Rolex Oyster: Modellgeschichte

Der Weg zur eleganten Sportuhr

Wohl kein Uhrendesign hat das Bild der klassischen Sportuhr mehr geprägt als die Rolex Oyster. Allen voran die Submariner, aber auch die GMT-Master und die Explorer, die in ihren unterschiedlichen Ausführungen den neuen Uhrentyp der „Tool Watch“ propagiert haben: hochwertige Uhren für die unterschiedlichsten Anforderungsprofile, die in enormen Höhen, bei extrem niedrigen oder extrem hohen Temperaturen, in großer Wassertiefe oder bei extrem starken Magnetfeldern zuverlässig funktionieren. Dazu kamen die Chronographen, die es in einer zunehmend von Geschwindigkeit dominierten Welt gestatteten, auch die kleinste Zeiteinheit exakt zu erfassen.

Populär wurde die Marke Rolex Ende der zwanziger Jahre mit dem Modell „Prince“, einer eleganten Rechteckuhr mit zweigeteiltem Zifferblatt: Der dezentrale Sekundenzeiger verfügte über einen ebenso so großen Skalenkreis wie die Zeitanzeige mit Stunden- und Minutenzeiger. Die Uhr wurde ab 1928 in unterschiedlichen Gehäusevarianten offeriert, unter anderem als „Railway“ mit seitlich abgestuftem oder als „Brancard“ mit tailliertem Gehäuse, zum Teil auch in unterschiedlichen Edelmetall-Kombinationen. Das 18-steinige Formwerk Kaliber T.S. Ref. 300 hatte die Abmessungen 16,9 x 32,7 mm. Es besaß eine Schwanenhals-Feinregulierung, war meistens nach Chronometernorm reguliert und verfügte über eine stabile Lagerbrücke für die Unruh. Dadurch unterschied es sich von den anderen Werken „von der Stange“. Der Produzent Aegler lieferte auch an andere Hersteller wie Gruen und Alpina – ein Umstand, der es Fälschern heute leicht macht, neue „Prinzen“ herzustellen, Sammler sollten entsprechend vorsichtig bei all zu günstigen Angeboten sein. Apropos: Rolex präsentierte 2005 eine zeitgemäße Neuinterpretation dieses Modells, selbstverständlich Chronometer-zertifiziert mit Handaufzug.

Rolex Prince von 1935
Rolex Prince von 1935 mit charakteristischer Zifferblattaufteilung.
Rolex Prince Handaufzug Uhrwerk
Ein frühes Prince-Handaufzugswerk, reguliert in sechs positionen «for all climates».

Während es sich bei den frühen Formuhren, ebenso wie bei den Chronographen und den „Pre-Oyster“-Modellen um Handaufzugswerke, wurden die wasserdichten „Austern“ bald mit dem exklusiv von Aegler in Biel für Rolex gefertigten Perpetual-Kaliber gebaut, für dessen beidseitig aufziehende Rotorautomatik 1933 ein Patent erteilt wurde. Ihren posthum erworbenen Spitznamen „Bubble Back“ verdanken diese frühen Automatik-Modelle ihrem bauchigen Gehäuseboden, der Platz schaffte für den Rotor. Auch durch ihre elegant integrierten Bandanstöße unterschieden sich die neuen Uhren von anderen Rundmodellen, die mit angelöteten Drahtbügeln zur Bandbefestigung noch sehr an umgebaute Taschenuhren erinnerten. Mit der „Hooded Bubble Back“, die im Sommer 1938 mit verdeckten Bandanstößen auf den Markt kam, wurde erstmals auch ein Bicolor-Modell in Stahl/Gold angeboten. Hier debütierte auch das Rolex-typische Metallband, das eine optische Einheit mit der Uhr bildet. Bis zum heutigen Tag prägt es nachhaltig den optischen und haptischen Eindruck der Sportuhrenlinie.

Robust und sportlich

Schon 1936 hatte Rolex für die in Florenz ansässige Firma Panerai eine wasserdichte Uhr für die italienische Kriegsmarine entwickelt. Die ersten Prototypen der „Radiomir“ wurden sogar bei Rolex gefertigt.

