The Great Gatsby

Chic der 1920er

Dezember 2025. Vor hundert Jahren wurde der Roman «The Great Gatsby» von F. Scott Fitzgerald veröffentlicht. Die Geschichte über die New Yorker Schickeria hat den «Roaring Twenties» ein Denkmal gesetzt. Ihr Stil ist aktueller denn je.

Das Sittenportrait der New Yorker High Society, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg bei rauschenden Partys in ihren Villen auf Long Island feierte, kam im Jahr 1925 bei seiner Erstveröffentlichung wohl noch etwas zu früh. Populär wurde F. Scott Fitzgeralds Roman nämlich erst in den 1940er Jahren, als die Menschheit die Schrecken des Zweiten Weltkriegs vergessen oder doch zumindest verdrängen wollte.

Einen noch viel größeren Erfolg erzielte die Verfilmung von «The Great Gatsby» 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs: Die Flucht in die glamouröse, verruchte und dabei doch irgendwie heile Welt der Schönen und Reichen brachte die Menschen in den Kinos auf andere Gedanken. Selbst in der Neuauflage 2013 mit Leonardo DiCaprio und Carey Mulligan in den Hauptrollen hatte die tragische Geschichte um den einsamen Millionär Gay Gatsby und seine Jugendliebe Daisy nichts von ihrer Attraktivität verloren.

Eine Frage des Stils

Cartier Tank Américaine in Platin, Kaliber 1899 MC Automatik, 26.500 Euro.

Knickerbocker mit Hosenträgern und Newsboy-Cap oder «Kreissäge» (Boater) zum Dreiteiler mit Fliege, wie sie in den zwanziger Jahren getragen wurden, treffen nicht mehr so ganz den Modegeschmack der modernen Gesellschaft. Einzelne Accessoires schon eher: Man denke an das Einstecktuch, den Anstecker am Revers, das polierte Feuerzeug, den Füllfederhalter in der Brusttasche – oder die Uhr am Handgelenk.

Die Armbanduhr ist ein Kind der «wilden» zwanziger Jahre und verdankt ihren Siegeszug der weltweiten Aufbruchsstimmung nach Krieg und Inflation, die mit gesellschaftlichen Umwälzungen, technologischem Fortschritt und einem grenzenlosen Optimismus einherging. Uhrenhersteller demonstrierten mit kleinen Uhren ihre Expertise in der Konstruktion neuer Uhrwerke. Formwerke für rechteckige und tonnenförmige Gehäuse hatten Konjunktur, denn wie hätte man besser demonstrieren können, dass darin kein altes Damen-Taschenuhrwerk tickte?

Vacheron Constantin Traditionnelle in Roségold 28.300 Euro, in Platin 39.300 Euro.

Natürlich stürzten sich zunächst vor allem die Damen auf die Armbanduhren, die – an Kettchen, Kordeln oder Flechtriemen getragen – gleichzeitig schöne Schmuckstücke fürs Handgelenk waren. Die neuen, fließend geschnittenen Kleider hatten überdies keine Taschen, in denen man eine Uhr hätte tragen können.

Aber auch die Herren kamen in den Genuss einer gelockerten Kleiderordnung. Anzüge konnte man bedenkenlos ohne Weste tragen, und damit verschwand auch die Westentasche, das natürliche Habitat der Taschenuhr. Zwar konnte sich zu Gatsbys Zeiten noch längst nicht jeder Mann eine eigene Uhr leisten, aber wer zu Geld kam, dem wurde die Entscheidung leicht gemacht: Lässig gekleidet und doch immer die Zeit im Blick – das Bild des erfolgreichen Geschäftsmannes hatte sich verändert.

Vacheron Constantin Traditionnelle Handaufzug, Kaliber 4400 AS/270, Jubiläumsedition (270 Jahre)

Sport – aber in Massen

Auch (Freizeit-)Sportler wussten den Komfort der Armbanduhr zu schätzen, und so sahen sich die Uhrenhersteller plötzlich mit nie gekannten Problemen konfrontiert: Rasche Lagenveränderungen, schleudernde Bewegungen und harte Stöße setzten den Uhrwerken ebenso zu wie den (dünnen) Gehäusen und bruchempfindlichen Mineralgläsern. Die ersten Sport-Armbanduhren waren entsprechend ungeschlacht und klobig.

aeger-LeCoultre Reverso Tribute Monoface, Formwerk Kaliber 822 Handaufzug, in Edelstahl, 9550 Euro.

