Breitling B31Das eigene Tempo bestimmen
Mit der Einführung des neuen Automatikwerks B31 macht sich Breitling auch im Bereich der Dreizeigeruhren langsam von externen Zulieferern unabhängig.
ARMBANDUHREN: Ein zentrales Thema bei Van Cleef & Arpels sind die „poetischen Komplikation“. Beispiele sind die Modelle Lady Arpels Bals des Amoureux Automatex mit bewegten Figuren und Lady Arpels Heures Florales Cerisier mit Blüten, die sich in Einklang mit der Zeit öffnen und schließen. Wie gut lässt sich dieses Konzept auf Herrenuhren übertragen?
William Faura: Die größte Herausforderung – und zugleich unser Ziel – ist es, Emotionen zu vermitteln. Darum dreht sich alles. Wir arbeiten mit technischen Komponenten und handwerklichen Prozessen – also mit sehr rationalen Elementen. Doch wenn alles zusammenkommt, entsteht ein Produkt, das Emotionen auslöst. Unser Anspruch ist es, eine Uhr so zu gestalten, dass diese Emotion beim Tragen spürbar wird.
Bei Uhren für Frauen kann man sich das vorstellen und in den vergangenen Jahren haben Sie sich eher auf feminine Modelle konzentriert. Wie ist die Tradition von Van Cleef & Aspels in Bezug auf Uhren für Männer?
Das geht weit zurück. Bei Armbanduhren bis zu Pierre Arpels, einem Mitglied der Gründerfamilie. Er entwarf 1949 eine Uhr für sich selbst, auf die unsere Linie «Pierre Arpels» heute beruht. Allerdings unterscheiden wir heute weniger strikt zwischen Herren- und Damenuhren. Stattdessen sprechen wir von unterschiedlichen Gehäuseformen, etwa der «Lady» oder «Lady Arpels» und der «Midnight». Die Linie Midnight wirkt zwar tendenziell maskuliner, ist aber keineswegs ausschließlich Männern vorbehalten – viele Frauen schätzen dieses Design ebenfalls. In den letzten Jahren lag unser Fokus stärker auf der Ladies-Kollektion. Nun wollen wir die Linie Midnight wiederbeleben und ein neues Kapitel hinzufügen.
Dafür stehen Ihre beiden Neuheiten Midnight Jour Nuit Phase de Lune und Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs. Die erste kombiniert auf völlig überraschende Weise eine Tag-Nacht-Anzeige mit der Darstellung der Mondphase, die andere ist das neue Design einer Uhr mit zwei Zeitzonen mit springenden Stunden. Was ist die Gemeinsamkeit dieser Uhren?
Wir bei Van Cleef & Arpels entwickeln unsere Zeitmesser stets entlang bestimmter Themen – etwa Natur, Astronomie, Liebe, Feen oder Glück. Im Fall der Mondphase stand das Thema Astronomie im Mittelpunkt. Die Mondphase ist eine klassische Komplikation der Uhrmacherei, doch wir wollten sie neu interpretieren – in einer poetischeren Form. Wir haben intensiv daran gearbeitet, nicht nur die Mechanik diesem Anspruch anzupassen, sondern auch die richtige gestalterische Umsetzung zu finden.
Wurden die Uhrwerke von Van Cleef & Arpels entwickelt?
Ja, wir entwickeln seit 2018 eigene Module mit einem Team, das seither sehr gewachsen ist. Das Basiswerk stammt von langjährigen Partnern und ist technisch sehr robust. Darauf aufbauend konstruieren wir zusätzliche Module, die die gewünschten Komplikationen ermöglichen und unsere gestalterischen Ideen umsetzen.
Sowohl die Midnight Jour Nuit Phase de Lune als auch Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs verfügen über solche Module. Indem wir uns nicht um die Basisarchitektur der Uhrwerke kümmern müssen, können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren – die Verbindung von Mechanik mit poetischen Geschichten.
Wie lange dauert die Entwicklung einer poetischen Komplikation in Ihrem Hause?
Bei poetischen Komplikationen dauert die Entwicklung in der Regel vier bis sechs Jahre. Die entscheidende Phase findet am Anfang statt: Es geht darum, die richtige Idee zu finden und sicherzustellen, dass sie technisch umsetzbar ist. Es gibt einen intensiven Austausch zwischen Kreativstudio und Technik.
Darauf folgen Prototypen, Tests und Qualifizierungen, was mehrere Monate in Anspruch nimmt. Insgesamt ist es ein sehr zeitintensiver Prozess.
Die Midnight Jour Nuit Phase de Lune ist eine ungewöhnliche Komplikation. Was waren die größten technischen Herausforderungen bei der Konstruktion?
Die größte Herausforderung lag im Gewicht der beiden rotierenden Scheiben und deren Einfluss auf die Gangreserve. Die Uhr ist relativ kompakt, enthält aber Elemente aus Perlmutt und Gold. Um das Gewicht zu reduzieren, haben wir eine spezielle Trägerplatte aus einem sehr leichten Material entwickelt – leichter als Titan. Zusätzlich wurde ein spezielles Räderwerk entwickelt, um den Energieverbrauch zu minimieren.
Von alledem sieht man leider nichts: Der Gehäuseboden ist sehr schön gestaltet, zeigt aber kein Uhrwerk. Warum?
Es gehört zu unserer DNA, eine Geschichte zu erzählen – und diese auch auf der Rückseite fortzuführen. Deshalb zeigen wir das Werk bewusst nicht. Wir wissen, dass es da ist, und wir wissen, wie schön es aussieht. In manchen Modellen, etwa der Pont des Amoureux, integrieren wir sogar kleine, verborgene Details. Aber grundsätzlich ist es eine bewusste Entscheidung des Kreativstudios, die Mechanik nicht sichtbar zu machen.
Aktuell konzentrieren Sie sich sehr auf die beiden Neuvorstellungen, Midnight Jour Nuit Phase de Lune und Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs. Wen Sie sich entscheiden müssten – welches Modell ist aktuell Ihr Favorit?
Das ist eine schwierige Frage. Die Wahl fällt mir nicht leicht, denn ich schätze beide – aber aus unterschiedlichen Gründen.
Für mich ist die Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs eine äußerst elegante Uhr, ideal für das tägliche Tragen und auf Reisen. Besonders fasziniert mich das Spiel des Lichts auf dem Zifferblatt. Zudem kenne ich den technischen Aufwand, der nötig war, um dieses Email-Zifferblatt zu entwickeln – ich weiß also, wie viel Arbeit dafür erforderlich war.
Die Mondphase der Midnight Jour Nuit Phase de Lune hingegen ist eine sehr schöne Komplikation. Sie bietet eine andere Art, den Mond darzustellen und zu interpretieren – und sie hat auch etwas Spielerisches. Man kann regelrecht mit der Uhr interagieren. Aus ingenieurtechnischer Sicht ist sie ebenfalls sehr spannend, da sie die reale Bewegung des Mondes in Echtzeit nachbildet. Wenn man den Drücker betätigt, richtet sich alles korrekt aus und bewegt sich in die richtige Position.
Technisch ist das äußerst anspruchsvoll – und doch bleibt diese Komplexität für den Träger unsichtbar. Genau das gefällt mir besonders gut: Die technische Raffinesse ist vorhanden, tritt aber nicht in den Vordergrund.
Das Gespräch führte Iris Wimmer-Olbort