Rolex Taucheruhr für Officine Panerai
In den Dreißigern entwickelte und produzierte Rolex Taucheruhren für die Officine Panerai.

Doch die große Erfolgsstory der Marke begann 1953 mit der Taucheruhr „Submariner“, der allerdings der „Turn-O-Graph“ vorausgegangen war, eine so genannte „Tool Watch“ („Werkzeug-Uhr“) mit drehbarer Lünette, von Rolex als einfacher Chronograph annonciert.

1953 wurde auch die Explorer vorgestellt, 1954 folgten die GMT-Master mit zweiter Zeitzone und zusätzlichem 24-Stunden-Zeiger und die „Milgauss“, die Magnetfeldern bis 1000 Gauß widerstand. Die 1956 eingeführte „Day-Date“ bietet mit der Anzeige von Wochentag und Datum die für den Geschäftsmann wichtigen Informationen. Die einfachere „Datejust“, deren Datumsanzeige exakt um Mitternacht umspringt, war vom Start weg auch als Damenuhr erhältlich, und Rolex setzte seinen ganzen Ehrgeiz daran, die zierlichen Uhrwerke ebenfalls als Chronometer zertifizieren zu lassen – kein leichtes Unterfangen!

1961 präsentierte Rolex den Cosmograph Daytona, 1971 die Sea-Dweller 2000 (wasserdicht bis 610 m), 1980 die Sea-Dweller 4000 (bis 1220 m) und 1983 die GMT-Master II. Ebenfalls in den 70er Jahren erschien die Explorer II, die – eigens für Höhlenforscher gedacht – über eine 24-Stunden-Anzeige verfügte. 1992 wurde mit der „Yacht-Master“ ein neuer Produktname kreiert, während das Modell „Air-King“ als preiswerte Oyster ohne Datumsanzeige zu den mit am längsten gebauten Modellen gehört. Viele dieser Modelle sind bis heute im Programm, permanent weiterentwickelt und verbessert, jedoch für den Laien oftmals kaum von den Ur-Modellen unterscheidbar. Auch die Milgauss, deren erster Produktionszyklus 1988 auslief, ist seit 2007 in überarbeiteter Version wieder verfügbar.

Werbeträger

Schon früh verstand es Rolex, prominente Kunden – Sportler, Wissenschaftler, Künstler, Abenteurer oder Extrembergsteiger – für die Marke zu gewinnen. Der erfolgreichste Motorsportler der 30er-Jahre, Mercedes-Benz-Werksrennfahrer Rudolf Caracciola, ging mit einem Rolex-Chronographen am Start, ebenso der „schnellste Mann der Welt“, Geschwindigkeitsrekordhalter Sir Malcolm Campbell sowie die Weltklasse-Golfer Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Gary Player. Die Chronographen von Skifahrer Jean-Claude Killy und Schauspieler Paul Newman werden in Sammlerkreisen heute sogar mit dem Namen ihrer Träger assoziiert. Bei der Erstbesteigung des8848 Meter hohen Mount Everest 1953 durch Sir Edmund Hillary und Tensing Norgay war ebenso eine Rolex dabei wie 1960 beim Tauchgang der „Trieste“, als Jacques Piccard im Pazifik in eine Tiefe von 10.916 Meter vordrang.

Für die variantenreiche Sportuhrenfamilie fand zumeist ein Basiswerk mit Automatikaufzug Verwendung, das den Einsatzzwecken entsprechend durch Magnetfeldschutz, zweite Zeitzone, 24-Stunden-Anzeige usw. modifiziert wurde. 1950 begann diese Entwicklung mit dem Kaliber 1030, das einen Durchmesser von 28,5 mm und eine Höhe von 5,85 mm hatte. Die Schwingfrequenz betrug moderate 18.000 A/h. Das Werk verfügte über 25 Steine und eine Schraubenunruh mit Regulierscheibchen, Breguet-Spirale und Chronometerregulierung. 1957 folgte das Kaliber 1530 mit gleichem Durchmesser, aber 26 Steinen. Abgeleitet von diesem Werk wird 1963 bei den Kalibern 1520 und 1580 die Halbschwingungszahl auf 19.800 A/h erhöht. Die Schraubenunruhe mit 2 Regulierschrauben Micro-Stella findet beim Kaliber 1555, ebenfalls eine Ableitung vom Kaliber 1530, Verwendung.

