Trend: Certified Pre Owned Watches

Erste Wahl aus Zweiter Hand

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«Certified Pre-Owned» – dieser Begriff elektrisiert derzeit die Uhrenbranche. Dem Konsumenten versprechen die «zertifizierten Uhren aus zweiter Hand» eine Chance auf erschwinglichen Luxus mit Garantie.
Rolex GMT-Master bei Antiquorum
Begehrter Vintage-Klassiker: GMT-Master von Rolex, gesehen bei Antiquorum.

Immer neue Auktionsrekorde: Gesuchte Raritäten, außergewöhnliche Komplikationen oder Modelle mit prominentem Vorbesitzer – in den vergangenen Jahren erzielten alte Armbanduhren regelmäßig Preise in Millionenhöhe. Da könnte der Eindruck entstehen, dass Vintage-Uhren nahezu unerschwinglich sind. Doch dieser Eindruck trügt! Denn abseits der Auktionsrekorde gibt es jede Menge klassische Uhren, die zu ganz normalen Preisen erhältlich sind. Und ganz offensichtlich gibt es auch immer mehr Uhrenkäufer, die dies für sich entdecken: Das Geschäft mit Uhren aus zweiter Hand wächst und wächst. Zumal sich das Angebot ändert: War man früher auf Auktionen und Börsen angewiesen, führt das Internet Angebot und Nachfrage nun auf speziellen Uhren-Plattformen unkompliziert zusammen.

Bei diesen Arten des Einkaufs ist der Kunde leider meist in einer schwächeren Position: Wer auf Börsen kauft, hat im Nachhinein oft keinen Zugriff mehr auf den Verkäufer – selbst wenn man einem dreisten Plagiator aufgesessen ist. Auktionshäuser schließen eine Gewährleistung in der Regel aus – gekauft wird wie gesehen. Uhren-Plattformen bringen zudem häufig nur Verkäufer und Käufer in Kontakt, ohne echte Garantien in Bezug auf Funktion oder Originalität zu gewähren.

Echtheit und Funktion gewährleisten

Watchfinder
Angebot an deutsche Kunden: die Website Watchfinder, die zu Richemont gehört.

Dieser Aspekt ändert sich derzeit, denn das Schlagwort heißt nun «Certified Pre-Owned», kurz CPO. Dabei geht es in erster Linie um die Gewährleistung von Echtheit und Funktion. Dass sich dieser Markt derzeit professionalisiert, zeigt der Auftritt großer Akteure: Der Richemont-Konzern, zu dem renommierte Uhrenmarken wie Jaeger-LeCoultre, IWC und Panerai gehören, akquirierte im Sommer 2018 das britische Unternehmen Watchfinder, einen Anbieter von Gebrauchtuhren. Das Unternehmen kombiniert den stationären mit dem Online-Handel und führt acht eigene Geschäfte in Großbritannien. Zudem unterhält man ein eigenes Service- Center, in dem ganz offiziell die Uhren großer Marken gewartet werden.

Nun hat Richemont mit Watchfinder und IWC ein Pilotprojekt gestartet: In der Londoner IWC-Boutique kann man eine gebrauchte Uhr in Zahlung geben. Diese wird von Watchfinder im Service-Center überholt und schließlich vermarktet. Aufgrund der guten Resonanz ziehen nicht nur andere IWC-Standorte, sondern auch weitere Richemont-Marken nach.

Von den USA nach Europa

Omega Restaurierung eines historischen Uhrwerks
Professionelle Überholung eines historischen Uhrwerks bei Omega.

Auf CPO setzt auch der große amerikanische Juwelier Tourneau, der schon vor Jahren ins Gebrauchtuhrengeschäft eingestiegen ist. Der Fachhändler führt derzeit 27 Stores in zehn US-Staaten sowie ein Service-Center in Long Island, wo Gebrauchtuhren aufgearbeitet werden. Laut Forbes ist Tourneau der größte autorisierte Uhrenhändler in den USA. Nach eigenen Angaben bietet das Unternehmen weltweit die größte Auswahl an CPO-Uhren.

Davon profitiert inzwischen auch ein europäisches Unternehmen: Juwelier Bucherer übernahm Tourneau zu Beginn des Jahres 2018. Damit öffne man die Türe für das Geschäft mit den Gebrauchtuhren auch in Europa, bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Schweizer Handelszeitung.

Das Engagement von Richemont und Bucherer macht die Ware auf dem Gebrauchtuhrenmarkt zwar teurer, gleichzeitig aber wird der Einkauf sicherer. Die angebotenen Zeitmesser kommen direkt aus der Uhrmacherwerkstatt, sind definitiv original und frisch überholt. Zudem verfügen sie über entsprechende Papiere und Unterlagen des Verkäufers. Noch sind Bucherer oder Tourneau in Deutschland nicht aktiv geworden, Watchfinder hingegen preist sein Sortiment bereits auf einer deutschsprachigen Website an. Und auch viele Fachhändler gehen dazu über, beim Kauf einer neuen Uhr eine vorhandene in Zahlung zu nehmen, die dann im Laden oder im Netz angeboten wird.

Die Chronometrie Beyer, traditionsreicher Fachhändler aus Zürich, ist seit Jahrzehnten im Bereich Antike Uhren und Vintage Watches aktiv. Jürgen Delémont, verantwortlich für die Vintage-Uhren, weiß, dass seine Kunden beim Kauf einer Vintage-Uhr das Besondere suchen: «Ich glaube, in erster Linie wollen sich diese Kunden ein Stück Vergangenheit an das Handgelenk legen. Dadurch entsteht der Eindruck, man hätte schon vor 20 Jahren die Qualität eines Produkts erkannt, das bis heute gültig und zeitlos ist.»

Text: Iris Wimmer-Olbort


Aktuelles

Juwelier Bucherer verkauft CPO Watches

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