Frodsham Chronometer

Wiederauflage einer Dynastie

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Charles Frodsham wurde am 15. April 1810 in eine Uhrmacherdynastie hineingeboren. Sein Vater William Frodsham genoss in der Londoner Gesellschaft hohes Ansehen, und fünf seiner zehn Kinder gingen bei ihm in die Lehre, um später selbst als Uhrmacher Karriere zu machen.
Uhrmachermeister
Eine der wenigen erhaltenen Fotografien von Charles Frodsham.

Charles war zweifellos der begabteste unter ihnen, und schon 1830 gewannen seine Konstruktionen Preise bei Chronometerwettbewerben am Observatorium von Greenwich. Er etablierte sich rasch als einer der führenden Hersteller von Marinechronometern, und als sein Konkurrent John Roger Arnold 1834 ohne Nachfolger starb, übernahm er dessen Geschäft an The Strand im Herzen der City. Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts galt Charles Frodsham als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Uhrmacher der Welt, und er beerbte Benjamin Lewis Vulliamy als «Superintendent» sämtlicher königlicher Zeitmesser im Buckingham Palace. Er trat der Worshipful Company of Clockmakers bei (Zunftmeister 1855 und 1862) und gründete 1858 das British Horological Institute, dem er später als Vizepräsident vorstand. Bei allen großen Weltausstellungen hatte Charles Frodsham seine Taschen- und Marinechronometer präsentiert und nicht weniger als 14 Auszeichnungen erhalten. Nach seinem Tod am 11. Januar 1871 übernahm sein Sohn Harrison Mill Frodsham (1849–1922) die Geschäfte. Wie sein Vater publizierte auch er zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und meldete einige Patente an. Charles Frodsham & Co. beteiligte sich nach wie vor erfolgreich an Chronometerwettbewerben und bestückte als Hoflieferant die Britische Marine mit Taschen- und Deckuhren sowie Navigationschronometern. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts rüstete Frodsham zahlreiche neu gebaute Observatorien auf der ganzen Welt mit Sternzeit-Regulatoren aus.

Das Tagesgeschäft der Firma Charles Frodsham & Co. waren qualitativ hochwertige Taschenuhren mit Ankerhemmung und schlüssellosem Aufzug, doch die große Werkstatt produzierte auch eine Reihe von Präzisions- und Wettbewerbschronometern, darunter 90 mit Tourbillon- und Karussellhemmungen. Das Charles Frodsham Tourbillon Nr. 09182 erreichte um die Jahrhundertwende im Observatorium von Kew-Teddington mit 93,9 Punkten die höchste jemals von einer englischen Uhr erzielte Punktzahl.

Frodsham
Einer der rekordverwöhnten Marinechronometer von Charles Frodsham.

1895 eröffnete Charles Frodsham & Co. auf der New Bond Street ein Verkaufsgeschäft und handelte ab 1911 in einem weiteren Geschäft mit Borduhren und Tachometern für Automobilisten. Der neue Firmensitz in der South Molton Street (ab 1914) wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebombt, woraufhin Frodsham vorübergehend in dem auf Uhrenliteratur spezialisierten Antiquariat von Clowes and Jauncey Unterschlupf fand.

Nach dem Krieg produzierte Frodsham & Co. Tisch- und Reiseuhren nach historischen Vorbildern, darunter auch das Hochzeitsgeschenk für Prinzessin Elizabeth, die heutige Queen. 1997 bezog die Firma den aktuellen Firmensitz in der Bury Street und konzentrierte sich ganz auf die Anfertigung komplizierter Präzisionsuhren sowie die Restaurierung außergewöhnlicher Zeitmesser. Einem größeren Publikum bekannt wurde Charles Frodsham & Co. durch die exakte Nachfertigung der beiden epochemachenden Chronometer H3 und H4 von John Harrison, die 2014 für die Ausstellung «Ships, Clocks and Stars: The Quest for Longitude» zum 300. Jubiläum des «Longitude Act» im National Maritime Museum in Greenwich entstanden. Heute werden die Geschicke von Philip Whyte und Richard Stenning gelenkt, die über ein Team von sieben hoch qualifizierten Uhrmachern verfügen. Simon Frodsham, der Ururgroßneffe von Charles Frodsham, ist als Berater mit an Bord. Die Idee, eine Armbanduhr nach typischen Frodsham-Motiven zu bauen, ist über 20 Jahre alt. Der erste Prototyp wurde 2008 in Gegenwart von George Daniels anlässlich des 150. Gründungstages des British Horological Institute vorgestellt. Seit 2018 werden die ersten Exemplare an ihre Besteller ausgeliefert – in homöopathischer Dosierung.

Text: Peter Braun

Was daraus geworden ist lesen Sie hier:

Charles Frodsham - By Appointment only

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