Unter der Kalibernummer 3035 (Durchmesser 28,5 mm, Höhe 6,35 mm) wurde 1977 ein komplett neues Werk präsentiert. Es verfügte über 27 Steine, die Schwingungszahl betrug nun 28.800 A/h. Die letzte Ausbaustufe in dieser Reihe ist das 1990 vorgestellte Kaliber 3135, das noch einmal in zahlreichen Details verbessert wurde. Diese konservative Modellpolitik schlägt sich auf die Qualität nieder: Die ausgereifte Technik ist ein Garant für die bedingungslose Zuverlässigkeit und die exzellenten Gangwerte der Rolex-Uhren.

Rolex spezial Oyster Mariannengraben
Am Rumpf des Taucherboots «Trieste» von Jacques Piccard erreichte eine spezielle Oyster mit armiertem Gehäuse und Dom-Glas die tiefste Stelle des Pazifiks im Mariannengraben, 10.916 Meter unter dem Meeresspiegel.

Eine Welt für sich

Eine besondere Rolle spielten bei den Rolex-Sportuhren stets die Chronographen. Diese sind nicht nur als Neuuhren begehrt und gesucht (speziell die künstlich knapp gehaltenen Varianten im Edelstahlgehäuse), auch historische Modelle erzielen bei Auktionen Spitzenpreise – bis zum Zwanzigfachen ihres einstigen Ladenpreises.

Die frühen Rolex-Chronographen mit Ein-Drücker-Steuerung (ab ca. 1930) waren mit dem 13-linigen VZ oder dem 10 ½-linigen 69 Schaltradkalibern von Valjoux ausgestattet. Es waren, dem Zeitgeschmack entsprechend, zierliche Uhren mit einem Durchmesser zwischen 28 und 32 mm Durchmesser. Erst mit der Ablösung des VZ-Kalibers durch das Valjoux 22 (14 Linien, entsprechend 32 mm Werkdurchmesser) wurden die Uhren größer, und neben den traditionellen Chronographen mit rundem Gehäuse wurden auch quadratische Gehäuse verwendet. Mit 44 mm auch für heutige Verhältnisse imposant dimensioniert war der seltene Schleppzeiger-Chronograph mit dem Kaliber Valjoux 55 VBR.

Nach Valjoux 22 und 23 folgt etwa ab 1948 das Valjoux 72, das bis in die achtziger Jahre hinein die meisten Rolex-Chronographen und ihre Derivate von der Kalenderuhr, dem „Cosmograph“, am Anfang noch ohne den Zusatz Daytona, bis hin zur letzten Daytona mit Handaufzug (Referenz 6265 und 6263) antreiben sollte. In der Goldausführung, sowohl mit 14 als auch mit 18 Karat, wurde die Uhr mit dem Kaliber 727 sogar erstmalig als zertifizierter Chronometer angeboten. Als Valjoux 72 C mit Monats-, Wochentags- und Datumsanzeige kam das Werk auch in den so genannten „Pre-Daytona“ zum Einsatz.

Die Referenz 81806 mit Mondphase, die zu Beginn der 1950er Jahre im Handel war, wurde nur in homöopathischen Dosen gebaut und ist heute exorbitant teuer, obwohl das verwendete Valjoux 88 auch von anderen Herstellern verbaut wurde.

Mit einem Gehäusedurchmesser von 40 mm und einem 13-linigen Automatikwerk auf Basis des Zenith 400 („El Primero“) präsentierte Rolex 1988 den ersten Automatik-Chronographen seiner Geschichte. Die Unruh im Rolex-Kaliber 4030 schwang im Gegensatz zum Zenith-Basiswerk mit reduzierter Frequenz (28.800 statt 36.000 Halbschwingungen) zur besseren Ölhaltung und zur Verbesserung der Zuverlässigkeit, dennoch waren alle Modelle nun als Chronometer zertifiziert.

