Jaeger-LeCoultre Master Grande Tradition

Little Ben

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Die Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel ist die jüngste Generation des mehrachsigen Tourbillons von Jaeger-LeCoultre, das vor 15 Jahren die Uhrenwelt in helles Entzücken versetzte. Die Neuheit des diesjährigen SIHH folgt in direkter Linie auf die Master Gyrotourbillon 1 (2004), die Reverso Gyrotourbillon 2 (2008), die Master Grande Tradition Gyrotourbillon 3 Jubilee (2013) sowie die Reverso Tribute Gyrotourbillon (2016).
JAEGER-LECOULTRE GYROTOURBILLON WESTMINSTER PERPETUEL
Prachtvolle Inszenierung des Gyrotourbillons unter dem fliegenden Zifferblatt, flankiert von den Trébuchet-Hämmern des Westminsterschlagwerks. Oben die Rückansicht des Handaufzugswerks.

Tourbillons zum Tragen

Durch die verringerten Abmessungen des dreidimensionalen kugelförmigen Tourbillonkäfigs samt der darin enthaltenen Hemmung gelang es den Uhrmachern im Vallée de Joux, die faszinierende Technik aus den Tresoren der Investoren zu befreien und an die Handgelenke der Sammler zu bringen. Trotz seiner Fülle von Komplikationen, auf die wir gleich zu sprechen kommen, ist das neue Gyrotourbillon Westminster Perpétuel mit einem Gehäusedurchmesser von 43 Millimetern bei einer Höhe von 14 Millimetern ein tragbares Schmuckstück von hypnotischer Anziehungskraft.
Alltagstauglichkeit steht bei der Konstruktion von Komplikationsuhren üblicherweise nicht ganz vorn im Lastenheft, doch spätestens seit Jaeger-LeCoultre mit dem Master Tourbillon (Kaliber 978) den Internationalen Chronometriewettbewerb von Le Locle mit neuer Rekordpunktzahl gewann, stehen die Uhrmacher aus Le Sentier in dem Ruf, ihr Handwerk ernster zu nehmen als andere. Dazu zählt, dass eine Komplikation sinnvoll zu sein hat und ohne Beeinträchtigung der Ganggenauigkeit – die Grundprämisse für jedes Uhrwerk – funktionieren muss. Im Idealfall sollte ein Tourbillon die Gangwerte eines Uhrwerks also verbessern, nicht kompromittieren. Die Animation des umlaufenden Drehgestells in zwei Achsen – der äußere Käfig dreht sich innerhalb einer Minute um die eigene Achse, der innere rotiert rechtwinklig dazu zweieinhalbmal so schnell – plus die in einer dritten Achse schwingende Unruh sind kein leichtes Unterfangen. Es erfordert höchste Präzision in der Bearbeitung und Montage der Einzelteile, damit das 3-D-Tourbillon seinen konzeptionellen Vorteil der Kompensation der Schwerkrafteinflüsse auch ausspielen kann. Um dies sicherzustellen, bauten die Uhrmacher in das Uhrwerk der Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel einen Mechanismus zur konstanten Kraftversorgung ein, die sogenannte «Force Constante». Der Mechanismus, in der Uhrmachersprache Französisch «Remontoir d’égalité» genannt, besteht aus einer Feder, die permanent durch die Hauptfeder vorgespannt wird und ihre Energie in sauber dosierten Schüben an das Regulierorgan abgibt. So werden eventuelle Schwankungen in der Federkraft des Hauptfederhauses ausgeglichen.
Beim Handaufzugskaliber 184 reguliert das Remontoir das Minutenrad und erzeugt dadurch einen springenden Minutenzeiger, der ein besseres Ablesen der Zeit gestattet. Auch der Repetiermechanismus nutzt dieses Minutensprung-System und eliminiert somit den Klangfehler, der auftreten kann, wenn die Repetition zwischen den Minuten aktiviert wird und die Anzahl der Minutenschläge nicht zur angezeigten Uhrzeit passt. Womit wir schon mitten im Thema wären.

