Rolf Bergmann, Porsche Design Timepieces

«Ein echtes Uhren-Start-Up»

Uhren und Sportwagen wecken Emotionen. Sie können aber auch nach den gleichen Prinzipien gebaut werden. Das sagte Rolf Bergmann, Geschäftsführer von Porsche Design Timepieces, im Gespräch mit ARMBANDUHREN.
Porsche Design Timepieces
Rolf Bergmann, Porsche Design Timepieces

Herr Bergmann, Sie haben nach dem Neustart von PD Timepieces aus dem Nichts eine Uhrenfirma aufgebaut. Worin lagen die größten Herausforderungen?

Sie haben recht, das war ein echtes Uhren-Start-up. Dazu mussten wir zunächst eine intensive Planungs- und Genehmigungsphase hinter uns bringen. Richtig los ging es mit dem Einzug in die neuen Gebäude in Solothurn im September 2014. Zu dieser Zeit waren wir schon dabei, geeignetes Personal zu finden und unsere Ablauforganisation zu definieren. Dazu gehören Entwicklungs-, Beschaffungs- und Produktionsprozesse, gefolgt von der Logistikabwicklung, der Installation von EDV- und Finanz-Systemen, um nur einige Aufgaben zu nennen. Parallel zu diesen Aktivitäten haben wir bereits mit der Entwicklung der ersten eigenen Uhrenserie begonnen. Mit neuen Kollegen, adaptierten Abläufen und neuen Lieferanten sofort in eine neue Produktwelt zu starten, hat von allen Mitarbeitern und Lieferanten viel Flexibilität erfordert. Ohne ein Netzwerk aus kompetenten Lieferanten und Mitarbeitern mit Erfahrung in der Uhrenindustrie wäre das so nicht möglich gewesen.

Was macht PD Timepieces besonders?

Ganz klar: unser Qualitätsanspruch. Orientiert an den Standards der Marke Porsche, legen wir größten Wert auf die Funktionalität, die Technik und das Design unserer Produkte. Kompromisse kommen nicht infrage. Dieser Herausforderung stellen wir uns jeden Tag aufs Neue und hinterfragen bestehende Prozesse kontinuierlich.

 

Was hat Sie dazu bewogen, Prinzipien aus dem Automobilbau in den Uhrenbau zu transferieren?

Dahinter steckt der gemeinsame Ansatz, dem Kunden immer das beste Produkt anbieten zu wollen. Wir wissen, wie gut diese Prinzipien und damit verbundene Verfahren im Automobilbau funktionieren. Da geht es sehr stark um Technik und um übergeordnete Planungsthemen, wie beispielsweise die Beschreibung von Anforderungen in einem Lastenheft. Die logische Konsequenz: Wir arbeiten in der Porsche Design Timepieces AG nach den uns bekannten Abläufen und Strukturen von Porsche. Das ist ein einzigartiger Vorteil, da wir auf Strukturen und Prozesse zurückgreifen, die sich bereits in der Sportwagen-Produktion bewährt haben. Und genau nach diesen Prinzipien haben wir einen speziellen Entwicklungsprozess für unsere Uhren definiert, der aus dem Fahrzeugentwicklungsprozess abgeleitet ist. So stellen wir sicher, dass alle Prozessbeteiligten genau wissen, was bis wann zu erledigen ist. Wir sprechen eine Sprache, obwohl wir hier in der Schweiz eher mehrsprachig arbeiten müssen (lächelt).

Stießen Sie dabei auf größere Schwierigkeiten, oder lief alles reibungslos?

Letztlich muss – wie bei einem Uhrwerk auch – alles perfekt aufeinander abgestimmt sein. Dabei gibt es natürlich immer zahlreiche Herausforderungen. Alles, was intern organisiert werden kann, hat man selbst in der Hand. In komplexen Aufgabenstellungen benötigt man jedoch starke Partner, beispielsweise Hersteller von Komponenten oder Laboratorien zur Durchführung unserer umfangreichen Testaufgaben. Eine enge und gut funktionierende Abstimmung ist dabei elementar, ein gemeinsames Verständnis und eine klare Zieldefinition sind unabdingbar. Ein Lieferant muss verstehen, dass die von ihm gelieferten Komponenten einen wichtigen Beitrag zum Gesamtprodukt leisten. Uns ist es daher wichtig, unsere Partner früh und intensiv in das Gesamtprojekt einzubinden. Termine vor Ort in unserer Produktion sind ein gutes Beispiel dafür – ein gemeinsames Qualitätsverständnis ist uns sehr wichtig.

