Das Luxusproblem

Kommentar von Tim Stracke, Chrono24

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Daytona
Bei einigen Händlern übersteigt derzeit die Nachfrage das Angebot. So auch bei Rolex.
Chrono24
Der Chrono24 Gründer Tim Stracke kennt das Geschäft mit Luxusuhren.

Der Blick in die Münchner Presse kurz vor Weihnachten ließ aufhorchen. Dort war von dramatischen Szenen bei den Konzessionären der bayerischen Landeshauptstadt zu lesen – der Grund waren leergefegte Schaufenster. Rolex-Modelle waren nicht mehr verfügbar. Ein TV-Comedian rief scherzhaft bereits den Notstand für München aus, von der «Rolex-Krise» war die Rede.

Das Szenario wirft Licht auf ein tiefersitzendes Phänomen: Schon seit Langem sind diverse Modelle der familiengeführten Manufakturen wie Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet über den ehemals «regulären» Weg beim Konzessionär kaum noch zu erhalten. Von jahrelangen Wartelisten ist die Rede. Der Marktpreis vieler Uhren ist rapide in die Höhe geschossen. Eine Rolex GMT Master II «Pepsi» wird aktuell bei Chrono24 etwa 100 % über der (unverbindlichen) Preisempfehlung des Herstellers gehandelt.

Natürlich handeln die genannten Marken mit Luxusprodukten, die ihre Begehrlichkeit auch aus ihrer Exklusivität ziehen – eine Sea-Dweller oder Nautilus quasi «im Vorbeigehen» einfach von der Stange zu kaufen, wäre weder im Sinne des Kunden noch des Herstellers. Eine Wartezeit von einem Jahr für eine besonders exklusive Uhr, verbunden mit stetiger Vorfreude und dem ganz besonderen Kribbeln, wenn die Uhr dann endlich ausgepackt und an den Arm gelegt wird – völlig in Ordnung und dem Produkt angemessen. Wartelisten von fünf bis 15 Jahren oder die zum Teil respektlose Behandlung von Kunden, die gerne mehrere Zehntausend Euro ausgeben möchten, führen nur zu Verstimmungen. Wenn sich Konsumenten dann noch aus Verzweiflung oder Ärger gar einem anderen Hersteller zuwenden, ist das für die Marken weder zielführend noch imagefördernd – die längste Warteliste bringt nur sehr bedingt Prestige und schon gar keinen Umsatz.

Die Hersteller sollten ihr Angebot zukünftig dynamischer an die Nachfrage anpassen! Eine Erhöhung der Stückzahlen in Zeiten hoher Kauflust, aber ebenso eine Verknappung bei sinkendem Bedarf wäre im Interesse aller Marktteilnehmer. Die moderate Wartezeit auf ein exklusives Luxusprodukt würde dafür sorgen, dass sich Kunden nicht von Marken abwenden. Auf der anderen Seite würde die Steuerung der Mengen, die in den Markt gegeben werden, langfristig dazu beitragen, die Preise auch bei einmal sinkender Nachfrage, zum Beispiel aufgrund einer Rezession, stabil zu halten. Man stelle sich nur den Super-GAU eines Uhrenliebhabers vor, der zuvor jahrelang auf seine Traumuhr gewartet hat und plötzlich mit einem Wertverlust derselben konfrontiert wäre! Zugegeben: etwas überspitzt, aber nicht völlig abwegig!

Die Marken haben es selbst in der Hand und sollten das «Luxusproblem» angehen.

Kommentar von Tim Stracke, Gründer und Co-CEO von Chrono24

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