Alles über Chronometer

Die Vermessung der Zeit

Chronometer sind nach unserem Sprachverständnis besonders genau gehende (mechanische) Armbanduhren, deren Gangverhalten im Rahmen einer amtlichen oder zumindest unabhängigen Prüfung ermittelt und dokumentiert bzw. zertifiziert wird. Das seit Jahrzehnten etablierte Verfahren der offiziellen Schweizer Prüfbüros sieht sich in letzter Zeit immer häufiger dem Vorwurf der Praxisferne ausgesetzt. In der Tat werden bei der COSC nur die Uhrwerke geprüft, bei Automatikkalibern wird sogar der Aufzugsrotor abgenommen. Bei der (bislang einzigen) deutschen Prüfstelle in Glashütte kommen wenigstens komplette Uhren auf den Prüfstand, doch die Aufzugsleistung wird auch hier nicht kontrolliert. Zusatzfunktionen wie etwa ein Chronographen-Mechanismus bleiben bei jeder Prüfung ausgeschaltet. Außerdem bleiben sämtliche Außeneinflüsse auf den Gang des Uhrwerks unberücksichtigt: Wasserdichtheit, Kälteverhalten, Stoßsicherheit oder Magnetfeldresistenz spielen bei der labortechnischen Untersuchung keine Rolle.
Chronometerprüfung COSC
Blick in die Chronometerhemmung einer Armbanduhr von Urban Jürgensen

Alternativen zur Chronometerprüfung gibt es verschiedene, zum Beispiel markeninterne Testprogramme wie das Master Control 1000 Hours von Jaeger-LeCoultre, der 500-Stunden-Test von Montblanc oder das Patek-Philippe-Siegel.

Dessen Einführung hat vor fünf Jahren für erhebliches Aufsehen gesorgt, und es ist sicher kein Zufall, dass sich nach dem Austritt der berühmten Manufaktur aus dem Konsortium des Poinçon de Genève die Verantwortlichen im Prüfbüro Gedanken über Kundenservice und Praxistauglichkeit zu machen begannen.

Heute installiert die für die Vergabe der Genfer Punze zuständige Timelab Foundation ihre Prüfanlagen auch schon einmal in den Räumen des Uhrenherstellers und entsendet Personal zur Überwachung.

Der Rosenkrieg zwischen der COSC und Omega, ihrem zweitgrößten Einzelkunden, über die Aufnahme der Magnetfeldresistenz in den Kriterienkatalog dürfte mittelfristig ähnliche Auswirkungen haben. Noch muss die Swatch-Group-Marke gute Miene machen, weil der Begriff «Chronometer» nach wie vor große Strahlkraft besitzt und in der Schweiz nur die COSC diesen Titel vergeben darf. Aber mit dem Eidgenössischen Institut für das Mess- und Eichwesen (METAS) hat Omega bereits einen willigen Kooperationspartner gefunden, und vielleicht fällt ja irgendeinem schlauen Marketing-Menschen dereinst ein griffiger Titel ein, der Unempfindlichkeit gegen äußere Störeinflüsse, lange Wartungsintervalle und Ganggenauigkeit unter einen Hut bekommt.

In den unten verlinkten Beiträgen informieren Sie Martin Häußermann und Iris Wimmer-Olbort über die Prüfverfahren der verschiedenen aktuellen Zertifikate, und Michael Ph. Horlbeck lenkt Ihr Augenmerk auf die Chronometerhemmung, die ihren Namen der besonders präzisen Steuerung des Schwingverhaltens einer Unruh verdankt.

Obwohl sich die Schweizer Ankerhemmung auf breiter Front als bester Kompromiss durchgesetzt hat, zerbrechen sich auch heute noch große Uhrmacher den Kopf über die effizienteste, die präziseste, die beste Hemmung.

Weiterlesen:
Chronometerprüfungen in Deutschland und der Schweiz
Poinçon de Genève, die «Genfer Punze»
Qualité Fleurier
Das Patek Philippe Siegel
Allgemeines zur Chronometerhemmung
Ähnliche Artikel
Kommentare
    Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Beitrag melden

Ihr Name:

Ihre E-Mail-Adresse

Bitte beschreiben Sie kurz, warum dieser Beitrag problematisch ist:


xxx
Newsletter-Anmeldung

* Pflichtfeld

** Ihre Daten werden von der HEEL Verlag GmbH gespeichert, um Ihnen Informationen zukommen zu lassen. Ihnen entstehen weder Kosten noch Verpflichtungen. Sie können sich jederzeit wieder vom Newsletter abmelden und aus dem Postverteiler streichen lassen.