Repetition mit Westminsterschlag

Dadurch, dass die komplette Tourbillon-Einheit im Vergleich zu den erwähnten Vorgängermodellen erheblich kleiner und kompakter wurde (trotz der eher gestiegenen Zahl von 92 Einzelteilen mit einem Gesamtgewicht von nur 0,4 Gramm), hatten die Konstrukteure Platz für eine weitere uhrmacherische Kostbarkeit: die Minutenrepetition.
Es gibt nur sehr wenige Manufakturen, die über eine mit Jaeger-LeCoultre vergleichbare Expertise für Armbanduhren mit Schlagwerk verfügen. Seit 1870 hat man in Le Sentier über 200 Uhrwerkkaliber mit Schlagwerk entwickelt und produziert. Damals wurde die Geschwindigkeit der Repetitionsklänge üblicherweise von einem Regler mit Anker und Hemmungsrad kontrolliert. Dieser erzeugt ein charakteristisches Rasseln, das im Hintergrund des Klangs antiker Repetitionen zu hören ist – wie auch bei zeitgenössischen Uhren, die noch immer das alte System verwenden. Jaeger-LeCoultre hat jedoch bereits 1895 einen lautlosen Fliehkraftregler patentieren lassen, der heute in den meisten Uhren mit Schlagwerk eingesetzt wird, darunter auch in der Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel.

JAEGER-LECOULTRE GYROTOURBILLON WESTMINSTER PERPETUEL
Die Gyrolab-Unruh ist mit einer halbkugelförmigen Spiralfeder aus blau angelassenem Stahl ausgestattet.

Die neue Minutenrepetition nutzt auch die Vorteile aktueller Erfindungen wie der patentierten Kristall-Tonfeder, die erstmals 2005 in der Master Minute Repeater Antoine LeCoultre verwendet wurde. Diese Federn werden mit dem zifferblattseitigen Deckglas der Uhr verschweißt, um dessen Fläche zur besseren Schallübertragung zu nutzen. Außerdem kommen hier sogenannte Trébuchet-Hämmer zum Einsatz (frz. «Schleuder», «Katapult»), die starke und schnelle Schläge auf die Tonfedern ausführen. Diese haben übrigens keinen runden Querschnitt, sondern sind rechteckig, um die größtmögliche Kontaktfläche mit den Hämmern zu bilden. Die berühmte Melodie des Glockenturms «Big Ben» im Londoner Palace of Westminster ist jedem vertraut. Sie setzt sich aus vier Noten zusammen, die in verschiedenen Sequenzen und zu jeder Viertelstunde unterschiedlich oft gespielt werden. Die Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel verwendet vier Tonfedern, um für die Anzeige der Viertelstunden den Westminsterklang zu reproduzieren. Die Repetition schlägt also nicht nur die übliche Kombination («ding-dong») für jede Viertelstunde, sondern auch die berühmte Vierklangmelodie. Und weil man dem Uhrenliebhaber in den ersten 15 Minuten nach der vollen Stunde diesen akustischen Genuss nicht vorenthalten wollte, schlägt «Little Ben» nach der Stundenzahl erst einmal alle vier Westminstermelodien hintereinander, bevor er die Minuten akustisch herunterzählt. Ein weiterer ausgeklügelter Mechanismus reduziert die Pausen zwischen den drei Schlagwerksequenzen (Stunden, Viertelstunden und Minuten), sodass eine flüssige Melodie entsteht.

Für immer und ewig

Neben dem mehrachsigen Tourbillon mit Konstanter Kraft und der wohltönenden Minutenrepetition ist die Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel auch noch mit einer weiteren uhrmacherischen Komplikation ausgestattet: einem «ewigen» Kalender. Er zeigt automatisch das korrekte Datum an, ohne dass eine manuelle Korrektur zwischen Monaten unterschiedlicher Länge notwendig ist, und berücksichtigt sogar den zusätzlichen Tag Ende Februar in Schaltjahren.
Normale Ewige Kalender können nur in eine Richtung – vorwärts – korrigiert werden, weshalb man eine versehentlich zu weit vorgestellte Uhr eine Weile liegen lassen muss, bis Datum, Wochentag, Monat und Jahr wieder stimmen. Die Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel ermöglicht indes eine Einstellung des Datums in beide Richtungen. Und damit man das Datum auch im laufenden Betrieb stets korrekt ablesen kann, überspringt der Datumszeiger in der Nacht vom 16. auf den 17. eines Monats elegant die Zifferblattöffnung über dem Gyrotourbillon, um auch nicht eine Minute den Blick auf dieses faszinierende Schauspiel zu verstellen.

JAEGER-LECOULTRE GYROTOURBILLON WESTMINSTER PERPETUEL
Das komplette Gyrotourbillon besteht aus 92 Einzelteilen und bringt doch nur 0,4 Gramm auf die Waage.
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