Spezial Kalenderuhren: Teil 1

Rund um den Tag

Kalenderuhren können mehr als nur das Datum anzeigen. Hinter dem Begriff verbergen sich zahlreiche Varianten, nützliche Funktionen und interessante Mechanik, die wir in einer dreiteiligen Serie vorstellen.
Großdatum bei A. Lange & Söhne.
In der Montage bei A. Lange & Söhne wird der Ring mit den Einerzahlen des Großdatums aufgesetzt.

Welchen Tag haben wir heute? Wer eine Uhr mit Datumsfunktion trägt, muss nicht nach dem Kalender sehen, sondern kann auf sein Handgelenk blicken. Diese Annehmlichkeit macht die Datumsanzeige zur beliebtesten Zusatzfunktion, die ungeahnt vielfältig ist. Zum Beispiel das Plus an Komfort – wenn bei einem sogenannten Vollkalender zusätzlich Wochentag und Monat oder sogar das Jahr angezeigt werden.

Verschiedene Varianten

Unterteilen kann man Kalenderuhren nach einem einfachen Kriterium: Wie oft sind während eines Jahres Korrekturen nötig? Wie häufig muss man also Hand anlegen, um die Anzeigen auf den aktuellen Stand zu bringen?

Die Deklination der Kalenderuhren beginnt mit der Datumsanzeige: Einfache Kalenderuhren bedürfen fünfmal pro Jahr der Korrektur – in all jenen Monaten, die kürzer als 31 Tage sind. Der Jahreskalender ist da schon weiter: Ihm macht nur der Februar mit seinen mal 28 und mal 29 Tagen Schwierigkeiten – einmal pro Jahr ist in diesem Zeitraum ein Nachstellen erforderlich.

Vollkalender Fiftysix von Vacheron Constantin
Aus der aktuellen Kollektion: Vollkalender Fiftysix von Vacheron Constantin.

Dies benötigen Uhren mit der Bezeichnung Vierjahres-oder Schaltjahrkalender nicht – sie gestehen dem Februar automatisch 28 Tage zu; nur in Schaltjahren muss von Hand nachjustiert werden. Diese seltene Variante realisierte in jüngerer Zeit zum Beispiel Breitling in der Linie Transocean mit einem exklusiv von Dubois-Dépraz gelieferten Kaliber auf der Basis des ETA 2892.

Ganz oben in der Hierarchie der Kalenderuhren steht der ewige Kalender, der sogar die Schaltjahre berücksichtigen kann. Erst wieder im Jahr 2100, wenn das Schaltjahr wie alle hundert Jahre ersatzlos entfällt, bedarf er einer manuellen Korrektur. Ob dieser Weitsicht ist die Komplikation des ewigen Kalenders unter den Kalenderuhren der aufwendigste und teuerste Mechanismus.

Fenster oder Zeiger

Protagonist der Kalenderuhren ist die Datumsscheibe. In Standardwerken ist sie ein innen mit Zähnen versehener Ring rund um das Uhrwerk, auf dem die Ziffern von 1 bis 31 aufgedruckt sind. Alternativ gibt es das Zeigerdatum, bei dem – der Name sagt es – ein Zeiger aus der Mitte auf einem Zahlenkreis rund um das Zifferblatt oder auf einem kleinen Hilfszifferblatt rotiert.

Wie schnell gegen Mitternacht das entsprechende Datum in einem Fenster angezeigt wird, hängt wiederum von der Konstruktion ab. So gibt es den schleppenden oder progressiven Datumswechsel, bei dem die Datumsscheibe innerhalb von zwei bis drei Stunden langsam weitergedreht wird. Schneller geht es mit dem «halb-augenblicklichen » («semi-instantané» in der Uhrmachersprache Französisch) Wechsel innerhalb von rund 90 Minuten, vor allem aber mit dem augenblicklichen Datumssprung, der auf die Minute genau erfolgt.

Blick ins Werk

Das Grundprinzip der Datumsanzeige in einem Fenster beruht auf Komponenten, die sich unter dem Zifferblatt befinden. Erforderlich ist ein eigenes Räderwerk mit Hebeln und Sperrklinke, das mit dem Stundenrad im Eingriff steht. Dieses trägt den Stundenzeiger und sorgt zugleich für den Antrieb des Kalender-Räderwerks.

Bei einem Vollkalender sind neben der Datumsanzeige weitere Scheiben erforderlich, da zusätzlich zum Datum noch Wochentag und Monat angezeigt werden. Die Anzeige des Tages wird in der Regel über den gleichen Mechanismus fortgeschaltet wie das Datum, bisweilen unterstützt durch ein separates Mitnehmerrad.

Der Monat wird über den Datumsstern gesteuert: Dieses Zahnrad vollendet einmal in 31 Tagen eine Umdrehung und schaltet nach deren Vollendung mit dem darüber liegenden Monatsfinger die Monatsanzeige eine Stufe weiter. Diese Konstruktion «kennt» allerdings nur Monate mit 31 Tagen – in allen anderen muss korrigiert werden.

Text: Iris Wimmer-Olbort

Lesen Sie mehr aus unserer Serie über Kalenderuhren:

Teil 2: Spezialität für zwölf Monate – der Jahreskalender

Teil 3: Blick ins Werk: Mechanik für Kalenderuhren

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz:

Fragen rund um Kalenderuhren

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