Zifferblätter bei Glashütte Original

Hier kommt die Zeit

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Grün ist das neue Blau, Blau ist das neue Schwarz – in den vergangenen Jahren ist die Uhrenwelt bunt geworden. Es ist das Zifferblatt, das eine Bühne für diese Farben bietet. Wie sie ins Spiel kommt, zeigt ein Blick auf die Herstellung.
Sorgfältige Handarbeit: Anreibeversilberung eines Zifferblatts.

«Selber machen.» Das ist – pointiert ausgedrückt – der Wesensinhalt einer Manufaktur. Bei Uhrenfirmen bezeichnet man mit diesem Begriff Marken, die eigene Uhrwerke konstruieren und mitsamt den wichtigsten Komponenten selbst herstellen können. Glashütte Original gehört zu dieser Elite. Bei der Herstellung von Zifferblättern ist man nicht weniger versiert: Diese werden in der eigenen Zifferblattmanufaktur mit Sitz in Pforzheim gefertigt.

Dort herrscht nahezu klinischer Sauberkeit, denn Staub ist bei der Zifferblattherstellung der größte Feind. Er könnte sich auf frisch lackierten Oberflächen absetzen und deren Glanz stören oder beim Drucken von Ziffern seine Spuren hinterlassen.

Ganz am Anfang, dort wo die Geschichte der Zifferblätter beginnt, ist das aber noch nicht erforderlich. Es ist das Materiallager, in dem lange Bleche mit einer Stärke von weniger als einem Millimeter lagern. Am häufigsten findet sich hier Messing, aber auch aus Bronze, Neusilber, Silber und Gold werden Zifferblätter hergestellt.

Pressen und glühen

Der Zifferblattrohling nach dem Stanzen und Prägen mitsamt den Abschrägungen an den Fenstern.

Das beginnt mit dem Ausstanzen von Rohlingen aus den Blechen. Dabei können auch Kalenderfenster oder die Aussparung für die Mondphase ausgeschnitten werden. Es folgt ein Pressvorgang: Dieser gibt zum Beispiel den Zifferblattöffnungen eine dekorative Abschrägung. Insgesamt gibt es mehrere Stanz- und Pressvorgänge, zwischen denen jeweils geglüht wird, um das Material zu entspannen und weicher zu machen.

Unter kundigen Händen und wachsamen Augen geht es weiter: Sind Hilfszifferblätter erforderlich, werden diese an einer CNC-Drehmaschine ausgedreht. Ebenfalls im Rohzustand erhält das Blatt Löcher für die Zeiger sowie kleine Löcher, falls später Appliken aufgesetzt werden.

In der Regel ist nun die Zeit für kleine Füßchen am Zifferblatt. Diese werden aufgeschweißt und sorgen später für den präzisen Sitz des Zifferblatts auf dem Uhrwerk. Damit sind die funktionalen Anforderungen weitgehend erfüllt – ab jetzt geht es nur noch um die Schönheit. Das beginnt mit dem Schleifen und Polieren des Zifferblatts. Je nach Design wird zum Beispiel mit einem Sonnenschliff dekoriert oder eine Guillochierung aufgebracht.

Blick in die moderne Galvanik von Glashütte Original: Hier werden Farben aufgebracht sowie Vergoldungen und Rhodinierungen vorgenommen.

Farbe kommt ins Spiel

Nun geht es um Farbe, die entweder durch Lackieren oder durch Galvanik ins Spiel kommt. Zum Teil sind mehrere Auflagen – zum Beispiel zunächst Vernickelung, dann Vergoldung und schließlich Farbe – erforderlich.

Ob Galvanik oder Lack: Wenn die Farbe passt und die Oberfläche stimmt, ist es Zeit für Ziffern oder Skalen, Minuterie oder Stundenmarkierungen. Sie werden mittels Tampondruck aufgebracht. Ein weicher Gummiballon nimmt die Farbe aus den Vertiefungen einer Druckplatte – auch Matrize oder Klischee genannt – auf und wird von Hand mit geübtem Schwung auf das Zifferblatt gedrückt.

Die gesamte Beschriftung des Zifferblatts wird in mehreren Durchgängen aufgetragen – Logo, Markierungen oder feine Skalierungen werden oft einzeln gedruckt. Für gut befunden, kehrt nun das galvanisierte oder lackierte, fertig bedruckte Zifferblatt in den Arbeitskreislauf zurück.

Was fehlt noch? Zum Beispiel Leuchtfarbe oder Appliken, deren 0,21 Millimeter feinen Füßchen von Hand in die Bohrungen im Zifferblatt gesetzt werden. Diese werden per Laser auf der Rückseite verschweißt und verschliffen. Ist auch das gelungen, steht die letzte Endkontrolle an. Nach deren Bestehen gehen die Zifferblätter auf die Reise: nach Glashütte, um eine Uhr der Manufaktur zu komplettieren.

Text: Iris Wimmer-Olbort  

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