Probezeit: SeaQ vs. Luminor GMT

Darf's ein bisschen Meer sein?

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Ursprünglich waren unsere Probezeit-Probanden von Glashütte Original und Panerai ja einst dafür gebaut worden, Tauchern am und im Wasser die Zeit anzuzeigen. Doch über die Jahrzehnte sind aus schnöden Instrumenten echte Schmuckstücke geworden, die Herz und Auge erfreuen, den Geldbeutel allerdings ächzen lassen.
Taucheruhren
Die beiden Taucheruhren atmen Geschichte und machen nicht nur zur blauen Stunde eine gute Figur.

Auch wenn Glashütte Original den Uhrenfreunden eher als Hersteller klassisch-eleganter Zeitmesser im Gedächtnis ist, kann man nun wahrlich nicht behaupten, die Sachsen seien dem Sport abhold. Noch vor zehn Jahren war die Linie Sport Evolution, zu der auch eine klassische Taucheruhr gehörte, unverzichtbarer Teil der Kollektion. Im Grunde ist diese Modellgeschichte aber viel älter. Bereits im Jahr 1969 ergänzten die VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) ihre Kollektion aus klassischen Zeitmessern um eine markante und robuste Neuheit – die Taucheruhr «Spezimatic Typ RP TS 200» mit schwarzer Lünette, prominenten Ziffern und ebenso gut abzulesenden Zeigern. Das Modell wurde damals nicht nur für den DDR Binnenmarkt, sondern vor allem auch für den Export hergestellt und unter anderem in der Bundesrepublik verkauft.

Taucheruhr
Der Blick durchs hintere Saphirglas zeigt eine opulente Finissierung, die man bei einer Instrumentenuhr nicht zwingend erwartet. Aus diesem Blickwinkel lassen sich auch die Schrauben erkennen, mit deren Hilfe die Bandstege in ihrer Position gehalten werden.

Unter dem Eindruck eines Marktes, der vermehrt sportliche Uhren nachfragt, entschied sich Glashütte Original, Nachfolger der einst vereinigten Glashütter Uhrenfirmen, diese Tradition wiederaufleben zu lassen. Der 50. Jahrestag der Spezimatic im vergangenen Jahr war ein willkommener Anlass, sozusagen den Nachfolger der «RP TS 200» zu lancieren. Dieser hört nun auf den englischen Namen «SeaQ» und markiert gleichzeitig den Start der neuen Uhrenlinie «Spezialist». Eine zweifellos gelungene Überraschung, die in der Redaktion unverzüglich den Wunsch auslöste, diesem Neuling mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Dafür eignet sich unser Format der Probezeit bestens.

Allerdings ergab sich die Frage, welche andere Uhr sich dem Paarlauf stellen könnte. Nimmt man die Kriterien Taucheruhr mit historischem Vorbild, Stahlgehäuse und hochwertiges Manufaktur-Automatikwerk, landet man schnell bei Panerai. Die Schweizer Marke mit italienischen Wurzeln bewegt sich obendrein in vergleichbaren Preisregionen. Die klassische Luminor Marina (PAM1058) kostet 8300 Euro, das sind gerade einmal 200 Euro weniger als bei der SeaQ 1969, das Basismodell der neuen Kollektion. Weil die Glashütter aber so stolz auf ihre neue Taucheruhr sind, schickten sie uns gleich ihr Topmodell mit Panoramadatum und Stahlband. Doch auch Panerai ließ sich nicht lumpen und nominierte die Luminor Marina mit GMT-Funktion und drei Tagen Gangreserve. Was die direkte Vergleichbarkeit zwar schwieriger, diese Probezeit aber umso spannender machte.

ERSTER EINDRUCK

Peter Braun: Die SeaQ Panoramadatum von Glashütte Original ist eine recht große und schwere Edelstahl-Taucheruhr nach klassischem Muster. Obwohl sie sich in zahlreichen Details von ihrer Urversion von 1969 emanzipiert hat, bleibt der Sechziger-Jahre- Look mit arabischen Leuchtziffern, Pfeilzeiger und Drehlünette erhalten. Bei näherem Hinsehen erkennt der Betrachter, dass Ziffern und Indexstriche nicht einfach aufgemalt sind, sondern fein säuberlich in polierten Rähmchen gefasst auf dem tiefblauen Zifferblatt montiert wurden. Der durch die hohe, boxförmige Wölbung des Glases verzerrte Blick auf den Zifferblattrand fällt nicht durch schnödes Mineral, sondern Saphir, und die ebenfalls dunkelblau gehaltene Kontrastfläche der Drehlünette ist natürlich kein eloxiertes oder lackiertes Blech, sondern Keramik mit lasergravierter Skalierung. Die enorm hohe Material- und Verarbeitungsqualität rechtfertigt in meinen Augen durchaus ein Stück weit den zugegebenermaßen sehr hohen Preis.

