Platine, Brücken und Kloben

Zusammenhalt im Werk

Die Platine ist die Basis jeden Uhrwerks, auf der alle Komponenten aufgebaut werden. Gemeinsam mit den Brücken und Kloben hält sie zusammen, was sich dreht, tickt und schwingt. Deren Herstellung kann man bei der Uhrenmarke Lehmann miterleben.
Platine im Rohzustand bei Ulysse Nardin.
Rohling einer Platine von Ulysse Nardin. Diese rechteckigen Werkstücke werden «Barquettes» genannt.

Platine, Brücken und Kloben sind die besten Kollegen: Sie halten das Uhrwerk zusammen. Außerdem haben sie die Herstellung gemeinsam – die Komponenten werden nach den gleichen Prinzipien gefertigt.

Die Hauptrolle spielt dabei die Platine. Sie ist mehr als die Bodenplatte des Uhrwerks. Vielmehr kann man sie mit einer Landkarte vergleichen, die den Werkaufbau vorgibt. Daher weist sie eine komplizierte Struktur auf: Runde Ausfräsungen machen Platz für Räder, eingepresste Steinlager nehmen die Zapfen von Trieben auf, verstiftete oder verschraubte Pfeiler sind gleichermaßen für Fixierung und Abstand zuständig. Diese Passstifte sorgen dafür, dass Brücken und Kloben nach dem Zerlegen eines Uhrwerks beim Zusammenbau genauso exakt auf der Grundplatine sitzen wie zuvor.

Brücken und Kloben sind quasi Gegenpart der Platine: Bewegliche Teile, die beidseitig gelagert sind, ruhen auf der einen Seite auf der Platine und auf der anderen in einer Brücke oder einem Kloben. Brücken sind an mindestens zwei Punkten auf der Grundplatine fixiert und spannen sich – daher auch ihr Name – wie eine Brücke über die Räder und Triebe. Im Gegensatz dazu liegen Kloben nur einseitig auf und sind oft mit nur einer Schraube befestigt. Sie kragen frei über die Werkplatte aus und dienen ebenfalls als Lagerträger für Räderwellen des Werks. Ein typischer Kloben ist der Träger für die Unruhwelle.

Materialwahl bei Platine, Brücken und Kloben

Galvanik von Lehmann Präzisionsuhren
In der Galvanik von Lehmann geht es nicht nur um die Optik, sondern auch um einen Schutz der Uhrwerkskomponenten, die einen galvanischen Überzug erhalten.

In der Regel bestehen Platine, Brücken und Kloben aus Messing, das vernickelt, versilbert, vergoldet oder rhodiniert wird. Dies soll zum einen die Oberfläche schützen, zum anderen dem Werk einen ästhetisch schönen Gesamteindruck bescheren.

Bei Lehmann Präzisionsuhren werden die Rohlinge von langen Messingstangen abgesägt und auf der Drehbank hergestellt. Es folgt ein umfangreiches Programm für die Messingplättchen. Dieses verläuft bei der Herstellung von Platinen, Brücken und Kloben in den einzelnen Arbeitsschritten übrigens nahezu identisch. Daher wird hier die Herstellung von Platinen beschrieben, wie sie bei Lehmann Präzisionsuhren erfolgt.

Zunächst werden die Messingscheiben geglüht, damit sich die durch die Bearbeitung auftretende Spannung abbaut. Danach werden die Rohlinge von beiden Seiten auf Maß geschliffen. Die absolut planen Rohlinge werden in einer CNC-Fräsmaschine auf einer Seite weiterbearbeitet. Dabei werden Konturen und Bohrungen hergestellt, die später zur Aufnahme von Stiften, Lagersteinen oder Rädern dienen. Je nach Komplexität der Platine dauert das pro Seite zwischen 30 und 60 Minuten. Nach einer Reinigung wird die andere Seite bearbeitet.

Schöne Ansichten

Auf strenge Qualitätskontrollen folgen eine erneute Reinigung und das Entfernen des Halterings: Die Platine wird auf einer weiteren CNC-Maschine mithilfe von Diamantwerkzeug ausgetrennt, sodass der Außendurchmesser fertiggestellt wird. Es folgen das Vorentgraten und das Gleitschleifen. Letzteres findet in einem großen Behälter statt, in dessen Trommel die Werkstücke mit speziellen Granulaten oder sanft abrasiven Materialien wie Walnussschalen vermengt werden, was für eine feine, homogene Oberfläche sorgt.

Nun geht es zum Finale, bei dem es um die Schönheit geht: Bei Lehmann werden die Oberflächen hochpräzise gefräst, graviert oder mit dekorativen Schliffen versehen und in der Galvanik veredelt. Die  fertigen Platinen, Brücken und Kloben gehen dann zum Uhrmacher: Unter seinen kundigen Händen kommt jeder aus dem Trio an seinen Platz, um zu halten, was zu halten ist.

Text: Iris Wimmer-Olbort

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