IWC Portugieser Automatic 40

Außen Hui, innen wow!

Teilen
Das Herzstück der aktuellen IWC-Portugieser-Kollektion ist die neu entwickelte Automatikuhr mit fein proportioniertem 40-mm-Gehäuse und astreiner Manufakturtechnik. Eingesetzt wird das neue IWC-Manufakturkaliber 82200.
iwc
Mit ihrem «tragbaren» Durchmesser von etwa 40 mm empfiehlt sich die neue Portugieser Automatic 40 für alle Gelegenheiten.

Die «Portugieseruhr» spielt in der IWC-Folklore eine wichtige Rolle. Sie verdankt ihren Namen und ihre Existenz den beiden portugiesischen Uhren-Importeuren Rodriguez und Teixeira, die gegen Ende der 1930er Jahre an die Schaffhauser Manufaktur mit dem Wunsch nach einer großen Armbanduhr im Stahlgehäuse herangetreten waren. Es herrsche lebhafte Nachfrage, ließen sie wissen. In Portugal und seinen damals noch zahlreichen Kolonien – von Angola über Moçambique bis Macao – war offenbar gerade erst das Armbanduhren-Zeitalter angebrochen. Die wohlhabende Gesellschaft begegnete den zierlichen Zeitmessern mit einer gewissen Skepsis und traute Uhrwerken von weniger als 15 Linien Durchmesser weder Robustesse noch Präzision zu.

Die IWC-Konstrukteure berieten den Fall lange und gründlich. Dann wählten sie ihr damals flachstes und zugleich bestes Taschenuhrwerk aus und schalten es in ein großes Edelstahlgehäuse ein. Es handelte sich um das Kaliber 98 in der Savonnette- Bauweise mit Krone rechts und einer Kleinen Sekunde bei der «6». Ein meisterlich konstruiertes und dekoriertes Brückenwerk von 17 Linien (38 mm) Durchmesser. Die erste Portugieseruhr (Ref. 325) hatte einen Durchmesser von 45 mm.

ZEITLOS ELEGANT MIT NOSTALGISCHEM TOUCH

iwc
Feine Details: aufgesetzte Stundenziffern und Indexklötzchen aus Gold im Zusammenspiel mit einem gebläuten Sekundenzeiger.
iwc Rückseite
Auf der Rückseite wird das anspruchsvolle Manufakturwerk in Szene gesetzt.

So groß wie das Taschenuhrwerk von einst ist das neue Manufakturkaliber 82200 nicht, aber es hat eine Kleine Sekunde, was für eine moderne Werkkonstruktion doch einigermaßen unüblich ist. Aber auf das Zifferblatt einer Portugieser gehört nun einmal eine Kleine Sekunde, und auch im Gehäuse der Da Vinci, in dem das Automatikkaliber vor zwei Jahren sein Debüt gab, machte die kleine Zusatzskala über der «6» eine gute Figur.

Die Kaliberfamilie 82000 wird zusammen mit dem Chronographenwerk (Kaliberfamilie 69000) in der neu errichteten IWC-Manufaktur im Merishauser Tal vor den Toren der Stadt Schaffhausen produziert. Hier entstehen auf modernsten Maschinen, in einer nach fortschrittlichsten Erkenntnissen strukturierten Produktionskette, (fast) alle Werk-Einzelteile. Das lässt auf den Stellenwert schließen, den die beiden Uhrwerke – Dreizeiger-Automatik und Automatik- Chronograph – für die Zukunft der Markenentwicklung haben. Zug um Zug sollen die bislang zugekauften Grundkaliber durch die eigenen Manufakturwerke ersetzt werden, und zwar ohne allzu große Preisaufschläge.