Taucheruhr
Material- und Verarbeitungsqualität sind über jeden Zweifel erhaben. Aus dieser Perspektive wird die optische Brechung des Boxglases deutlich sichtbar.

Die Panerai überraschte mich mit einem angenehmen Raulederband und einer Super-Passform, fühlte sich an meinem Handgelenk sofort zu Hause und schlüpfte auch problemlos unter die Manschette. Bei Linksträgern lugt nur der massive Kronenschutzbügel unter dem Hemd hervor, und der geschulte Blick des Uhrenkenners erkennt von Weitem, mit wem er es hier zu tun hat. Die Kronenschutzbrücke ist gleichzeitig das Widerlager für den Anpresshebel, der die Krone fest gegen das Gehäuse in einen konischen Dichtungssitz drückt. Vor inzwischen fast 90 Jahren war dies eine probate Möglichkeit, den Gehäusetubus abzudichten. Vor allem konnten die Marinetaucher nicht vergessen, die Krone zu sichern, denn der Hebel steht im geöffneten Zustand weit vom Gehäuse ab. Und ganz nebenbei betrachtet, ist das auch heute noch eine praktische Sache.

Martin Häußermann: Ich gebe zu, bei der Auswahl der beiden Probezeit-Kandidaten bin ich schon ein wenig eigenen Vorlieben gefolgt. Obwohl ich noch nie ernsthaft getaucht bin, gehören Taucheruhren zu meinen persönlichen Favoriten. Vielleicht, weil sie selbst dann noch einen Hauch Abenteuer versprechen, wenn sie unter der Manschette eines Businesshemds hervorblitzen. Das gilt insbesondere für die Luminor Marina mit der vom Kollegen Braun bereits ausführlich gewürdigten Kronenbrücke. Sie ist so schön archaisch und erinnert immer ein wenig an die italienischen Kampftaucher, für die diese Uhren einst entwickelt wurden. Dieses Konstruktionsmerkmal ist jetzt fast 90 Jahre alt, aufgrund der inzwischen stark verbesserten Dichtungstechnik im Grunde obsolet, aber für Panerai so unverzichtbar wie für Rolex die Krone. Althergebracht heißt nicht zwangsläufig altmodisch, sondern oft auch authentisch. Authentisch erscheint mir auch die SeaQ.

Mit Ausnahme des Namens vielleicht, mit dem ich nichts anfangen kann. Aber wahrscheinlich ist der auch nicht für mich gemacht, sondern eher für die Kundschaft in aller Welt. Diese hätte dann wohl mit deutschen Wortungetümen wie Spezimatik so ihre Probleme. Ansonsten finde ich aber, die SeaQ sieht exakt so aus, wie eine Taucheruhr von Glashütte Original aussehen muss. Die Modernisierungs- und Kultivierungsmaßnahmen gegenüber dem professionellen Sporttaucher-Instrument von 1969 sind allesamt sehr dezent umgesetzt und lassen der Geschichte Raum zum Atmen. Und dann natürlich das hauseigene Panoramadatum: Es springt einem gar nicht so sehr ins Auge, weil die Position bei der «4» direkt neben dem Schriftzug «Glashütte i/Sa» und «300 m/1000 ft» sehr geschickt gewählt ist und die beiden Datumsscheiben für Zehner und Einer einen dunkelblauen Fond haben.

TRAGEGEFÜHL, BEDIENUNG, ABLESBARKEIT

PB: Das bei der SeaQ montierte Edelstahlband überzeugte mich mit hohem Tragekomfort und der spiel- und klapperfreien Leichtgängigkeit der Glieder. Der Anstoß an das Gehäuse – mit seinen polierten Fasen und strichgeschliffenen Flächen ein absolutes Meisterwerk – ist harmonisch gelungen und ohne Schmutzspalt.

Besonders praktisch ist die Faltschließe, die über eine integrierte Längen-Feineinstellung verfügt. Dazu muss lediglich das wie eine Drucktaste in die Schließenfläche integrierte Markenlogo gedrückt werden, und schon lässt sich das Band in zehn Millimeterschrittchen verstellen. Das ist praktisch, wenn man zum Beispiel nach einer Runde Rudern an einem lauen Sommerabend «dicke Arme» bekommt.

