Teil 1: Uhren im Vintage Style

Neue Manufaktur-Chronographen

Uhrwerke, die im eigenen Haus konstruiert und gefertigt wurden: Dieses Merkmal eint die beiden neuen Chronographen von Tudor und Jaeger-LeCoultre – beide sind mit eigenen Automatikwerken ausgestattet.
Zeit stoppen mit Stil und hochwertiger Mechanik: Heritage Black Bay Chrono von Tudor und Polaris Chronograph von Jaeger-LeCoultre.
Zeit stoppen mit Stil und hochwertiger Mechanik: Heritage Black Bay Chrono von Tudor und Polaris Chronograph von Jaeger-LeCoultre.

Während diese Expertise bei Jaeger-LeCoultre so ausgereift ist wie bei kaum einer anderen Marke – seit der Gründung 1833 wurden bei Jaeger-LeCoultre mehr als 1200 verschiedene Uhrwerke entworfen –, trägt Tudor den Titel «Manufaktur» erst seit wenigen Jahren.

Tudor Heritage Black Bay Chrono

Das Tudor Kaliber MT5813 beruht auf einem Basiswerk von Breitling, das von Tudor ein eigenes Regulierorgan erhält.
Das Tudor Kaliber MT5813 beruht auf einem Basiswerk von Breitling, das von Tudor ein eigenes Regulierorgan erhält.

2015 lancierte Tudor das erste Manufakturwerk: das Automatikkaliber MT5621, das in der Linie North Flag erstmals zum Einsatz kam und in abgewandelter Form mittlerweile auch in anderen Linien zu finden ist. Bei allem Ehrgeiz, die eigene Kompetenz unter Beweis zu stellen, versteht es Tudor auch, sehr rational zu agieren. Für einen neuen Chronographen entschied man sich gegen die teure Konstruktion und Fertigung eines eigenen Kalibers und handelte stattdessen ein Tauschgeschäft aus: Breitling erhält von Tudor erwähntes Automatikwerk, während Tudor im Gegenzug das Chronographenkaliber Breitling B01 bekommt und im eigenen Hause «tudorisiert».

Das Chronographenwerk mit Schaltrad, vertikaler Kupplung und 70 Stunden Gangautonomie wird von Tudor mit einem selbst entwickelten Regulierorgan mit Silizium-Spirale versehen und erhält einen eigenen Rotor. Optisch wird das Kaliber im Stil des Hauses dekoriert und trägt dann die Bezeichnung MT5813. Zudem wird es seitens COSC als Chronometer zertifiziert.

Seine Premiere erlebte dieses Uhrwerk bei Tudor im Heritage Black Bay Chrono. Die Heritage-Linie umfasst Neuinterpretationen der wichtigsten Referenzen aus der Geschichte von Tudor, wobei sich die Black-Bay- Modelle auf die Taucheruhren beziehen, wie sie Tudor seit den 1950er Jahren herstellt. Allerdings wünsche man keine identischen Wiederauflagen eines Klassikers, heißt es bei Tudor. Vielmehr verbinde man zentrale Gestaltungsmerkmale früherer Zeiten mit modernem Uhrmacherhandwerk.

Die Linie Black Bay von Tudor bezieht sich auf Taucheruhren, wie die Marke sie seit den 1950er Jahren herstellt. Zu den Charakteristiken gehören «Snow Flake»-Zeiger.
Die Linie Black Bay von Tudor bezieht sich auf Taucheruhren, wie die Marke sie seit den 1950er Jahren herstellt. Zu den Charakteristiken gehören «Snow Flake»-Zeiger.

Beispiele solcher Charakteristiken finden sich bei dem Chronographen mehrfach. Über dem Zifferblatt kreisen eckige Zeiger mit «Snow Flake»-Element, wie sie Tudor seit 1969 verwendet. Übernommen wurden auch die Chronographendrücker sowie die große Aufzugskrone, die typisch für die erste bis 200 Meter wasserdichte Generation von Tudor-Taucheruhren war. Die Krone ist verschraubt und mit einer gravierten, schwarz lackierten Tudor-Rose verziert.

Mit dem Datumsfenster bei der «6» bezieht man sich ebenso auf historische Tudor-Chronographen wie mit dem 45-Minuten-Zähler bei der «3»; die Kleine Sekunde findet sich bei der «9». Ganz von heute sind hingegen die Maße: Das abwechselnd satinierte und polierte Edelstahlgehäuse ist 41 Millimeter groß und trägt eine fest stehende Lünette mit gravierter Tachymeterskalierung.