Was beim neuen Portugieser-Chronograph noch einigermaßen funktionierte, geht bei der Dreizeigeruhr nicht ganz auf. Zwar bleibt die Portugieser Automatic 40 mit einem empfohlenen Preis von 7200 Euro deutlich unter der weiterhin produzierten Portugieser (Ref. 5007) mit dem Siebentagekaliber 52010, doch liegt der IWC-Einstiegspreis für Automatikuhren (mit ETA-Technik) noch immer unter 5000 Euro.

NEU KONSTRUIERT NACH KLASSISCHEN VORBILDERN

Das Kaliber 82 knüpft nahtlos an die Tradition der hochwertigen Automatikwerke von IWC an. Es ist mit dem für IWC typischen, besonders effizienten Pellaton-Aufzug bestückt, der beide Drehrichtungen des Rotors für das Aufziehen der Zugfeder nutzt. Wie bei der Kaliberfamilie 52 sind besonders stark beanspruchte Komponenten des Aufzugs aus Keramik gefertigt – etwa der Exzenter, das Automatikrad oder die Klinken. Dank dem Einsatz dieses Hightech-Materials arbeiten sie praktisch ohne Verschleiß. Im Federhaus wird eine Gangreserve von mindestens 60 Stunden aufgebaut. Die rückerlose Unruh mit Flachspirale schwingt mit einer Frequenz von 28.800 A/h (4 Hz) und sorgt für einen präzisen Gang. Die skelettierte Schwungmasse gibt den Blick frei auf das mit Perlagen und Flachschliffen verzierte Werk.

DER PELLATON-AUFZUG

IWC Werkigel
Klicken für große Ansicht. Das neue IWC Manufakturkaliber 82200 hat einen Durchmesser von 30 mm und ist 6,6 mm hoch.

Das IWC Manufakturkaliber 82200 verfügt über einen sogenannten Klinkenaufzug, der nach dem früheren IWC-Entwicklungsleiter Albert Pellaton benannt ist. Die neueste Spielart des Pellaton-Aufzugs verfügt über zahlreiche Bauteile aus verschleißfester Keramik und ist auch sonst in zahlreichen Punkten optimiert. Aber das Grundprinzip der beiden an der Federhausverzahnung angreifenden Haken und ihrer Betätigung durch eine exzentrisch gelagerte Kurbel blieb seit 70 Jahren unangetastet.

Pellaton kam 1944 als neuer Technischer Leiter zur Schaffhauser Manufaktur und verschrieb sich vollkommen dieser Aufgabe. Seine erste Konstruktion war ein Aufzug mit einer nicht rotierenden, sondern seitlich mit Federpuffern begrenzten Pendelschwungmasse, die 1946 zwar patentiert wurde, aber nie in Serie ging. Erst im zweiten Anlauf kam Pellaton auf den unbegrenzt drehenden Rotor – eine Konstruktion, die 1950 patentiert wurde.

Wodurch sich der Pellaton-Aufzug von anderen Aufzugskonstruktionen grundlegend unterscheidet, ist die Kurvenscheibe auf der Rotornabe, die dem Nullstellherz eines Chronographen ähnelt. Auf diesem Herz laufen die Rubinrollen zweier Gabelenden eines Hebelwerks mit den zwei Schaltklinken (groß und klein), die am Klinkenrad wechselseitig die Aufgabe von Aufzug und Rücklaufsperre wahrnehmen. Dadurch wird kein Wechselgetriebe benötigt, schon die geringste Bewegungsenergie wird optimal genutzt.

Das schrägverzahnte Klinkenrad leitet die Bewegungsenergie über ein Trieb und zwei Zwischenräder direkt an das Sperrrad weiter. Auch hier kann auf eine zwischengeschaltete Kupplung verzichtet werden. Der mit Keramik-Bauteilen modernisierte Pellaton-Aufzug ist besonders verschleißarm. Wartungsfreundlich war er schon immer, und er minimiert durch seine genial einfache Bauweise die sonst entstehenden Reibungsverluste. Gleichzeitig schöpft er die kinetische Energie des Rotors optimal aus, was ihm einen hohen Wirkungsgrad verleiht.