An dieser Stelle kommt unweigerlich das Konzept der Reverso ins Spiel, deren elegantes Rechteckgehäuse sich durch einen pfiffgen Klapp- und Wendemechanismus am Handgelenk umdrehen ließ, sodass das empfindliche Uhrenglas sich dem Handgelenk zuwandte und vor Stößen geschützt war. Polospieler hatten die Entwicklung angeregt, die César de Trey umsetzen und patentieren ließ und an Jaeger-LeCoultre verkaufte. Dort wurde die Wendeuhr erst zu einem bescheidenen Verkaufserfolg und später – viel später – zur Ikone der Marke.

Louis Cartier hatte schon viel früher auf rechteckige Armbanduhren gesetzt. Kein Wunder, denn der kreative Juwelier lebte schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts abwechselnd in Paris, New York und Sankt Petersburg und hatte den Finger am Puls der Zeit, wie man so sagt. Bereits 1904 hatte er für seinen Freund Alberto Santos-Dumont eine robuste Handgelenkuhr entworfen, damit dieser im Cockpit seiner Fluggeräte stets die Zeit im Blick haben konnte. Und 1919 landete Cartier mit der rechteckigen Tank einen riesigen Erfolg, von dem die Marke bis heute zehrt. Die überstehenden Gehäuseflanken sind übrigens von den umlaufenden Gleisketten der im Ersten Weltkrieg verwendeten Panzerfahrzeuge («Tanks») inspiriert.

Auch eine runde Sache

Patek Philippe Calatrava Ref. 6119G, Kaliber 30- 255 PS, Handaufzug, in Weißgold 33.373 Euro.

Die meisten Armbanduhren waren indes schon vor hundert Jahren mit runden Gehäusen, Zifferblättern und Uhrwerken ausgestattet, denn die neuen Konstruktionen wurden in den 1920er Jahren ja zumeist auf denselben Maschinen gefertigt wie kurz zuvor noch die Taschenuhren. Das über diesen langen Zeitraum so ungeheuer umfangreiche Angebot an runden Armbanduhren macht es heute schwerer, einzelne «Ikonen» aus der Frühzeit zu benennen. Beispiele für eine lange ununterbrochene Modellgeschichte gibt es logischerweise nur bei Uhrenmarken mit einer langen ununterbrochenen Firmengeschichte. Wie Patek Philippe zum Beispiel, gegründet im Jahr 1839 und lange Zeit der Taschenuhr aufs Innigste verbunden. Das Thema Armbanduhr spielte dennoch schon sehr früh eine wichtige Rolle, wenn auch weniger im kommerziellen Bereich als in der Demonstration überragender Fähigkeiten auf dem Gebiet der technischen Miniaturisierung. Patek Philippe produzierte hochfeine Damen-Armbanduhren mit Repetitionsmechanismus, aber auch Schleppzeiger-Chronographen und Ewige Kalender für Herrenhandgelenke. Die schlichte Calatrava, die der kurz zuvor an ihren Zifferblattlieferanten verkauften Firma über die Weltwirtschaftskrise hinweghalf, kam erst 1932. Sie war nach dem Kreuz des Calatrava-Ritterordens benannt, der im zwölften Jahrhundert Spanien vor den Mauren beschützen wollte.

Die ebenfalls in Genf ansässige Manufaktur Vacheron Constantin ist fast 100 Jahre älter als Patek Philippe und trägt ihr Ordenskreuz sogar im Markenzeichen: das Malteserkreuz, bis heute ein Symbol für heilende und wohltätige Organisationen. Die Modellgeschichte des Hauses zeigt sehr anschaulich, wie sich die Armbanduhren in den 1920er Jahren aus Taschenuhren entwickelten und das Tragen am Handgelenk mit interessanten Lösungen zur Befestigung ermöglicht wurde. In jener Epoche der 270-jährigen Firmengeschichte hatte sich das Unternehmen bereits komplett der Eleganz verschrieben. Zwei Modellreihen – Patrimoine und Traditionnelle – halten die Erinnerung an die hinreißend schlichten Formen der frühen Armbanduhren von Vacheron Constantin lebendig.

Text: Peter Braun

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