Chronometer: Qualité Fleurier

Ultimative Herausforderung

Teilen
Wie präzise arbeitet ein Werk? Kann es Temperaturschwankungen verkraften? Welchem Wasserdruck hält eine Uhr stand? Diese Fragen beantworten zahlreiche Tests, doch nur einer misst, was passiert, wenn man sich morgens anzieht, mit der Uhr am Handgelenk zum Joggen geht, wenn man während des Tages telefoniert, Hände schüttelt und Auto fährt, wenn man zu Abend isst und in feuchtfröhlicher Runde anstößt. Solche Alltagssituationen – mal ruhiger, mal lebhafter – stellt der «Fleuritest» nach, der vor über zehn Jahren exklusiv für die Stiftung Qualité Fleurier entwickelt wurde und nun mit dem «FQF-Lab» der gesamten Uhrenindustrie zur Verfügung steht.
Flouritest Chronometerprüfung
Das Herzstück aller Tests ist die Fleuritest-Maschine, die Alltagsbewegungen des Handgelenks simuliert und die Auswirkungen auf die Präzision misst.

Für diese Prüfung werden verkaufsfertige Uhren in der Fleuritest-Maschine auf einer Halterung befestigt, die einem Propeller gleicht. Dieser lässt die Uhren während einer 24-stündigen Testphase vom Computer gesteuerte dreidimensionale Bewegungen vollführen, die den Armbewegungen während alltäglicher Situationen entsprechen, während die Gangpräzision gemessen wird.
Bisher war der Fleuritest jenen Uhrenmarken vorbehalten, die ihre Uhren zur Zertifizierung mit dem Prädikat Qualité Fleurier einreichten – was im Grunde allen Schweizer Herstellern mechanischer Luxusuhren möglich wäre. Nun aber können Uhren auch nur die Belastungsprobe des Fleuritests absolvieren. Das verkündeten die Verantwortlichen bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum des Qualité Fleurier, Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard, Michel Parmigiani, Präsident von Parmigiani Fleurier, und Pascal Raffy, Inhaber der Marke Bovet.

Die drei sind Gründungsmitglieder der Stiftung Qualité Fleurier, die 2004 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ihr Ziel: die anspruchsvollste Zertifizierung der Uhrenindustrie ins Leben zu rufen, die eine Uhr in ihrer Gesamtheit beurteilt. Dazu schreibt das Qualité Fleurier fünf einander ergänzende Kriterien und Prüfungen vor, bei denen es um Genauigkeit, Strapazierfähigkeit und Ästhetik geht. Um mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet werden zu können, muss die gesamte Herstellung innerhalb der Schweiz erfolgen, zudem sind Materialien und Dekorationen genau vorgeschrieben. Ob diese Kriterien eingehalten werden, wird anhand von Kits aus Werkkomponenten geprüft, welche die Uhrenfirmen zur Zertifizierung einreichen müssen.
Eingereicht werden können nur Uhren, die bereits über ein Chronometerzertifikat der COSC verfügen und den Chronofiable-Test bestanden haben. Dieser Industrietest unterzieht jede Uhr einem Alterungszyklus, der sechs Monaten Tragedauer entspricht. Aufzugswelle und Drücker werden Schub- und Zugkräften ausgesetzt. Am gefürchtetsten aber ist ein mehrmaliger Schlagtest mit Fallhammer, der lediglich Komplikationsuhren erspart bleibt.

Als fünfte Bewährungsprobe steht schließlich der Fleuritest an, der im Labor der Stiftung in Fleurier durchgeführt wird und bei dem die Abweichung höchstens zwischen 0 und +5 Sekunden pro Tag liegen darf. Eine Uhr, die all diese Anforderungen erfüllt und sämtliche Belastungsproben besteht, erhält die Auszeichnung Qualité Fleurier. Insgesamt gelang das in den vergangenen zehn Jahren gerade einmal 3000 Uhren. Denn der Aufwand ist groß, müssen doch Uhrwerkkomponenten und sogar Testmodelle ausschließlich für die Zertifizierung erstellt werden: Fünf Prozent einer jeden Serie werden tatsächlich getestet. Dennoch sind sich die Initiatoren Scheufele, Parmigiani und Raffy einig, dass sich der Aufwand lohnt: «Perfektion ist der Traum jedes Uhrmachers, und das QF-Zertifikat drückt das aus», so Karl-Friedrich Scheufele, der auch sagt: «Das Zertifikat hilft uns, den Standard der Fertigung zu halten.» Michel Parmigiani sieht dies ebenso: «Das Prädikat Qualité Fleurier strahlt auf die ganze Kollektion ab, da es den gesamten Herstellungsprozess verändert.»

Text: Iris Wimmer-Olbort

Chronometerprüfungen in Deutschland und der Schweiz
Poinçon de Genève, die «Genfer Punze»
Das Patek Philippe Siegel
Allgemeines zur Chronometerhemmung
Einführung: Alles über Chronometer
Bildergalerie
Ähnliche Artikel
Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Beitrag melden

Ihr Name:

Ihre E-Mail-Adresse

Bitte beschreiben Sie kurz, warum dieser Beitrag problematisch ist:


[recaptcha]

xxx
Newsletter-Anmeldung

* Pflichtfeld

** Der HEEL Verlag erhebt Ihre Daten zum Zweck des kostenlosen E-Mail-Newsletters. Die Datenerhebung und Datenverarbeitung ist für die Durchführung des Newsletters und des Informationsservice erforderlich und beruht auf Artikel 6 Abs. 1 a) DSGVO. Zudem verwenden wir Ihre Angaben zur Werbung für eigene und HEEL-verwandte Produkte. Sie können sich jederzeit vom Newsletter abmelden. Falls Sie keine Werbung mehr auf dieser Grundlage erhalten wollen, können Sie jederzeit widersprechen. Weitere Infos zum Datenschutz: ds.heel-verlag.de