Bei den ersten Modellen reichte die gravierte Tachymeterskala auf der Lünette von 50 bis 200 km/h, später dann von 60 bis 400 km/h. Im Jahr 2000 präsentierte Rolex mit dem Chronographen-Kaliber 4130 erstmals eine komplette Eigenenntwicklung. Der von einem Schaltrad gesteuerte Chronograph baut flacher als sein Vorgänger und verfügt auch über eine größere Gangreserve (72 Stunden). Die moderne Konstruktion verfügt über eine Unruhbrücke und eine vertikale Friktionskupplung, die ein Springen des startenden Sekundenzeigers verhindert und zudem einen verschleißfreien Dauerbetrieb des Chronographen ermöglicht.

Frühe Rolex
Früher Rolex-Handaufzugschronograph von ca. 1935.
Rolex Jean-Claude Killy Ski
Der Chronograph «Jean-Claude Killy» ist nach seinem prominenten Träger, dem Ski-Ass, benannt.
Rolex Daytona Paul Newman
Die legendäre Daytona «Paul Newman», hier in einer Version von 1960.

Briefmarkensammler

Ähnlich wie in der Philatelie geht es beim Sammeln von Rolex „Tool Watches“ oftmals um Kleinigkeiten, winzige Besonderheiten und seltene (limitierte) Versionen. Marginalien entscheiden mitunter über erhebliche Preisdifferenzen von mehreren Tausend Euro.

Eine Handaufzugs-„Daytona“ (angeboten bei den Referenzen 6265/6264/6263/6262/6241/6240/6239) mit einem seltsam leer anmutenden Zifferblatt – von Sammlern ehrfurchtsvoll „Paul Newman“ genannt, weil dieser die Uhr einst als Preis bei einem Autorennen gewonnen hatte und anschließend auf der Titelseite eines italienischen Magazins abgelichtet wurde – kostet gut das Doppelte ihrer technisch absolut identischen Schwestermodelle. Bei den Pre-Daytona ist es die von Insidern „Jean-Claude Killy“ genannte Referenz 6236 mit Vollkalender und Stahlband, die Sammlerherzen höher schlagen lässt und bei Auktionen bis zu 80.000 Euro erzielt.

Bei der Submariner sind zunehmend frühe Modelle ohne Kronenschutz gefragt, wie sie in „James Bond jagt Dr. No“ am Handgelenk von Sean Connery populär wurden. Der „Submariner“-Schriftzug in Rot bedeutet ebenfalls einen satten Zuschlag. Handelt es sich gar um eine „Sea-Dweller“ mit dem Aufdruck „Comex“, jenem legendären Unternehmen, die mit ihrem Sauerstoff/Helium Gemisch zum Pionier des industriellen Tiefseetauchens wurden und ist die Uhr entsprechend dokumentiert, kann der Preis die 100.000-Dollar-Barriere überwinden. Selbst auf Kleinigkeiten – etwa, ob die Tiefenangabe bei der „Submariner“ in Fuß oder Meter zuerst genannt wird – achten die Sammler und unterscheiden in „feet first“ und „meter first“. Eine Submariner mit blau-grauer Lünette statt der schwarzen, eine „Paul Newman“ mit rotem Zifferblatt, in Insiderkreisen als „Spirit of Japan“ apostrophiert, ein früher Turn-O-Graph oder eine Ur-Milgauss – all dies sind (ihre Echtheit vorausgesetzt) Modelle, die extrem hohe Preise erzielen, Tendenz weiter steigend.

Einer Uhr blieb der Prominentenstatus versagt, obwohl sie in einem James-Bond-Film eine tragende Rolle spielte. Es handelt sich dabei um die Referenz 6238, ein Chronograph mit Stahlband und silberfarbenem Zifferblatt, den Bond in dem Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ trug. Mag sein, dass dieser schöne Chrono keine Kult-Uhr wurde, weil nicht Sean Connery die Rolle des „007“ spielte, sondern der relativ unbekannte australische Schauspieler George Lazenby.

Text: Dr. Harry Niemann/ Red.
Bildmaterial: Archiv ARMBANDUHREN, Auktionen Dr. H. Crott, Rolex


Lesen Sie mehr über die Marke mit der Krone im Kapitel 110 Jahre Rolex
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