Omega Seamaster Planet Ocean WorldtimerWeltzeit für die raue See
Omega bietet mit dem Seamaster Planet Ocean Worldtimer einer klassischen Komplikation einen modernen Auftritt.
Eigentlich ist das Umstellen der Uhr auf eine neue Ortszeit keine große Sache, und selbst bei schnellen Flugzeugen bleibt bei einer Überquerung der Längenmeridiane genügend Zeit, um die Zeiger nachzustellen. Es soll daher auch tatsächlich Menschen geben, die ohne GMT- oder Weltzeituhr verreisen. Diese werden sich aber wahrscheinlich immer wieder darüber ärgern, dass die zu Hause mit großer Akribie auf die Sekunde genau eingestellte Uhrzeit in dem Moment flöten geht, in dem man die Krone zur Zeigerstellung in ihre zweite Rastposition zieht und der Sekundenstopp die Unruh anhält. Die grundsätzliche Überlegung hinter den speziellen Reiseuhren ist daher die momentane Entkopplung eines Teils des Zeigerwerks vom Uhrwerk, sodass die zuvor eingestellte Uhrzeit erhalten bleibt – sekundengenau, versteht sich!
Welchen Stellenwert man der «Heimatzeit» und der neuen lokalen Uhrzeit beimisst, entscheidet über Technik und Gestaltung der Zeitzonen-Uhr. Die einfachste Lösung ist hier die Verwendung eines zusätzlichen 24-Stunden-Zeigers zur Anzeige der «Home Time», der sich optisch dezent im Hintergrund hält und mit halber Geschwindigkeit um das Zifferblatt kreist. Technisch ist die Verstellbarkeit des Zeigers kein Problem: In der ersten Kronen-Rast-Position wird rechtsherum das Datum und linksherum der 24-Stunden-Zeiger, auch «GMT-Zeiger» genannt, justiert.
Für den Reisenden ist es hingegen unendlich viel angenehmer, wenn er beim Verlassen des Flugzeugs ganz einfach den Hauptstundenzeiger auf die neue Lokalzeit einstellen kann, während das Uhrwerk weitertickt und die Heimatzeit mit einem schlanken 12- oder 24-Stunden-Zeiger konserviert wird. Diese praktischste aller Lösungen präsentierte Rolex schon 1983 in der GMT-Master II, und seit vor wenigen Monaten ein Patentschutz ausgelaufen zu sein scheint, kommen nun immer mehr neue Uhrenmodelle anderer Hersteller mit dieser Funktionalität auf den Markt.
Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte jede größere Stadt ihre eigene Uhrzeit. Im 19. Jahrhundert galt im Allgemeinen der tägliche Sonnenhöchststand als «12 Uhr». Dass dieser «Mittag» in Königsberg 25 Minuten früher erreicht war als in Köln, spielte keine Rolle: Wer reiste, tat dies zu Fuß oder mit der Postkutsche. Deren Reisegeschwindigkeit war durch den Straßenbau von etwa 2 km/h im Jahr 1700 auf etwa 10 km/h im Jahr 1850 gesteigert worden. Als Ferdinand Adolph Lange in Glashütte seine ersten Uhren baute, dauerte die Fahrt in der Postkutsche von Dresden nach Frankfurt am Main eine ganze Woche. Deshalb bemerkte kaum ein Reisender, dass sich auf den gut 500 Kilometern von Ost nach West der Sonnenhöchststand um fast zwanzig Minuten verschob. Mit der Eisenbahn ließ sich eine solche Strecke indes schon bald an einem einzigen Tag zurücklegen, und nun wurde es interessant: Da Chemnitz, Gera, Weimar, Erfurt und Fulda jeweils ihre eigene Uhrzeit hatten, konnten die Fahrpläne nicht anhand von Fahrgeschwindigkeit und Distanz errechnet werden.
