschieben Grenzen, agieren in gewisser Weise disruptiv. Unsere Welten und Werte passen einfach perfekt zueinander. Deshalb haben wir auch unsere Zusammenarbeit um weitere fünf Jahre verlängert.

Vor einigen Jahren stand der Name TAG Heuer sogar auf Ihren Motoren. Ist es denkbar, dass TAG Heuer als Ihr „Motorenpartner“ zurückkommt, jetzt, wo Honda aus der Formel 1 aussteigt?

Wir bedauern sehr, dass Honda sich als Motorenlieferant zurückzieht, aber wir haben alle Werkzeuge und das Know-how zur Produktion und Weiterentwicklung des V6-Triebwerks übernommen und zu uns nach Milton Keynes geholt. Als wir 2018 „TAG Heuer“ auf die Ventildeckel unserer Motoren schrieben, taten wir das, um den überraschenden Rückzug von Motorenlieferant Renault zu kaschieren. Ich finde, das war eine coole Idee. Aber heute ist die Situation eine andere. Ist vielleicht alles eine Frage der Zeit …

Was können die Uhrmacher von TAG Heuer von den Ingenieuren von Red Bull Racing lernen?

Wir haben eine sehr gut aufgestellte Forschungs- und Entwicklungsabteilung, in der ständig an neuen Materialien gearbeitet wird. Davon könnten einige auch für Verwendung in Armbanduhren ganz gut geeignet sein.

Und anders herum? Was können Ihre Ingenieure von den Uhrmachern lernen?

Die Art und Weise, wie sie sich in diesem Universum der mikroskopisch kleinen Bauteile bewegen, die Präzision und Komplexität von Bearbeitungs- und Montageschritten ist sehr eindrucksvoll. Und wenn Sie in unsere Getriebegehäuse hineinschauen, dann sieht es darin aus wie in einem TAG-Heuer-Uhrwerk – all‘ die Zahnräder, die da ineinander greifen! Und ich höre, dass in punkto Verzahnungen und Zahnprofilen die Uhrenindustrie effizienztechnisch auf einem ganz hohen Niveau unterwegs ist. Das könnte für uns interessant sein.

Monsieur Arnault, Mister Horner, vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Peter Braun

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