Eine gelungene Fortsetzung des Gehäuses ist das Edelstahlarmband mit einer Sicherheitsfaltschließe. Dieses Band kann gegen ein mitgeliefertes Textilband getauscht werden – der Look lässt die Uhr ganz neu aussehen. Die Ausstattung betont die sportliche Optik des Chronographen, der nicht nur ein gelungenes Retro-Design bietet, sondern mit 4700 Euro für ein Modell mit Manufakturwerk auch durch ein interessantes Preis- Leistungs-Verhältnis punktet. Zudem: So günstig gibt es dieses Manufakturwerk bei Breitling nicht – beim Lieferanten des Uhrwerks starten die Preise für entsprechend ausgestattete Manufaktur-Chronographen bei über 7000 Euro.

Jaeger-LeCoultre Polaris Chronograph

Der Polaris Chronograph von Jaeger-LeCoultre ist von der Memovox Polaris aus dem Jahr 1968 inspiriert.
Der Polaris Chronograph von Jaeger-LeCoultre ist von der Memovox Polaris aus dem Jahr 1968 inspiriert.

Jaeger-LeCoultre verlässt mit seinem Manufaktur- Chronographen den vierstelligen Preisbereich. Der neue Polaris Chronograph kostet 10.800 Euro – das entspricht etwa dem, was gleichrangige Manufakturen für neu konstruierte Chronographen verlangen. Dafür muss aber auch jedes einzelne Detail stimmen – und das tut es. Mit dem Polaris Chronograph beweist Jaeger- LeCoultre sowohl seine Fertigungs- als auch seine Designkompetenz.

Inspirieren ließ man sich von der Memovox Polaris aus dem Jahr 1968. Sie wurde zur Basis einer neuen Kollektion, die «nicht einfach nur eine Hommage an ein historisches Modell» sei, wie man bei der Manufaktur betont. Vielmehr fange man den Geist der historischen Uhr ein und interpretiere ihn neu.

Tatsächlich wirkt die neue Kollektion, die verschiedene Modelle von der Dreizeigeruhr bis zur Memovox Polaris mit Alarmfunktion sowie den hier gezeigten Chronographen mit Weltzeitanzeige umfasst, sehr heutig. Einen ausgeprägten Vintage-Charakter besitzen einzig die zwei Varianten Memovox und Datum. Der Chronograph hingegen zeigt sich in vielen Details überarbeitet.

Der moderne Ausdruck wird insbesondere durch das blau schimmernde Zifferblatt betont, das mehrere Ebenen und Oberflächen bietet: Die symmetrisch bei «3» und «9» platzierten Chronographenzähler sind ausgedreht und in einem vertieften Innenkreis positioniert, der im Sonnenschliff gestaltet ist; der außenliegende Réhaut mit Tachymeterskala erhebt sich steil über den Ring mit den Stundenmarkierungen, dessen Oberfläche eine effektvolle Körnung aufweist. Darauf sind klassische arabische Ziffern sowie trapezförmige Stundenmarker appliziert. Die kontrastreiche Gestaltung des Zifferblatts erleichtert die Ablesbarkeit der Chronographenzähler. Über dem Zifferblatt kreisen breite Zeiger, die für eine gute Ablesbarkeit mit Superluminova beschichtet sind.

Das nun 42 Millimeter große Edelstahlgehäuse, das 100 Meter Wasserdichtigkeit bietet, verweist auf das Vorbild, wurde aber deutlich überarbeitet. Die Oberflächen sind abwechselnd gebürstet und poliert, die schlanke Lünette zu den Gehäuseseiten hin abgerundet, die harmonisch in die Bandanstöße übergehen. Während das Ursprungsmodell mit einer breiten Krone versehen war, wurde diese – laut Jaeger-LeCoultre zugunsten einer «leichteren Handhabung» – neu gestaltet und fällt nun zierlicher aus. Gerahmt wird sie von den abgerundeten, gut zu bedienenden Drückern, die im Vergleich zum Original ebenfalls überarbeitet wurden.

Ganz neu gestaltet ist zudem das dreigliedrige Metallarmband, dessen Oberflächen ebenfalls abwechselnd gebürstet und poliert sind. Insgesamt ist der Polaris Chronograph eine Uhr, die in vielen Details ganz der Gegenwart entstammt. Die Inspiration durch ein historisches Modell zeigt sich erst auf den zweiten Blick, dafür strahlt die Neuheit pure Exklusivität aus  

Text: Iris Wimmer-Olbort

Bilder: Markus Heilscher/Hersteller

 

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Serienauftakt: Uhren im Vintage Style

TEIL 2 Design-Experimente der 1960er Jahre: Oris Chronoris Date und TAG Heuer Autavia Calibre 02

TEIL 3 Erben der 1970er Jahre: Glashütte Original Seventies Panoramadatum und Girard-Perregaux Laureato Automatic

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