Text: Manfred Fritz, Peter Braun

IWC Schließe
Die Faltschließe ist mit dem Medaillon «Probus Scafusia» (Gutes aus Schaffhausen) verziert.

Mit einem Durchmesser von 30 mm ist das neue Manufakturkaliber 82 für ein Dreizeigerwerk recht groß und auch nicht gerade ultraflach. Auch wenn die Architektur eine völlig andere ist, drängt sich auf den ersten Blick ein Vergleich mit dem 37,8 mm großen Kaliber 52 förmlich auf, mit dem es den Pellaton-Aufzug und das Design der Rotorschwungmasse gemein hat. Hätte man einfach den Durchmesser verkleinert, wäre die Bauhöhe gleich geblieben. Um diese von immerhin 7,5 mm um fast einen Millimeter zu reduzieren, musste dann doch alles neu berechnet, sprich: neu konstruiert werden. Die Ingenieure verzichteten nicht nur auf das zweite Federhaus, sondern im Fall des Portugieser-Kalibers 82200 auch auf die Datumsscheibe, die es in anderen Varianten später aber auch geben soll.

PORTUGIESER ALS EINSTIEG IN DIE HAUTE HORLOGERIE

Auch wenn die Portugieser seit ihrer großen Renaissance im Jahr 2000 hauptsächlich als Golduhr wahrgenommen wird, lautete der ursprüngliche Entwicklungsauftrag der beiden portugiesischen Händler eindeutig auf ein Stahlgehäuse. Und so offeriert die IWC im offiziellen «Jahr der Portugieser» (2020) ihren Kunden gleich drei verschiedene Varianten der Portugieser Automatic in Edelstahl: wie abgebildet mit versilbertem Zifferblatt, aufgesetzten vergoldeten Stundenziffern und Blattzeigern, mit versilbertem Zifferblatt und aufgesetzten gebläuten Stundenziffern und Zeigern sowie mit galvanisch blauem Zifferblatt und polierten Stundenziffern und Zeigern aus Stahl.

Allen drei Versionen gemeinsam ist neben dem Edelstahlgehäuse mit 40,4 mm Durchmesserund 12,3 mm Höhe, Saphirgläsern oben und unten sowie einem Alligatorlederband mit Faltschließe auch der Preis von 7200 Euro. Dafür erhält man eine präzise mechanische Armbanduhr mit moderner und hochwertiger Manufakturtechnik in einem zeitlosen, eleganten Look. Dank der reduzierten Abmessungen schlüpft die Portugieser Automatic 40 mühelos unter die Hemdmanschette – auf jeden Fall einfacher als die große Schwester mit der Referenz 5007 – und spielt auch bei den verschiedensten Freizeitaktivitäten problemlos mit.

Text: Peter Braun

Bilder: Jörg Hajt

Mehr Uhren mit Manufakturwerk


Pasha de Cartier


Rolex: Die neue Submariner


Patek Philippe Grande Sonnerie Ref. 6301

Ähnliche Artikel
Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Beitrag melden

    Ihr Name:

    Ihre E-Mail-Adresse

    Bitte beschreiben Sie kurz, warum dieser Beitrag problematisch ist:


    [recaptcha]

    xxx
    Newsletter-Anmeldung

    * Pflichtfeld

    ** Der HEEL Verlag erhebt Ihre Daten zum Zweck des kostenlosen E-Mail-Newsletters. Die Datenerhebung und Datenverarbeitung ist für die Durchführung des Newsletters und des Informationsservice erforderlich und beruht auf Artikel 6 Abs. 1 a) DSGVO. Zudem verwenden wir Ihre Angaben zur Werbung für eigene und HEEL-verwandte Produkte. Sie können sich jederzeit vom Newsletter abmelden. Falls Sie keine Werbung mehr auf dieser Grundlage erhalten wollen, können Sie jederzeit widersprechen. Weitere Infos zum Datenschutz: ds.heel-verlag.de