Catherine Rénier, CEO Jaeger-LeCoultre

«Ein gesundes Gleichgewicht»

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Catherine Rénier ist seit dem 1. Mai 2018 CEO der Manufaktur Jaeger-LeCoultre. Zuvor war die Französin 15 Jahre für Van Cleef & Arpels tätig, zuletzt als Präsidentin für die Asien-Pazifik-Region. Ihr erstes Engagement für die Richemont-Gruppe geht indes noch weiter zurück: Bereits 1999 begann Catherine Rénier ihre Karriere bei Cartier in New York.

Madame Rénier, was bringen Sie aus Ihrer Erfahrung bei Ihren früheren Arbeitgebern Cartier und Van Cleef & Arpels mit zu Jaeger-LeCoultre?
Das Verständnis für eine Marke, für ihre Tradition und ihren Werdegang. Die Gewissheit, dass man sie weiterentwickeln kann, dabei jedoch sehr umsichtig vorgehen muss und den Kontakt zur Geschichte nicht abreißen lassen darf.

Welche Aufgaben erwarten Sie in Le Sentier?
Ich bin in einer spannenden Zeit zu Jaeger-LeCoultre gestoßen. Die Kollektion ist so umfangreich und ausgewogen wie nie zuvor, und ich bin in der glücklichen Situation, mit einer motivierten und kompetenten Mannschaft zusammenzuarbeiten. Akuten Handlungsbedarf sehe ich keinen, aber es gibt natürlich einige Stellschrauben zum Justieren.

Jaeger-LeCoultre ist ja im Grunde der einzige Vollsortimenter im Manufakturbereich. Birgt die große Kollektion nicht auch ein gewisses Risiko?
In der Tat, wir produzieren quasi alles selbst und im eigenen Haus, das können nicht viele Uhrenmarken von sich behaupten. Seit der Abrundung der Kollektion durch die sportlichen Polaris-Modelle decken wir das komplette Spektrum ab, von der schlichten Dreizeigeruhr über Chronographen, Weltzeituhren, Kleine und Große Komplikationen bis hin zu Damen-Schmuckuhren.

Zwischen diesen Modellfamilien liegen ja Welten! Präsentiert sich Jaeger-LeCoultre da einmal als Sportuhrenmarke, einmal als Manufaktur der Haute Horlogerie und einmal als Bewahrerin der Tradition?
Eine Marke sollte nicht mehrere Identitäten haben. Jaeger-LeCoultre ist immer Jaeger-LeCoultre. Unsere Identität ist die einer Manufaktur, sie steht über den einzelnen Produkten. Wir beherrschen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch sämtliche Gewerke der klassischen Uhrmacherei, dazu noch etliche Handwerkskünste von der Emaillemalerei über das Guillochieren bis hin zum Edelsteinsetzen. Warum sollten wir uns auf ein Modell oder eine bestimmte Komplikation konzentrieren?

In den 1990er Jahren stand Jaeger-LeCoultre synonym für die Reverso …
Wir haben nach und nach Modelle aus unserer Geschichte wiederbelebt und teilweise neu interpretiert, dazu ein paar neue Modellfamilien wie die Rendez-Vous entwickelt. Dabei haben wir stets darauf geachtet, dass keine Kategorie die Oberhand gewinnt. Es braucht ein gesundes Gleichgewicht.

Ein Gleichgewicht zwischen maskulinen und femininen Uhren?
Nicht nur, aber auch. Ebenso wie ein Gleichgewicht zwischen klassisch und modern, kompliziert und schlicht, rund und rechteckig, diamantbesetzt und mattiert, Gold und Titan. Wie gesagt: Es ist ein Balanceakt.

«Für uns ist das Internetgeschäft keine Alternative zum Fachhandel, eher ein komplementäres Angebot.»

Setzen Sie auch bei der Distribution auf ein solches Gleichgewicht?
Sie meinen, zwischen Fachhandel und eigenen Boutiquen?

Eigentlich eher zwischen Ladengeschäften und Internet …
Wie Sie wissen, war Jaeger-LeCoultre als eine der ersten Uhrenmarken der Richemont-Gruppe online erhältlich. Nicht die komplette Kollektion, aber die Standardmodelle der einzelnen Linien. Für uns ist das Internetgeschäft keine Alternative zum Fachhandel, eher ein komplementäres Angebot. Auch können und wollen wir mit unseren Boutiquen dem etablierten Fachhandel keine Konkurrenz machen. Aber der Kaufentscheidung im Internet geht eine Phase der Meinungsfindung voraus, sprich: Irgendwo müssen unsere Uhren ja zu sehen, anzufassen und auszuprobieren sein.

Nach der Damenkollektion Rendez-Vous und der sportlichen Polaris in diesem Jahr – was kommt als Nächstes?
Auf dem kommenden SIHH rücken wir die komplizierten Uhren wieder etwas mehr in den Fokus. Die auf 50 Exemplare limitierte Platin-Edition der Reverso Tribute Tourbillon haben Sie ja bereits gesehen. Aber da kommt noch mehr! Das ambitionierte Projekt «Hybris Mechanica» hat sehr viele Ressourcen gebunden. Jetzt löst sich der Knoten allmählich, und unsere Spezialitätenuhrmacher können sich wieder anderen Aufgaben widmen. Außerdem haben wir für die Master Ultra Thin Moon ein handguillochiertes Zifferblatt mit transluzidem Emaille-Überzug und graviertem Datumsring entworfen, das der Uhr einen umwerfenden neuen Look verleiht.

Madame Rénier, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Peter Braun

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