Taucheruhr
Eine technische Besonderheit, die obendrein den Tragekomfort erhöht, ist die in die Schließe integrierte Längenfeinverstellung.

Das stark gewölbte Glas verzerrt je nach Blickwinkel die Ansicht der Minuterie, was zwar keine Beeinträchtigung der Ablesbarkeit darstellt, mich aber doch immer wieder irritierte. Die mit Leuchtmasse belegten Ziffern, Stundenmarker und Zeiger lassen sich auch noch kurz vor Sonnenaufgang gut ablesen, und auch die Dreiecksmarkierung an der Lünette ist bei Dunkelheit gut zu sehen. Apropos Lünette: Über den optischen Genuss des polierten Keramikrings habe ich mich ja schon positiv geäußert. Leider ist die Bedienung der einseitig drehbaren Lünette kein haptisches Vergnügen: Die mit großem technischem Aufwand neu konstruierte Rastung ist überaus schwergängig und erzeugt ein hässliches Geräusch, das so gar nicht zur Opulenz der Luxusuhr passen will. Manchmal muss so ein Mechanismus ja erst «eingefahren» werden, bis Bearbeitungsgrate abgeschliffen und Toleranzen eingerieben sind. Doch genau dies ist bei der SeaQ nicht zu erwarten, denn das technische Innenleben der Lünettenrastung besteht aus verschleißfreien Keramikelementen.

Taucheruhr
Bedient wird die Feinverstellung durch eine in die Schließe versenkte Taste, die das Markenlogo trägt.

Den Tragekomfort der Panerai hatte ich ja schon gelobt, weshalb ich mich sofort dem Gesicht der Uhr zuwende. Das Zifferblatt trägt eine feine Waffelstruktur, die Stundenmarker und die beiden Ziffern sind im Prägestempel bereits vorgeformt und werden abschließend nur mit Leuchtmasse ausgemalt. Der Look ist militärisch-sachlich und übersichtlich und die Ablesbarkeit auch nach Einbruch der Dunkelheit zumindest für das erste Stündchen recht ordentlich. Danach ist es zumindest bei den Stundenmarkern vorbei mit der Nachleuchtkraft. Die Zeiger leuchten deutlich länger, wobei ich an dieser Stelle die Frage loswerden möchte, wer um alles in der Welt auf die Idee kam, den kleinen Sekundenzeiger blau anzupinseln? Thermisch gebläut hätte ich mir ja vielleicht noch gefallen lassen …

Ich tröste mich mit den beiden polierten Hauptzeigern aus Stahl – das heißt, eigentlich sind es ja drei, denn die Luminor GMT verfügt über die geniale Anzeigemöglichkeit einer zweiten Lokalzeit über einen unabhängig fortschaltbaren zweiten Stundenzeiger. Bei Nichtgebrauch verschwindet er diskret unter dem Haupt-Stundenzeiger, nur seine Spitze lugt darunter hervor. Wenn man in eine andere Zeitzone reist, lässt sich der Hauptzeiger über die Krone (erste Rastposition) in Stundenschritten vorwärts und rückwärts auf die neue Lokalzeit einstellen, während der Spitzzeiger die Heimatzeit konserviert. Da die Lokalzeit Priorität genießt, ist die Datumsschaltung an den Haupt- Stundenzeiger gekoppelt und funktioniert in beide Schaltrichtungen. In dieser Funktion dient sie auch der Datums-Schnellverstellung – wobei der Begriff «schnell» nicht wirklich gerechtfertigt ist.

Taucheruhr
Die sichelförmige Kronenbrücke ist nicht nur praktisch, sondern sie bietet vor allem auch einen enorm hohen Wiedererkennungswert.

