Adrian Bosshard, CEO von Rado

Fokus auf den «Pioneering Spirit»

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Rado-CEO Adrian Bosshard

Herr Bosshard, Sie sind seit Sommer 2020 neuer Präsident der Marke Rado. Inwieweit unterscheidet sich die neue Herausforderung von Ihren früheren Aufgaben?
Bei Certina musste die Positionierung innerhalb des Swatch-Group-Portfolios behutsam korrigiert werden, die Wiederbelebung der traditionsreichen Marke Union Glashütte war ein Abenteuer. Nun kommt als neue Herausforderung eine global agierende Marke wie Rado, bei der ich meine Erfahrungen einbringen kann. Darauf freue ich mich sehr!

Sie haben einen spannenden Zeitpunkt gewählt: Mit der Captain Cook hat Rado sich ein neues Produktsegment erschlossen. Wie passt der Erfolg des «Vintage»-Themas in das Bild einer Designermarke?
Rado war seit jeher ein großer Innovator, was Materialien anbetrifft. Früher konnte man Keramik nur in Schwarz herstellen, das hat das Bild der Uhren und der Marke geprägt. Aber Rado ist international aufgestellt, und wir brauchen Uhren für verschiedene Geschmäcker. Die Wiederbelebung der Captain Cook eröffnet neue Perspektiven und kommt insbesondere bei jungen Leuten sehr gut an.
Taucheruhren im Vintage-Stil sind total angesagt, das ist längst keine kurzfristige Mode mehr. Wir sind froh, dass wir dieses Thema als zusätzliche Facette in unser Portfolio einbetten können. Wir werden darüber natürlich nicht die Rado-Klassiker Centrix, Integral, Ceramica, Coupole oder True vergessen, die in puncto Design natürlich einen zukunftsweisenden Stil verkörpern.

Folglich bleibt die Captain Cook ein Sidekick der Rado-Kollektion?
Man sollte das Potenzial nicht unterschätzen, und die Captain Cook ist bereits nach nur zwei Jahren ein wichtiges Standbein der Kollektion. Doch Keramik ist nach wie vor der Schlüssel zur Marken-DNA von Rado. Wir sind in der komfortablen Lage, dank der langjährigen Erfahrung und der großen Expertise unserer Spezialisten hinsichtlich Verarbeitung, Formung und Färbung dieses Wundermaterials fast alles umsetzen zu können, was wir uns wünschen.
Die Vorteile von Keramikwerkstoffen liegen auf der Hand: kratzfest, alterungsbeständig, leicht, hautsympathisch, temperatursensibel – der Tragekomfort ist unerreicht. Und wie gesagt: Wir können inzwischen alle Farben, nicht nur Schwarz. Besonders interessant ist der Werkstoff Plasmakeramik, der eine metallisch anmutende Oberfläche hat. Im Spritzgussverfahren lassen sich auch sehr komplexe Formen realisieren.

Das klingt, als wollten Sie die Kollektion in alle Richtungen ausbauen …
Im Gegenteil: Mein Ziel ist es, die Kern-Produktfamilien zu konsolidieren, mich innerhalb der wichtigen Linien auf die stärksten Modelle zu konzentrieren. Das gilt auch für die Kommunikation, die Werbung und den Fachhandel. Man darf weder den Händler noch den Kunden mit der Auswahl überfordern. Und die Kaufentscheidung für ein so wertvolles Investitionsgut fällt nicht so spontan, wie manche Leute sich das vorstellen. Der Entschluss reift oft über mehrere Monate, und wenn es dann so weit ist und man die Uhr tatsächlich kaufen will, dann sollte sich das Modell auch noch in der Kollektion befinden und nicht bereits durch die nächste modische Neuheit abgelöst worden sein. Rado ist keine Fashion-Marke mit ständig wechselnden Kollektionen. Unsere Modelle haben einen längeren Lebenszyklus.
Aber Rado ist eine global aufgestellte Marke, und die weltweiten Märkte haben alle ihre Besonderheiten, ihre Präferenzen in Bezug auf Gehäusegrößen, Bänder und Technik. Wir müssen da schon eine gewisse Bandbreite im Angebot aufrechterhalten, was nicht heißt, dass alle Modelle immer auf allen Märkten angeboten werden müssen.

Kann die Marke Rado ihrem Preissegment angesichts dieser globalen Anforderungen treu bleiben?
Rado ist erschwinglicher Luxus, und unser Publikum repräsentiert im besten Sinne den Mittelstand – nicht nur preislich, sondern auch in Bezug auf Werte wie Nachhaltigkeit, Qualität und Authentizität. Unser Preissegment liegt zwischen 1000 und 4000 Euro, mit einem Durchschnittspreis um die 2000 Euro. Damit befinden wir uns in der Swatch-Group-Markenpyramide im oberen Preissegment in bester Gesellschaft von Longines und Union Glashütte.
Jede Marke hat eine Identität, und diese Identität muss man respektieren, denn das ist ihre Stärke. Rado hat sich die Spitzenposition in vielen Ländern über Jahrzehnte mit einem besonderen Produkt-Portfolio erarbeitet. Dabei spielte neben dem Design auch immer das Gehäusematerial eine wichtige Rolle. Wir fokussieren auch weiterhin auf Design, Material und den «Pioneering Spirit»: mit mutigen, unkonventionellen Kreationen.

Herr Bosshard, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Peter Braun Anfang November 2020

Mehr zu Rado und Adrian Bosshard

Die Rado Kollektion 2020

Swatch Group: Neue Chefs für Longines, Tissot und Rado

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