In Ländern mit großer Ost-West-Ausdehnung wie den Vereinigten Staaten von Amerika potenzierte sich das Problem mit der rasant steigenden Geschwindigkeit der Überlandzüge. Jede der zahlreichen privaten Eisenbahngesellschaften hatte ihre eigene Zeitrechnung, kurioserweise meist bezogen auf den jeweiligen Firmensitz. So hielt beispielsweise die «Pennsylvania Railroad» entlang ihrer gesamten Route an der Ortszeit von Philadelphia fest, und die «New York Central» richtete sich auf ihrer ganzen Reise nach der «Vanderbilt-Zeit» der Grand Central Station in Manhattan. Wollte der Passagier seine Ankunftszeit am Reiseziel wissen, musste er den Zeitstandard der betreffenden Bahnlinie kennen und ihn bei Abfahrt und Ankunft richtig in die jeweilige Ortszeit umrechnen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in den USA 144 (!) amtliche Uhrzeiten. Die Einführung der Weltzeitzonen im Jahre 1884 brachte Ordnung in den Dschungel der Ortszeiten und erleichterte die Organisation von Reisen über große Distanzen.
Bereits in der Antike findet man Darstellungen der Erde mit Unterteilung ihrer Oberfläche durch ein Netz aus Längen- und Breitengraden. Den Nullmeridian hatte schon Ptolemäus bei der Zeichnung der von ihm erstellten Karten in die Gegend der Kanarischen Inseln gelegt (heute etwa 15 ° westlicher Länge). Spätere Kartografen verschoben den Null-Längengrad nach Rom, Kopenhagen, Paris oder St. Petersburg, bevor er schließlich nach London «verlegt» wurde. Um 1870 gab es zehn amtliche Nullmeridiane, weil Länder dies aus Tradition oder Nationalstolz einfach beschlossen hatten.
Fraglich war, wo die Null-Linie für die Zeitrechnung verlaufen sollte. Besonders Frankreich und Großbritannien gerieten darüber in wahrlich heftige Meinungsverschiedenheiten. Schließlich einigten sich 19 Länder darauf, sich in der US-Hauptstadt Washington zu treffen, um endlich eine Lösung für das immer brennender werdende Problem zu finden. Vom 1. bis 24. Oktober 1884 fand im Weißen Haus die «Prime Meridian Conference» statt, die erste (wichtige) Längengrad-Konferenz.
Und die Engländer konnten sich durchsetzen: Die Zeitmessung auf der ganzen Welt bezieht sich heute auf eine imaginäre Linie im Gebäude des früheren «Royal Observatory» im Londoner Vorort Greenwich. Die Briten hatten schon zuvor die senkrechte Linie im Fadenkreuz des Teleskops der Sternwarte als Verlauf des Längengrades Null gekennzeichnet. Nun gab es zusätzlich zur «Greenwich Mean Time» («Mittlere Greenwich-Zeit») weitere 23 Weltzeitzonen – insgesamt 24.
Die Weltzeitzonen erweiterten den Geltungsbereich einer Uhrzeit auf 15 Längengrade, entsprechend 1666 Kilometer in west-östlicher Ausdehnung. Gemäß Übereinkunft beträgt der Zeitunterschied zwischen zwei Zeitzonen exakt eine Stunde, zur leichteren Umrechnung bzw. Synchronisierung der Uhr auf Reisen. Die Uhrzeit sollte etwa in der Mitte der Zone zum tatsächlichen Stand der Sonne passen und möglichst nicht breiter als 15 ° sein, um an ihren Rändern die Differenz zur Sonne auf etwa eine halbe Stunde zu beschränken. So weit die Theorie, doch in der Praxis richten sich die Grenzen der Zeitzonen nach den politischen Grenzen ihrer Geltungsbereiche. Die sogenannte «Mitteleuropäische Zeit» (MEZ) wurde 1893 eingeführt und entspricht der Greenwich-Zeit plus eine Stunde. Sie ist von der spanischen Westküste bis zur Ostgrenze Polens und damit über eine Strecke von fast 35 Längengraden gültig.
Text: Peter Braun