Sie bauen auch Kleinstserien. Warum?

Oberstes Ziel ist es, unserem Kunden ein unverwechselbares Kauf- und Besitzerlebnis zu bieten. Ihm die Wünsche zu erfüllen, die er von unserem Produkt hat. Individualisierung spielt daher eine elementare Rolle. Wir haben unsere Fertigung nach den Porsche-Produktionsprinzipien gestaltet und sind so in der Lage, eine Kundenauftragsfertigung zu realisieren. Dabei ist jede einzelne Uhr ein individuell hergestelltes Stück und durchläuft nach einer exakt festgelegten Montagereihenfolge unsere Produktion – und zwar mit den höchsten Maßstäben an industrielle Standards.

Design ist Teil Ihres Firmennamens. Hat Design deshalb Vorrang vor Technik?

Funktionales Design ist der Markenkern von Porsche Design. Gemäß der Mission, die Professor Ferdinand Alexander Porsche vorgegeben hat, ergibt sich das Design oft wie von allein, wenn man die Funktion einer Sache überdenkt. Das versuchen wir gemeinsam mit unseren Kollegen aus dem Studio F. A. Porsche in Zell am See umzusetzen. Das Design basiert auf einer Funktion, und so ist es für uns dann völlig logisch, dass beispielsweise das Gehäuse des Monobloc Actuator eine natürliche Asymmetrie besitzt. Sie ergibt sich aus der Funktion der Wippe mit ihrem Lagersystem.

Beim Chronograph GT2 RS haben Sie erstmals konstruktiv ins Uhrwerk eingegriffen. Streben Sie die Entwicklung zu einer Manufaktur mit eigenen Uhrwerken an?

Im Vordergrund steht der Wunsch des Kunden. Und dabei überlegen wir natürlich auch, was ein Uhrwerk bieten muss, um die für unsere Kunden beste Funktionalität zu liefern. Nicht zuletzt aufgrund der heute technischen Möglichkeiten ist es für uns eine Pflicht, auch über unsere Uhrwerke nachzudenken. Unsere Chronographen sind technische Meisterwerke, die zum Ermitteln einzelner Zeiten eingesetzt werden können. Mit unserem neuen COSC-zertifizierten Kaliber Werk 01.200 haben wir zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, aufeinanderfolgende Zeiten zu stoppen – beispielsweise an der Rennstrecke, wo Runde um Runde gemessen werden kann. Es ist beeindruckend, wie präzise die verschiedenen kleinen Hebel und Federn ihren «Dienst» verrichten.

Sie setzen beim Vertrieb primär auf den Uhrenfachhandel. Bleiben die Porsche-Zentren als Vertriebspunkte außen vor?

Der Uhrenfachhandel ist für uns ein äußerst wichtiger Vertriebskanal. Wir arbeiten mit renommierten Partnern, bei denen wir schon seit Jahren fester Bestandteil des Sortiments sind, zusammen. Hier trifft Porsche Design auf den Markt der hochwertigen Armbanduhren. Ein weiterer wichtiger Touch-Point sind unsere eigenen Porsche Design Stores, in denen sich die Kunden in der Welt von Porsche Design über die neuesten Modelle informieren und diese kaufen können. Die Porsche-Zentren bleiben dabei aber auch nicht außen vor, sondern werden in das Vertriebskonzept integriert. Zum einen durch Kooperationen und Veranstaltungen mit Fachhändlern und zum anderen durch spezielle Uhrenprojekte, die wir 2017 beispielsweise in Goodwood im Rahmen des Festival of Speed gemeinsam mit Porsche vorgestellt haben.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Unser Ziel besteht darin, in zehn Jahren unseren Bekanntheitsgrad signifikant gesteigert und Porsche Design Timepieces als feste Größe im Uhrenmarkt etabliert zu haben.

Herr Bergmann, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Martin Häußermann.

Zur Person

Dipl.-Ing. Rolf Bergmann, Jahrgang 1972, ist seit 2014 Technischer Geschäftsführer der Porsche Timepieces AG. 1997 schloss er das Studium an der Hochschule Köln als Dipl.-Ing. der Fertigungstechnik ab. Danach stieg er beim Sportwagenbauer Porsche ein, wo er 20 Jahre in verschiedenen Funktionen tätig war, zuletzt als Leiter Planung und Logistik in der Fahrzeugmontage. 2007 wechselte Bergmann zur Porsche Lizenz- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG.

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