MH: Ich war ja anfangs skeptisch, als die Presseabteilung von Glashütte Original uns eine Testuhr mit Stahlband anbot. Schließlich ist die Längenanpassung von Massivbändern in aller Regel deutlich komplexer als beispielsweise bei Lederbändern mit Stiftschließe. Doch schnell waren meine Bedenken verflogen. Man muss den Sachsen hier ein dickes Kompliment aussprechen. Das Band ist nicht nur sehr hochwertig verarbeitet und weist an den Stirnseiten der Glieder weder Schrauben- noch Nietenköpfe auf. Vor allem ist es kundenfreundlich konstruiert. Die beweglichen Verbindungen werden durch gehärtete Metallstifte hergestellt, die gegen seitliches Verschieben gesichert sind. Dazu sind an den Innenflächen der Bandglieder kurze Schlitzschrauben versenkt, die wie Bajonettverschlüsse durch eine Vierteldrehung die Verschiebesicherung aufheben. Gewiss sehr aufwendig, doch kinderleicht und ohne Kraftanstrengung zu handhaben, was das Risiko des Verkratzens minimiert. Zudem braucht man außer einem kleinen Schraubendreher und einem Zahnstocher – zum Herausschieben der Stifte – kein Spezialwerkzeug, um das Band zu kürzen. Einmal auf die richtige Länge gebracht, liegt die Uhr geschmeidig am Handgelenk. Mit der erwähnten Mikroanpassung kann der Sitz nach den jeweiligen Erfordernissen straffer oder lockerer gestaltet werden. Etwas mehr Lockerheit hätte auch dem Tauchring gutgetan, da muss ich dem Kollegen recht geben, das passt nicht zur ansonsten überall greifbaren Geschmeidigkeit dieser Uhr.

Die Luminor erfreut mich durch ihren für mein schmales Handgelenk passenden Durchmesser von 42 Millimetern. Ich hatte sie vom Kollegen Braun ja schon im sozusagen eingetragenen Zustand bekommen, das Lederband war also schon vorgeformt und schmiegte sich deshalb sofort um mein Handgelenk. Allerdings hätte ich mir zwecks besserer Feinregulierung kürzere Lochabstände für die hochwertige Stiftschließe gewünscht. Bei unserer Testuhr betrugen diese sieben Millimeter, was zur Folge hatte, dass der Sitz entweder etwas straff oder etwas locker war. Der breite Stift und das hochwertige Leder würden es sicher möglich machen, die Abstände auf fünf Millimeter zu reduzieren. Unbedingt lobend erwähnen muss ich dafür die geniale Befestigung der Bandstege. Dabei handelt es sich um solide Stahlstifte, die ohne Kraftanwendung durch beide Hörner durchgesteckt und von einem federbelasteten Taster gegen seitliches Verschieben gesichert werden. Bei einem Bandwechsel kann nichts verkratzen, denn die Arbeit lässt sich bequem mit zwei hölzernen Zahnstochern erledigen – einer zum Entriegeln, der andere zum Durchschieben des Stiftes.

TECHNIK, AUSSTATTUNG, GANG

PB: Das Manufakturkaliber 36-13 der SeaQ, dass sich unter dem großen Saphirglasboden in Szene setzt, ist eine Augenweide – nicht nur in optischer Hinsicht. Das Uhrwerk mit Silizium-Spirale verfügt ja bekanntlich über ein einzelnes Federhaus, in dem bis zu 100 Stunden Gangreserve gespeichert werden, und glänzt auch sonst mit einer sehr modernen, kritisch überdachten und optimierten Konstruktion. Charakteristische Merkmale, wie die Schwanenhalsfeder der Abfalleinstellung (die Unruh selbst ist ohne Rücker mit Masseschrauben feinstellbar) oder die Zahnradkaskade in der Kraftübertragung des Kronenaufzugs zum Federhaus, entzücken das Auge des technisch interessierten Betrachters. So viel feine Uhrmacherei würde man bei einer sportlichen Taucheruhr normalerweise nicht vermuten.

Das schlichte Finish der großflächigen Werkplatine passt wider Erwarten sehr gut zum Charakter der Panerai Luminor, die mit ihrem Kronenschutzbügel schon ein wenig archaisch wirkt. Dabei ist der Flachschliff alles andere als trivial, und die diamantierten Senkungen der Lagerbohrungen erscheinen auch unter der Lupe makellos, glänzen fast wie Chatons. Ein interessanter Blickfang auf der Dreiviertelplatine ist die in die Oberfläche versenkte Scheibe der Gangreserveanzeige, die beim Kaliber P.9011 drei Tage beträgt.

Taucheruhr
Die mattierten Oberflächen von Kronenbrücke und Platine unterstreichen den technischen Appeal der Panerai. Im rechten Ausschnitt des Rotors ist die dezente Gangreserveanzeige zu sehen. Die beiden Taster in den Bandhörnern dienen der Entriegelung der Bandstege.

