Magnetfeldschutz

Die unsichtbare Macht

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Für Uhren sind die gefährlichsten Orte der Welt die Küche, das Büro und die Arztpraxis. Überall dort lauern Magnetfelder, die eine mechanische Uhr ungenau machen. Doch es gibt Hilfe gegen diese Risiken des Alltags.
Omega Co-Axial Hemmung
Antimagnetische Materialien sorgen für die Unempfindlichkeit der Co-Axial-Hemmung von Omega. Das Bild zeigt von links: Nivachoc-Stoßsicherung, Nivagauss-Anker, Ankerrad, Unruhreif aus Nivagauss, Unruhspirale aus Silizium.

Hände  weg vom Induktionsherd! Zumindest, wenn am Handgelenk eine mechanische Uhr tickt. Denn das Küchengerät erzeugt ein so starkes Magnetfeld, dass die Genauigkeit des Uhrwerks leiden könnte. Gleiches gilt, wenn der Zeitmesser einem Computerbildschirm oder einem Tablet-Computer zu nahe kommt oder man eine Uhr während einer Untersuchung in einer Röntgenpraxis trägt, etwa bei einer Magnetresonanztomografie (MRT).

Denn die magnetischen Kräfte wirken sich negativ auf das Uhrwerk aus. Größter Schwachpunkt ist die Unruhspirale, vor allem die am weitesten verbreitete Nivarox- Spirale. Diese besteht aus einer Legierung aus Eisen, Nickel, Chrom, Titan und Beryllium – eine Mischung, die zwar Temperaturschwankungen ausgleicht, aber auch magnetisierbar ist. Dann tritt das Phänomen der sogenannten Remanenz auf: Das heißt, dass in einem Metall eine Restmagnetisierung zurückbleibt, auch wenn der Einfluss des Magnetfeldes nachgelassen hat.

Das eisenhaltige Material versucht, sich im Magnetfeld auszurichten – letztlich entstehen Kraftwirkungen auf verschiedene Bauteile. Bei der Unruhspirale hat das einen einfach zu erklärenden Effekt: Ist sie magnetisiert, stoßen sich die einzelnen Umgänge der Feder ab. Das führt dazu, dass sich die Feder beim Hin-und-her-Schwingen der Unruh nicht mehr komplett aufwickeln kann. Somit wird der Weg der Unruh kürzer, was zu einem schnelleren Gang führt.

Einfache Abhilfe

Sinn Entmagnetisierung
In den Ateliers von Sinn Spezialuhren wird eine Magnetspule zur Entmagnetisierung eingesetzt.

Dramatisch ist das nicht – der Fehler lässt sich mit den richtigen Gerätschaften unkompliziert beheben. Die Magnetisierung kann durch Anlegen eines magnetischen Gegenfeldes beseitigt werden. Dafür gibt es spezielle Apparate («Entmagnetisierer»), die in jeder Uhrmacherwerkstatt zum Einsatz kommen.

Allerdings ist es schon lange das erklärte Ziel der Uhrenhersteller, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Vielmehr versuchen sie, ein Uhrwerk so zu konstruieren und zu fertigen, dass es gegenüber Magnetfeldern unempfindlich ist.

Dafür gab es schon vor Jahrzehnten zwei Konzepte: Entweder die Verwendung von amagnetischen Materialien oder die Abschirmung des Uhrwerks durch eine Hülle aus «Weicheisen», einem unlegierten Eisen mit sehr geringer Remanenz.

Neue Materialien

Lange Jahre war die Abschirmung des Uhrwerks die bevorzugte Variante, doch mittlerweile setzt sich die Verwendung von amagnetischen Materialien durch. 2013 präsentierte Omega die nach eigenen Angaben erste komplett antimagnetische Uhr der Welt mit dem Namen «Seamaster Aqua Terra >15.000 Gauss».

Das Konzept des damals präsentierten Automatikkalibers 8508 auf der Basis des Kalibers 8500 mit Co- Axial-Hemmung: Es wurde aus nicht magnetischen Teilen gebaut, sodass kein Innengehäuse erforderlich ist und sogar ein Saphirglasboden den Blick auf das Uhrwerk ermöglicht.

Omega Seamaster Aqua Terra Worldtimer
Kompliziert und vor Magnetfeldern geschützt: Seamaster Aqua Terra Worldtimer. Die Automatik-Weltzeituhr gehört zu den jüngsten Master- Chronometer-Uhren von Omega.

Neu gedacht

Bei der Entwicklung des nicht magnetischen Kalibers 8508 standen alle Komponenten, die durch starke Magnetfelder in ihrer Funktion beeinträchtigt werden können, auf dem Prüfstand. Statt aus Stahl wurden sie aus Titan, speziell behandeltem U-Boot-Stahl oder anderen Legierungen gefertigt, darunter das nicht magnetische Material Nivagauss für das Co-Axial-Hemmungsrad. Verwendung fand auch die 2008 von Omega vorgestellte Spiralfeder Si14 aus Silizium.

Omega trat umgehend den Beweis für die Wirksamkeit der neuen Konstruktionen an: Gemeinsam mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS entwickelte man neue Tests, bei denen METAS unter anderem die Magnetfeldresistenz prüft.

. Denn mittlerweile wurde diese auf zahlreiche andere Uhrwerke ausgeweitet, die alle unter den Standard «Master Chronometer» fallen. Diesen Titel hatte Omega neu eingeführt, um die fortschrittlichen Kaliber zu klassifizieren: Sie sind bis mindestens 15.000 Gauss amagnetisch und halten deshalb den Gefahren aus Küche, Büro oder Praxis problemlos Stand.

Text: Iris Wimmer-Olbort
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