Eine technische Besonderheit dieses Uhrwerks ist auch die «Zero-Reset»-Funktion, die vor 15 Jahren in den Uhren von A. Lange & Söhne eingeführt wurde und nun auch Panerai zur Verfügung steht. In der zweiten Rastposition der Krone – also ganz herausgezogen – hält nicht nur die Unruh an, sondern auch der Sekundenzeiger springt auf null. Die Funktion ist überaus praktisch, denn meist zieht man die Krone, um die Uhr nach einem Zeitzeichen zu stellen. Dank Zero-Reset muss man die Unruh nicht eine Minute vorher manuell bei der Null anhalten, sondern kann jederzeit stoppen. Zum exakten Wiederanlaufenlassen bietet sich die Betätigung des Kronen-Anpresshebels an, der das Risiko des versehentlichen Verdrehens der Krone beim Hineindrücken ausschließt.

MH: Taucheruhren mit Glasboden? Es gab Zeiten, in denen ich mich darüber beschwert hätte. Schließlich sind Taucheruhren Instrumente, die in erster Linie zuverlässig funktionieren und dichthalten sollen. Und Robustheit ist in meinen Vorstellungen auch immer mit einem Massivboden verbunden. Aber die Technik schreitet fort – und Glashütte Original garantiert auch für eine SeaQ mit Glasboden eine Druckfestigkeit von 30 bar oder 300 Meter Wassertiefe, Panerai bei Luminor immerhin noch 10 bar oder 100 Meter. Das reicht bei beiden Uhren locker, um mit ihnen schwimmen zu gehen – aber bitte nicht mit diesem feinen Lederband. Ich wäre enttäuscht, wenn nicht gar beleidigt gewesen, hätte man diese fein verarbeiteten und dekorierten mechanischen Meisterwerke meinem Blick entzogen.

Taucheruhr
Die Stiftschließe überzeugt sowohl formal als auch hinsichtlich Funktion und Verarbeitung. Wir hätten uns jedoch über etwas kleinere Lochabstände gefreut.

Übrigens sind nicht nur Konstruktionen und Dekorationen der beiden Uhrwerke, sondern auch deren Ganggenauigkeit zu loben. Auf unserer Zeitwaage Witschi Chronoscope S1 ermittelte ich bei der SeaQ zwar noch einen durchschnittlichen Nachgang von einer Sekunde pro Tag, am Arm jedoch marschierte sie ins Plus und nach sieben Tagen Tragezeit verzeichnete ich einen Vorgang von knapp vier Sekunden, grob gerechnet also eine halbe Sekunde am Tag. Am Arm des Kollegen Braun lief sie sogar im Bereich plus/minus null, trotz täglicher Rütteltests auf dem Fahrrad. Dagegen lässt sich noch weniger einwenden als gegen den Gang der Panerai, bei der ich auf der Zeitwaage noch einen durchschnittlichen Vorgang von 3,1 Sekunden am Tag (s/d) ermittelte. Am Arm allerdings ging sie deutlich langsamer, in einer Woche registrierte ich tatsächlich einen Vorgang von +2 s/d. Das deckt sich mit der Erfahrung von Peter Braun, der die Panerai erst nach einer Tragezeit von etwas mehr als einer Woche nachstellen musste – wegen eines Vorgangs von knapp zehn Sekunden.

FAZIT

MH: Es hat mir großen Spaß gemacht, diese Uhren Probe zu tragen, weil ich sie wirklich rundherum gelungen finde. Wenn nur die Preise nicht wären. Aber da liegen beide Marken ja im Trend. Vermutlich muss man sich daran gewöhnen, dass Luxusmarken für ihre Stahluhren mit Manufakturwerken hohe vierstellige oder eben gar fünfstellige Beträge aufrufen. Gleichzeitig muss ich mich daran gewöhnen, dass sich solche Uhren zunehmend von meiner Lebenswirklichkeit entfernen. Das ist wirklich schade – und lässt mich zunehmend auf den Gebraucht- und Vintagemarkt schielen.

PB: An der SeaQ gefielen mir am besten die hochwertige Verarbeitungsqualität, das beruhigende Gewicht und die klassische Erscheinung. Den Preis finde ich für eine Stahl-Sportuhr viel zu hoch, nicht zuletzt, weil man in Glashütte uhrwerkstechnisch mit Kanonen auf Spatzen schießt: Goldrotor und Panoramadatum bräuchte es bei einer Taucheruhr nun wirklich nicht. Wenn Manufakturtechnik dagegen so pfiffig eingesetzt wird wie bei der Panerai – Zero-Reset, zweiter Stundenzeiger –, bin ich eher bereit, in die Tasche zu greifen. Diese Funktionen erweisen sich im Alltag und auf Reisen als überaus praktisch und sollten meiner Meinung nach wie der Automatikaufzug zum Goldstandard für alle Armbanduhren erhoben werden.

Text: Martin Häußermann, Peter Braun

Bilder: Martin Häußermann

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